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Unkraut keimt seit neuem Auftrag

Über das sprießende Unkraut am Bergmannsweg in Spremberg ärgern sich Bewohner wie Klaus Kuffel.
Über das sprießende Unkraut am Bergmannsweg in Spremberg ärgern sich Bewohner wie Klaus Kuffel. FOTO: René Wappler
Spremberg. Schulterhoch sprießt das Unkraut vor den Grundstücken am Spremberger Bergmannsweg. Die Bewohner trauern den Tagen hinterher, als sie jeden Morgen auf eine gepflegte Grünanlage blickten. René Wappler

Inzwischen jedoch wuchern die Pflanzen wild neben der Straße.

So muss sich Vera Seil nahezu den Hals verrenken, wenn sie in ihrem Auto aus der Garage hinaus auf den Bergmannsweg fährt. "Ich habe hier gar keinen richtigen Überblick mehr über den Straßenverkehr", sagt sie. "Die Pflanzen versperren mir regelrecht die Sicht."

Nur 100 Meter entfernt von ihr wohnt Klaus Kuffel, der fast schon resigniert hat. Mehrmals rief er bei den Mitarbeitern des Rathauses an, wie er erzählt, immer in der Hoffnung, nun werde sich jemand um den Wildwuchs kümmern. "Passiert ist aber nichts."

Dabei weiß er wie Vera Seil, dass es auch anders geht. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft - kurz: LMBV - hatte die Grünanlage am Bergmannsweg einst gepflanzt, kurz nach dem Erneuern der Straße. Damals, so sagen es die Bewohner einhellig, sahen die Pflanzen prächtig aus, ein Schmuckstück für das Viertel mit den vielen Einfamilienhäusern, wo sie sich auch mal am Zaun für ein kurzes Gespräch über Gott und die Welt treffen.

Nach dem Bepflanzen durch die LMBV kümmerte sich zunächst eine Gartenbaufirma aus Sellessen um die Pflege. Über die Arbeit dieser Fachleute äußern sich die Einwohner vom Bergmannsweg noch heute voller Lob. "Da war alles sauber", sagt Vera Seil. "Die Rosen wurden immer ordentlich verschnitten, die Firma hat das hervorragend gemacht - bis die Arbeit an den Grünanlagen vom Rathaus neu ausgeschrieben wurde."

Der Chef des Gartenbau-Unternehmens aus Sellessen, Wolfgang Brünsch, bezeichnet die neue Ausschreibung und den damit verbundenen Verlust des Auftrags als "schweren Schlag" für seinen Betrieb. "Wir kümmerten uns ja bis zum vergangenen Jahr nicht nur um den Bergmannsweg, sondern auch um Anlagen wie den Stadtpark", sagt er. "Unser Angebot lag bei knapp 50 000 Euro im Jahr für den Stadtpark: Wenn man vernünftige Arbeit leisten und seinen Mitarbeitern wenigstens den Mindestlohn zahlen will, geht es in meinen Augen nicht billiger." Zwar habe er sich von diesem Angebot keinen großen finanziellen Gewinn versprochen. Doch er wolle seine älteren Mitarbeiter noch bis zur Rente bringen, sich selbst ja auch, und danach könne die Firma sowieso "nicht mehr in dieser Größenordnung wie bisher wirtschaften".

Bei allem Ärger über das Scheitern mit seinem Angebot zur Grünanlagenpflege äußert Wolfgang Brünsch ein gewisses Verständnis für die Spremberger Rathaus-Mitarbeiter: "Wenn die Haushaltslage so dramatisch aussieht, muss man eben sparen, wo man kann." Dies könne jedoch zulasten der Qualität gehen.

Da erscheint es fast folgerichtig, dass sich die Bewohner des Bergmannsweges über die ungepflegten Grünanlagen beklagen, nachdem der Auftrag in die Obhut einer Cottbuser Firma wechselte. Auch der Stadtpark litt unter der neuen Ausschreibung: So beschwerte sich die Fraktionschefin der Spremberger Linken, Ilona Schulz, im vergangenen Herbst bei den Rathaus-Mitarbeitern wegen überquellender Papierkörbe und Containern voller Laub.

Die Angestellten der Stadtverwaltung wollen nun auf die Beschwerden aus dem Bergmannsweg reagieren. Pressesprecher Alexander Adam kündigt an: "Die Mitarbeiter des Fachbereichs schauen sich die Grünanlagen in dieser Woche an, um danach Kontakt zur Firma aufzunehmen, die sich darum kümmern soll."