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| 13:34 Uhr

Heftige Wetterwechsel
Unkraut wächst immer schneller

Klaus Kuffel ärgert sich über das Gras, das inzwischen höher steht als die Rosen.
Klaus Kuffel ärgert sich über das Gras, das inzwischen höher steht als die Rosen. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg. Bei der Grünpflege scheinen sich erste Folgen des Klimawandels abzuzeichnen.

Das Frühjahr ist vom Aussterben bedroht. Was zunächst wie eine verrückte Idee klingt, bereitet Fachleuten bereits Sorgen. Denn das Phänomen geht mit ernsten Konsequenzen einher. In Spremberg kommen die Fachleute kaum noch mit dem Pflegen der Grünanlagen hinterher, weil nach dem kalten April sofort der heiße Mai folgt. Das gibt Rathaus-Mitarbeiterin Doritha Drews zu bedenken. Dabei beschweren sich jetzt schon Einwohner von Spremberg darüber, dass auf den Grünanlagen vor ihren Häusern das Unkraut sprießt.

Klaus Kuffel wohnt am Bergmannsweg. Er erinnert sich an Zeiten, als die Rosen vor seinem Haus weit sichtbar blühten. Einst kümmerte sich eine Gartenbaufirma aus Sellessen um das Grün am Bergmannsweg. Damals gab es keine Probleme, wie Klaus Kuffel beteuert. Der Ärger begann erst, als eine Firma aus Cottbus die Aufgabe übernahm. „Inzwischen sind die Grünanlagen in unserer Straße völlig zugewachsen“, sagt er. „Das Gras steht höher als die Rosen.“ Schon im vergangenen Jahr beklagten er und andere Bewohner diesen Zustand. Allerdings ohne Erfolg. Nun fordern sie, dass die Rathaus-Mitarbeiter den Vertrag neu ausschreiben.

Das wird zum Ende dieses Jahres ohnehin passieren. Darauf weist Doritha Drews hin, die sich bei der Spremberger Stadtverwaltung um die Grünpflege kümmert. „Der aktuelle Vertrag endet dann“, erläutert sie. „Es gestaltet sich für uns aber immer schwieriger, Firmen zu finden, die diese Arbeit erledigen.“ Dafür gebe es mehrere Gründe.

Zum einen nimmt Spremberg mit 180 Quadratkilometern den Rang einer der größten Städte des Landes Brandenburg ein, was die Fläche betrifft. Damit geht für die Fachfirmen ein erhöhter Aufwand einher. Denn sie kümmern sich auch um die Ortsteile, die weiter entfernt vom Stadtkern liegen.

Zum anderen fällt seit einigen Jahren der Frühling regelrecht aus. Frost im April, Sommerhitze im Mai: So schlagartig ändert sich inzwischen die Temperatur. Rathaus-Mitarbeiterin Doritha Drews mutmaßt, dass es sich um einen Vorboten des Klimawandels handelt. „Binnen kürzester Zeit ist plötzlich alles grün“, sagt sie. „Damit bleibt nur noch wenig Zeit für eine sorgfältige Frühjahrsbepflanzung.“

Auch in der Nachbarstadt Cottbus zeichnet sich dieser Wandel ab. Das bestätigt Rathaus-Pressesprecher Jan Gloßmann. „Wenn das Gras schneller wächst, kommt mehr Arbeit auf die Fachfirmen zu“, erklärt er. „Ob das finanzielle Konsequenzen für den kommunalen Haushalt mit sich bringt, ist jedoch im Moment noch nicht abzusehen.“

Ein weiterer Fachmann stützt die Argumente der Mitarbeiter beider Rathäuser. Als Vorsitzender des Naturschutzbundes in Spremberg sorgt sich Wieland Böttger um Flora und Fauna in der Stadt. „Wir erleben mehr und mehr einen schnellen Übergang zu Wärmeperioden“, sagt er. „Zugleich verzeichnen wir im Frühjahr ein Niederschlagsdefizit.“ Am Beispiel der Frühlingsblüher schildert er, wie sich dieses Problem auswirkt. Sie entfalten sich nach seinen Worten nicht mehr in zeitlichem Abstand zueinander, wie es früher der Fall war – sondern auf einen Schlag. „In diesem Jahr war das besonders heftig zu beobachten.“

Grundsätzlich kritisiert Wieland Böttger auch den Trend, überall penibel den Rasen zu mähen. Im Jahr 2016 warnte er im Gespräch mit den Spremberger Stadtverordneten, auf diese Weise werde den Pflanzen und Tieren langfristig die Lebensgrundlage entzogen. Trotzdem versteht er den Ärger der Einwohner am Bergmannsweg, die das sprießende Unkraut nervt. „Solche Zustände müssen nicht sein“, sagt Wieland Böttger.

Doritha Drews von der Abteilung für Grünwesen versichert, dass sie sich um den Bergmannsweg kümmern wird. Ganz glauben mag Klaus Kuffel das noch nicht. „Falls niemand mehr mit der Pflege hinterherkommt, sollen sie hier doch einfach Rasen draus machen“, sagt er. „Obwohl es schade um die Rosen wäre.“