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| 02:35 Uhr

Und die Bläser heben beinahe ab

Die Bläser des Kirchenkreises Senftenberg-Spremberg hat Jürgen Wittig geleitet.
Die Bläser des Kirchenkreises Senftenberg-Spremberg hat Jürgen Wittig geleitet. FOTO: Igel-Allzeit
Spremberg. Beim Start sind sich die Bläser noch nicht ganz sicher. "Es schlagen freudig unsere Herzen" klingt nur zaghaft festlich, aber gespannt auf anderthalb Stunden. Annett Igel-Allzeit

Zur 46. Sommermusik hat die Kreuzkirchengemeinde keinen eigenen Pfarrer. Der Senftenberger Pfarrer Manfred Schwarz übernimmt die Lesungen, das Gebet, den Segen. Auch ein neuer Kreiskantor ist noch nicht eingestellt. Und die Regionalkantorin Margret Schulze musste aus gesundheitlichen Gründen vor der Generalprobe absagen. Jürgen Wittig springt - soweit das an Krücken geht - als Leiter der Bläser ein. Und dann bleibt der Klangkörper mit 20 Musikern auch noch überraschend klein, weil nicht alle Bläser aus der Region Senftenberg-Spremberg ihre Zusagen halten konnten. Eine Zuschauerin, die ihren Banknachbarn zuflüstert: "In Cottbus wird es voller", hat recht. Aber ungünstige Umstände stacheln an: Die Chorsänger um Inna Aschberger, die Instrumentalgruppe um Irmgard Huckauf und die Posaunisten gewinnen schnell an Fahrt. "Lobt Gott in allen Landen", ein Text von Martin Behm nach der Melodie "Wie lieblich ist der Maien" von Stefan Feig singen der Chor und die Konzertbesucher kräftig mit.

Die Instrumentalgruppe beginnt mit "Ein neuer Klang" modern. David Plüss, ein zeitgenössischer Komponist aus der Schweiz, ist ein verdammt rühriger Arrangeur und Musikproduzent. Dass der Zeitsprung ins 17. Jahrhundert zu Johann Christoph Pezels "Intrade" keine Hürde wird, schaffen die Flöten.

Nach "Swing up" von Matthias Schmeiß kann das Publikum nicht anders: Es muss klatschen, obwohl sich die Geister über Zwischenapplaus bei solchen Konzerten immer streiten. Den Posaunisten um Jürgen Wittig tut er gut. Und mit der "Festlichen Intrade" von Thomas Riegler haben sie die Festigkeit, die zum Konzertauftakt noch fehlte. Ein bisschen Tom-Sawyer-Romantik kommt mit "Deep River" in die Spremberger Kreuzkirche. Der amerikanische Komponist und Posaunist Richard Roblee war bekannt für seine Swing-Workshops. Pfarrer Schwarz erzählt von der Brüderschaft Taizé um Frère Roger. Und der Chor singt mit "Bleib mit deiner Gnade bei uns" einen Song aus Taizé.

Aber nicht nur diese Tradition lässt Anita Tabel, eine der Spremberger Sängerinnen, besonders innig mitsingen. Sonder die 46. Sommermusik ist ihr ganz persönlicher Abschied vom Chorgesang. Sie hat vor zwei Wochen ihren 90. Geburtstag gefeiert. Rund 80 Jahre ihres Lebens singt sie im Chor. "Lange vor dem Kirchenchor habe ich als Mädchen im Schulchor angefangen. Nur im Krieg und als junge Mutter musste ich pausieren", erinnert sie sich. Aufgewachsen ist sie in der Dresdener Straße 5 in Spremberg, wo heute Naumanns ihr Schuhgeschäft haben. "Meine Eltern waren die Vorgänger in diesem Laden", erzählt sie. O ja, der Gesang habe sie Jahrzehnte fit gehalten. "Aber nun will der Körper nicht mehr so. Es bringt ja nichts, wenn mich die anderen Sänger auf die Bühne tragen müssen", sagt sie und seufzt, während die Bläser Reinhard Meys "Über den Wolken" noch einmal als Zugabe spielen - und beinahe abheben.

Die Sommermusik lief im Rahmen des 30. Spremberger Musiksommers. Zum nächsten Konzert in dieser Reihe am Heimatfestsamstag, 12. August werden Julia Reinhold (Orgel) und Ric Rafael Reinhold (Gesang) erwartet.