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| 14:08 Uhr

Altlastenproblem reicht bis ins Jahr 2100
Umweltrisiko lauert in Pulsberg

Spremberg. In ein paar Jahrzehnten könnte Grundwasser Schadstoffe nach Spremberg spülen.

Ein Risiko für die Einwohner von Spremberg steckt in der früheren Pulsberger Deponie. Das sagt der Beigeordnete des Spree-Neiße-Kreises, Olaf Lalk. Er warnt davor, dass ansteigendes Grundwasser in wenigen Jahrzehnten die Schadstoffe ausspülen wird, die sich in der Deponie befinden. „Es ist höchste Zeit, sich damit zu beschäftigen“, erklärte er in dieser Woche bei einem Gespräch mit Spremberger CDU-Mitgliedern im Tennisheim. Die Schadstoffe werden nach seinen Worten sonst „mit Sicherheit“ in Richtung der Stadt fließen. „Man hat zu DDR-Zeiten einfach eine Senke gesucht und den Abfall eingelagert.“

Beim Spree-Neiße-Kreis arbeitet Maik Müller als Sachgebietsleiter für Abfallwirtschaft und Bodenschutz. Er teilt die Sorge des Beigeordneten Olaf Lalk.

Dafür nennt er Gründe. Ungefähr 500 000 Kubikmeter an Abfällen liegen nach seinen Worten in der abgedeckten Deponie in Pulsberg. „Theoretisch müsste das ganze Ding saniert werden“, sagt er. Denn sobald das Grundwasser nach der Phase des aktiven Bergbaus wieder ansteigt,  dringt es auch in die ehemalige Deponie ein. „Das ist unser Kardinalproblem“, stellt Maik Müller fest.

Ein Gutachten warnte bereits im Jahr 1997 vor der Gefahr, die sich im Gelände verbirgt. Die Mitarbeiter des geotechnischen Instituts Koch schrieben damals: „Von besonderer Brisanz“ seien die mit Harz gefüllten Fässer auf der Deponie. Es handele sich um Industrieabfall, der seit dem Jahr 1977 „ohne Basisabdichtung“ an diesem Standort gelagert wurde. Hinzu kommen weitere Hindernisse, wie Sachgebietsleiter Maik Müller zu bedenken gibt. Denn im einstigen Bergbaugebiet befänden sich etliche nicht abgeschlossene Strecken und Schächte. Der Weg des Grundwassers lasse sich nicht generell vorhersehen. Fest stehe nur, dass es eines Tages nach Osten fließen werde, wo die Innenstadt liegt. Die Fachleute vom Landkreis rechnen damit, dass dies in den Jahren 2050 bis 2100 geschehen wird.

Angesichts dieses Szenarios sagt Maik Müller: „Schön wäre es, wenn die Bundesrepublik als zuständige Körperschaft die 100 bis 200 Millionen Euro zum Beräumen der Fläche aufbringen würde.“ Zwar sei es dem Landkreis möglich, die Oberfläche abzudichten, damit sich kein Sickerwasser bildet, oder eine hydraulische Dichtwand um den Deponiekörper zu bauen. Aber auch damit lasse sich das Risiko noch nicht genau kalkulieren. „Wenn wir nur die Phenolharzfässer beräumen würden, kämen Kosten von fünf bis sechs Millionen Euro auf uns zu“, erklärt der Sachgebietsleiter.

In diesem Jahr schauten sich die Mitarbeiter des Landkreises die Fläche in Spremberg an. Sie wollen prüfen, ob Geld aus dem Verwaltungsabkommen zur Braunkohlesanierung für die Deponie eingesetzt werden kann. „Wir beschäftigen uns schon jetzt damit, weil große Summen nötig sind“, sagt Maik Müller. „Wir brauchen einen Vorlauf bis zu 20 Jahren.“

Derzeit lässt sich am Standort noch keine Verunreinigung nachweisen. Das versichert der Beigeordnete Olaf Lalk. Dennoch könnten nicht nur auf der Deponie noch Überraschungen aus DDR-Zeiten auftreten, die dem damaligen leichtfertigen Umgang mit Altlasten geschuldet seien. Eine „abschließende Aussage“ dazu sei deshalb noch nicht möglich, sagt Olaf Lalk.

Die Mitarbeiter des Landkreises überwachen auch die Deponie in Cantdorf, wie der Beigeordnete berichtet. „Sobald dort Probleme auftreten sollten, werden wir handeln.“

In Spremberg gibt es nach Angaben der Unteren Abfallwirtschaftsbehörde 312 Standorte, an denen Altlastenverdacht besteht. Dabei handele es sich auch um Tankstellen und Autowerkstätten. Eine Kontrolle findet alle zwei Jahre statt.