Es ist Montag, kurz vor 18 Uhr. Ich habe keine große Vorstellung, was mich erwartet, als ich die Turnhalle der Volkshochschule betrete. Entgegen meiner journalistischen Natur habe ich kaum recherchiert, um mich mit dem Phänomen "Drums Alive" vertraut zu machen. Erst als mir Kursleiterin Grit Kotscha (35) erklärt, welche Utensilien wir in den nächsten 60 Minuten benötigen, erahne ich, auf was dieses Experiment hinauslaufen wird.

Und dann geht's los. Etwa 30 Teilnehmer haben ihre Gymnastikbälle in Schalen gelegt, sich mit Trommelstöcken bewaffnet und einen Kreis gebildet. Die Beine gespreizt, den Rumpf gesenkt, den Rücken aufgerichtet. Grit Kotscha schaltet den CD-Player ein und gibt zackige Anweisungen über ihr Headphone. Mit den Schlagwörtern "Single", "Double" und "Stick" übernimmt sie das Kommando und bearbeitet den Gummiball, während Van Halens "Jump" oder die Fluch-der-Karibik-Hymne im Hintergrund aus dem Rekorder ertönen. Neben den koordinativ wertvollen Trommelphasen baut die gelernte Aerobic-Trainerin ein paar Gymnastikübungen ein. Diese bringen einen untrainierten Menschen wie mich zwar zum Anschwitzen, erweisen sich aber als zumutbare Belastung für Teilnehmer jeden Alters.

Einer von ihnen ist Uwe Paul. In Kürze wird er 71. Der äußerst gesunde Sport ist mitnichten zu intensiv für ihn. "Es ist eine andere Art der Bewegung. Die gleichmäßige, umfangreiche Belastung bringt jede Menge Spaß", sagt er. Eigentlich wollte er sich nur davon überzeugen, dass Frauen tatsächlich Probleme mit der Links-Rechts-Koordination haben, scherzt er. Ich aber bemühe mich redlich, zu widerlegen, dass jenes eine rein feminine Beschränktheit ist. Teilweise hat es ein bisschen was von der Hase-und-Igel-Chose, bei der Vorturnerin Grit Kotscha immer einen Schritt voraus ist und ich mühselig meine Fehler zu korrigieren versuche und hinterherhechle. Besagte Fitnesssequenz, die sowohl Handlungsschnelligkeit und Merkfähigkeit trainiert als auch die Durchblutung anregt, zeigt mir doch auf recht schonungslose Weise meine Limitierungen auf. "Wir sind stolz", mahnt Kotscha immer wieder zu mehr Körperspannung. Nun ja, wenn man sein Selbstwertgefühl an einem geraden Rücken erkennt, bin ich kein stolzer Mensch. Doch ich bereue nicht, mit dabei zu sein. Das Trommeln ist ein großes Vergnügen und übt eine beruhigende Wirkung aus. Zuweilen fühle ich mich wie der junge Phil Collins.

Auch Kornelia Paul (51) empfindet den Kurs als angenehm. Die unentwegten Hiebe gegen den voluminösen Ball "helfen, Stress abzubauen. Man ist nicht k.o., geht aber mit einem guten Gefühl nach Hause", sagt sie. "Zudem verbrennt man Fett, ohne dass man es mitkriegt", ergänzt Grit Kotscha. Für mich wird vor allem die Fähigkeit geschult, über sich selbst zu lachen. Und die Moral von der Geschicht': Vieles, was aus Amerika stammt, ist so schlecht nicht.