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Touristisch eine Rolle rückwärts

Leserbrief. Mit Entsetzen habe nicht nur ich, sondern auch viele andere Bürger, erfahren müssen, dass seitens der Stadt Spremberg, die Brücken, die erste nach dem Bahnübergang Weskow in Richtung Groß Luja, die zweite im Bahnhofbereich in Richtung Graustein (Foto), abgerissen werden sollen. Die zweite Brücke in Richtung Groß Luja wird als nächste folgen, denn sie ist in einem ähnlichen desolaten Zustand. Frank-Dietmar Richard, Spremberg

Diesem Anliegen (auch im Namen sehr vieler Bürger) erhebe ich entschiedenen Widerstand.

Diese Brücken sind nicht nur bautechnisch wertvolle Bauwerke, sondern auch touristische Attraktionen. Diese Brücken werden von vielen Bürgern und Touristen per Rad und auch zu Fuß benötigt. (…) Sollen sie dann später bis zum Bahnübergang nach Muckrow gehen oder über den Bahnübergang der Muskauer Straße?

(…) Wenn wir uns als Stadt diese Abrisse leisten können, gehört aber auch der Rückbau der Wegezuführungen zu den Bauwerken und deren Renaturierung dazu. Dafür ist auch noch Geld einzustellen.

Ich selbst habe jahrelang in Vorbereitung und Bauüberwachung im Brückenbau gearbeitet und ganz andere Brückenbauwerke in der Sanierung begleitet. Zum Beispiel wird eine historisch wertvolle Brücke bei Großrössen, die auch abgerissen werden sollte, wieder saniert.

Diese oben genannten Bauwerke sind touristisch erhaltenswert, sicher mit Einschränkungen für PKW und größere Fahrzeuge. Ich stelle mir die Frage, wenn die Bauwerke nach Prüfung die Note 4,0 (o.ä.) erhalten haben, was das Bauamt bisher zur Erhaltung der Bauwerke getan hat? Bauwerks prüfungen finden in regelmäßigen Abständen statt. Von einer zur anderen Prüfung kann sich dieser schlechte Zustand nicht eingestellt haben. Hier liegen eindeutige Vernachlässigungen des Bauamtes vor.

In den angegebenen Zeiten des Abbruchs ist eine Stahl- und Betonsanierung möglich. Die Brücken sind nicht einsturzgefährdet. Die Brücken erhielten vor einigen Jahren neue Geländer, eine oberflächliche Betonbehandlung und einen neuen Deckenbelag, die den aktuellen Normen entsprechen. Es ist uns eine Pflicht, solche Bauwerke zu erhalten. (…) Wollen wir uns nicht zu einer touristischen Region entwickeln? Mit dem Abbruch der Bauwerke führen wir eine Rolle rückwärts durch.

Die Brücken in Wilhelmstal und südlich des Bootshauses haben weder ein normengerechtes Geländer, noch einen ansprechenden Belag. Die Geländer sind marode. In Wilhelmstal sind bereits die Bewehrungen in den tragenden Elementen zu sehen. Wann werden auch diese Brücken abgerissen? (…) Wir wollen uns touristisch weiterentwickeln, brechen aber alle die Entwicklung selbst ab. Das kann nicht im Sinne der Stadt sein. Wir bauen mit Millionen einen "Bahnhof", der keiner mehr ist, und einen Busbahnhof um, den keiner in dieser Art haben möchte und die auch bürgerunfreundlich, reiseunfreundlich sind (kein warmer Warteraum, keine WC-Anlagen hat, ein Bahnsteig, der zu lang ist und im nördlichen Bereich durch ein Gelände den Zugang zum Zug verhindert). Wir führen großartige Diskussionen um eine neue Schwimmhalle für viele Millionen. Wir sollten Diskussionen über erhaltenswerte, touristisch wichtige Bauwerke führen.

Wenn ich heute im Rundfunk höre, dass Herr Landrat Altekrüger mit Verantwortlichen über die Erhaltung der Radwanderwege berät, ist der Abbruch der genannten Brücken umso unverantwortlicher.