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Touristenstützpunkt in Gefahr?

Frank Retzlaff (l.) ist Geschäftsführer des Vereins "Ferieninitiative Grenzenlos", sein Bruder Berndt als Clown Retzi bekannt.
Frank Retzlaff (l.) ist Geschäftsführer des Vereins "Ferieninitiative Grenzenlos", sein Bruder Berndt als Clown Retzi bekannt. FOTO: utr1
Deulowitz/Guben. Wirklich überraschend kommt die Vorlage, die erstmals im Haushaltsausschuss diskutiert wird, nicht: Die Stadt Guben will den Touristenstützpunkt am Deulowitzer See zum Verkauf ausschreiben. Der Verkehrswert liegt einem Gutachten zufolge bei 118 000 Euro. Silke Halpick

"Begrüßen" würde es die Stadt, wenn "der jetzige Betreiber" ein Angebot abgibt, betont Sven Rogosky, Baufachbereichsleiter im Gubener Rathaus.

Der Verkauf ist eine schon lang geplante Maßnahme im Haushaltssicherungskonzept der Stadt. Der Betrieb eines derartigen Ferienobjektes sei nicht "originäre Aufgabe" der Stadt, heißt es darin. In den vergangenen Jahren wurden bereits die Zuschüsse reduziert - auch durch den Betreiberwechsel. Nun will man sich offensichtlich ganz von dem Grundstück trennen.

Als Grund wird unter anderem ein "erheblicher Investitionsstau" angeführt. Rogosky spricht von einer Summe in Höhe von 170 000 Euro für die marode Heizungsanlage sowie die baufälligen Bungalows. Mittel für die Instandsetzung sind im Haushalt nicht eingeplant.

Aber auch der gemeinnützige Verein "Ferieninitiative Grenzenlos", der seit vier Jahren den Touristenstützpunkt betreibt, verfügt nicht über so viel Geld. Immerhin summieren sich Verkaufspreis und Investitionskosten auf fast 300 000 Euro. Geschäftsführer Frank Retzlaff hofft auf einen Kompromiss, wie er gegenüber der RUNDSCHAU sagt. Der Verein werde voraussichtlich ein Angebot mit einem Preis abgegeben, den der Verein zahlen kann, der aber unter den Erwartungen liegen wird.

Das Touristencamp am Deulowitzer See hat einen guten Ruf - auch über Gubens Grenzen hinaus. Klassenfahrten, Feriencamps und andere pädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche stehen das ganze Jahr auf dem Programm. Die Gäste kommen aus ganz Brandenburg und Sachsen. Bereits für 2018/2019 gibt es Anfragen. Beliebt ist das Camp auch deshalb, weil sich den Urlaub hier auch sozial schwache Familien leisten können.

Den Verlust dieses "sozialen Aspektes" infolge einer Privatisierung befürchtet auch der Stadtverordnete Gerhard Lehmann (Linke) - zumal die Abgabe eines Angebotes nicht an ein Nutzungskonzept gebunden ist. Von einer "bitteren Pille" spricht Jana Wilke (Wählergruppe GUB-SPN), falls der jetzigen Betreiber aussteigen sollte.

"Eine Ausschreibung verpflichtet nicht dazu, die Immobilie tatsächlich zu veräußern", betont der amtierende Bürgermeister Fred Mahro. Nach Vorlage der Angebote entscheiden die Stadtverordneten ohnehin noch einmal, ob das Objekt überhaupt und an wen verkauft wird. Den Zuschlag bekomme nicht automatisch der Höchstbietende. Mahro verweist darauf, dass der Pachtvertrag Ende 2018 ausläuft. "Klarheit" für die Zeit danach, sei im "Interesse aller".

Auch in anderen Städten gibt es Probleme bei der Finanzierung solcher Objekte. So ist die Zukunft des Feriencamps Bohsdorf am Felixsee ungewiss, weil die Stadt den Pachtzins erhöhen will und die Stiftung SPI als Betreiber die Kosten für die nötige Grundsanierung nicht allein stemmen kann.