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Gemeinsamer Plan
Tourismus profitiert von Polen

Monika Kuhlee aus Spremberg führt Touristen durch den Muskauer Faltenbogen.
Monika Kuhlee aus Spremberg führt Touristen durch den Muskauer Faltenbogen. FOTO: wr
Spremberg. Im Hinterzimmer der Touristinformation am Spremberger Markt tüfteln zwei Fachleute an einem gemeinsamen Plan. Touristenführerin Monika Kuhlee sagt: "Den Muskauer Faltenbogen müsste man mithilfe offizieller Badeseen vermarkten." René Wappler

Nachdenklich nickt der Chef der Touristinformation, Marco Wentworth: "Das würde passen - und zugleich der Stadt Spremberg helfen."

Zwar zählt der Felixsee samt Aussichtsturm bereits zum Geopark. Aber Monika Kuhlee und Marco Wentworth zeigen sich einig: Es könnten weitere Badegewässer dazugehören. Schließlich zählt Spremberg inzwischen zum Tourismusverband Lausitzer Seenland - und steht seitdem in der Pflicht, diesem Namen gerecht zu werden.

Starkes Potenzial sehen die Touristiker der Region dabei im Nachbarland. Wie Marco Wentworth berichtet, kommen besonders viele Gäste zwischen 30 und 50 Jahren aus Polen nach Spremberg und Umgebung, gern mit der ganzen Familie, per Fahrrad - und einige von ihnen fragen gezielt nach Strecken zum Inline-Skaten.

Der Anteil polnischer Touristen ist im gesamten Land Brandenburg besonders hoch. Das geht aus dem jüngsten Bericht des Amtes für Statistik hervor. Weitere ausländische Gäste kommen demnach vor allem aus den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz.

Wegen des starken Interesses von Besuchern aus dem Nachbarland gibt der Spree-Neiße-Kreis seine Radwanderkarte auch in polnischer Sprache heraus. Ebenso erscheint die geotouristische Übersichtskarte aus Döbern zum Muskauer Faltenbogen auf Polnisch. Ohnehin erstreckt er sich über 185 Quadratkilometer jenseits der Grenze, weshalb die Touristenführer dem Geopark auch eine gewisse Symbolkraft zusprechen: Seit dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 2004 hat sich die Zahl der Übernachtungen von polnischen Gästen im Land Brandenburg verdreifacht - und allmählich wächst die Grenzregion zusammen, im Guten wie im Schlechten.

So erinnert sich die Spremberger Gästeführerin Monika Kuhlee daran, wie sie vor knapp zehn Jahren als Ingenieurin den Bau der Neißetalbrücke in Zelz betreute. "Damals ging es darum, auf polnischer und deutscher Seite das Baurecht herzustellen", sagt sie. "Oft behält man Bauprojekte in schlechter Erinnerung, weil so viele Dinge schiefgehen können - aber in diesem Fall funktionierte alles bestens." Der damalige Spree-Neiße-Landrat Dieter Friese sprach von einem historischen Moment, "wenn 63 Jahre nach Kriegsende an alter Stelle diese neue Brücke eingeweiht und freigegeben wird, die Menschen beider Länder endlich wieder zusammenbringt".

Wo sich die Gäste der Einweihung einst so enthusiastisch äußerten, stehen seit Ende Juli jedoch zwei große Findlinge, die Dieben den Weg versperren sollen. Kriminelle stahlen auf deutscher Seite so viele Autos und Maschinen, um sie über die Grenze zu schaffen, dass die Mitarbeiter der Kreisverwaltung kürzlich mit einem ungewöhnlichen Mittel einschritten. Nachdem die Täter selbst die Poller auf der Brücke zerstört hatten, kamen nun die Steine an diese Stelle, "um vorübergehend eine Behinderung für mehrspurige Kraftfahrzeuge zu erzeugen", wie die Kreisverwaltung mitteilt. Radfahrer und Fußgänger dürfen die Brücke weiter überqueren - die auch für Ausflüge in den Muskauer Faltenbogen dient.

Zum Thema:
Die 67-jährige Monika Kuhlee aus Spremberg gehört zu den Natur- und Landschaftsführern, die ein Zertifikat vom bundesweiten Arbeitskreis der staatlich getragenen Umweltbildungsstätten (BANU) erhalten haben. Im Muskauer Faltenbogen gibt es nach ihren Worten 15 Geoparkführer. Pro Jahr müssen sie zwei Fortbildungen nachweisen. Monika Kuhlee unternimmt auch Radtouren in das polnische Gebiet des Faltenbogens. Marco Wentworth von der Spremberger Touristinformation erklärt: "An den Geopark haben wir uns gewissermaßen herangetastet." (rw)