ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:32 Uhr

Tierzucht-Protest erleidet Rückschlag

Einige Mitglieder der Bürgerinitiative Wadelsdorf protestierten direkt vor der Ferkelzuchtanlage gegen die illegale Bautätigkeit.
Einige Mitglieder der Bürgerinitiative Wadelsdorf protestierten direkt vor der Ferkelzuchtanlage gegen die illegale Bautätigkeit. FOTO: cw
Spree-Neiße. Die Bauaufsichtsbehörde des Spree-Neiße-Kreises hat dem Investor der geplanten Ferkelzuchtanlage in Wadelsdorf am Mittwoch die Baugenehmigung erteilt. Ein Rückschlag für die protestierende Bürgerinitiative. Annett Igel und René Wappler

Den Plänen der Straathof Holding GmbH für Wadelsdorf stehen nach Auskunft der Pressestelle des Landkreises "keine öffentlich-rechtlichen Vorschriften entgegen". Nun entscheide das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz über die Freigabe und Inbetriebnahme der Anlage.

Unterdessen hält die Bürgerinitiative "Saustall Wadelsdorf und Umgebung" an ihrer Kritik fest: Der Investor habe sich bereits als unzuverlässig erwiesen, indem er trotz fehlender Baugenehmigung auf dem Gelände arbeiten ließ. So erklärt Carola Freitag im Namen der Initiative: "Wir fühlen uns vom Landratsamt getäuscht." Es habe den Mitgliedern zunächst signalisiert, dass die Anträge zur Baugenehmigung "nicht entscheidungsreif" seien. "Uns erbost dieser komplette Sinneswandel", sagt Carola Freitag. "Es ist einfach unglaublich, wie das Amt mit den Interessen der Bürger umgeht: Man könnte annehmen, dass der Landkreis angesichts dieses Investoren vor Angst bibbert." Jetzt werde die Initiative alle rechtlichen Wege ausschöpfen, um den Bau der Anlage doch noch zu verhindern. Zudem hoffen die Mitglieder darauf, dass das Landesamt für Umwelt den Plan des Bauherren eingehend prüfen wird - und ihm vielleicht eine Absage erteilt

Anders stellt es Heidrun Spengler-Knappe von der Pressestelle der Straathof Holding GmbH dar: "Nach dem verfügten Baustopp wurden lediglich weiterhin Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, die keiner Genehmigung bedürfen", teilt sie mit. Auch den Vorwurf der Bürgerinitiative, die Firma nehme für ihren Profit Tierquälerei in Kauf, weist Heidrun Spengler-Knappe zurück. "Wir halten uns an die tierschutzrechtlichen Vorgaben", erklärt sie. "Seit dem 1. Juni ist im Unternehmen eine angestellte Tierärztin für den Tierschutz zuständig." Gegenüber der Bürgerinitiative sei die Geschäftsführung "für jedes Gespräch offen". Schließlich habe die Straathof Holding GmbH auch die Gemeinde von Beginn an in die Pläne einbezogen und sie über das Bauvorhaben informiert.

Eine Schweinemastanlage unter der Straathofschen Leitung existiert seit dem Jahr 2013 bei Drebkau. Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen beschreibt Spree-Neiße-Amtstierarzt Dr..Dietmar Vogt als sachorientiert. Ehemalige Mitarbeiter berichten allerdings von traurigen Bedingungen für die Tiere: Schnell hätten sie gelernt, warum die Schweine regelmäßig gegen auftretende Darmkrankheiten gespritzt werden müssen und wie sie verendete Tiere aus den Ställen hieven. Genug Futter würden die Schweine bekommen, aber wenig Platz hätten sie. Und dann immer wieder die Leichen: Die Tiere platzten regelrecht, erzählen ehemalige Mitarbeiter.

Amtstierarzt Vogt kennt solche Fälle, und wer sucht, findet wissenschaftliche Arbeiten über diese Probleme der Schweinemast. "Möglicherweise handelt es sich um Obstipationen - was Anschoppungen und Überladungen bis zur völligen Verstopfung sind oder ein Aufblähen des Darmtraktes - unter Fachleuten als Tympanie bekannt. Das sind relativ oft auftretende Verdauungsstörungen bei Schweinen. Sie können verschiedene Ursachen haben und zum Beispiel fütterungsbedingt auftreten", sagt Dietmar Vogt.

Rund 20 000 Mastschweine werden offiziell in der Drebkauer Anlage gehalten. Das will die Bürgerinitiative "Saustall Wadelsdorf und Umgebung" für ihren Ort verhindern.

Kommentar: Das Misstrauen wird noch wachsen