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Tierschützer aus Wadelsdorf erweitern Strategie

Massentierhaltung führt bei den Tieren zu Verzweiflung und Apathie, wie die Mitglieder der Bürgerinitiative aus Wadelsdorf anmerken.
Massentierhaltung führt bei den Tieren zu Verzweiflung und Apathie, wie die Mitglieder der Bürgerinitiative aus Wadelsdorf anmerken. FOTO: Fotolia/chaisoft9
Spremberg/Potsdam. Die Mitglieder der Bürgerinitiative aus Wadelsdorf beteiligen sich an einer neuen Aktion gegen Massentierhaltung. Aktivisten wollen am kommenden Wochenende in Potsdam zehn Stunden in einem Kastenstand verbringen – und damit auf die Situation von Schweinen in der Fleischindustrie hinweisen. René Wappler

Gegründet hatte sich die Initiative aus Wadelsdorf, um gegen die Zuchtanlage in ihrem Ort zu protestieren. Das Unternehmen besteht noch immer. Doch der Widerstand hinterlässt ebenfalls seine Spuren, weit über die Spremberger Region hinaus.

Vor knapp einem Jahr hatte die Bürgerinitiative aus Wadelsdorf zuletzt öffentlich ihren Protest gegen das Unternehmen am Rande des Dorfes artikuliert. Im Mai 2016 erklärte das Oberverwaltungsgericht nach einer Klage des Naturschutzbundes, die Schweinezuchtanlage mit einer Kapazität für 2300 Sauen und Ferkel bleibe vorerst in Betrieb. Damit wollen sich die Gegner jedoch nicht abfinden. Vielmehr ändern sie ihre Strategie. So erläutert Carola Freitag von der Bürgerinitiative: "Indem wir uns mit Gleichgesinnten aus dem Land Brandenburg zusammenschließen, erweitern wir unseren Aktionsradius."

Die Aktivisten setzen also auf ein stärkeres Echo - und das mit einem gewissen Erfolg, der jedoch zugleich an Grenzen stößt. 104 000 Einwohner des Landes Brandenburg beteiligten sich 2016 am Volksbegehren gegen Massentierhaltung. Daraufhin beauftragte der Landtag die Potsdamer Regierung, bis zum Ende des Jahres 2017 einen Tierschutzplan auszuarbeiten. Allerdings ist nach den Worten des bündnisgrünen Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke "bis heute unklar, wie viele Arbeitsgruppen es gibt und wie diese zusammengesetzt sind". Er drängte im Juni auf mehr Transparenz. Eine öffentliche Antwort der Landesregierung auf seine Kritik steht noch aus.

Somit sehen die Tierschützer gute Gründe, am kommenden Wochenende in der Landeshauptstadt zu protestieren - als Auftakt einer neuen Kampagne unter dem Motto "Aufstand gegen Massentierhaltung". Dazu erläutert Carola Freitag von der Bürgerinitiative aus Wadelsdorf: "In Schweinezuchtanlagen müssen Sauen nicht nur zehn Stunden, sondern vier Wochen und länger in Kastenständen verbringen." Diese Anlagen seien so eng, "dass die empfindsamen und neugierigen Tiere sich darin nicht einmal umdrehen, geschweige denn ein paar Schritte gehen können", erklärt Carola Freitag.

Bereits im November 2016 teilte die LfD-Holding als Betreiber der Schweinezuchtanlage in Wadelsdorf mit, sie habe in den betroffenen Anlagen "alle Kastenstände im Wartebereich zu strukturierten Gruppen oder zu Großgruppen umgebaut". Doch Carola Freitag von der Bürgerinitiative bleibt bei ihrer Position: In Wadelsdorf würden "fast 7000 Schweine unter grausamen Bedingungen gehalten", die wie an anderen Standorten dieser Art zu "Verzweiflung und Apathie" bei den Tieren führen.

Grundsätzliche Kritik erfährt die Landesregierung auch vom Bauernbund - samt eines Seitenhiebs gegen die Umweltschutz-Organisationen. Bauernbund-Vorstand Reinhard Benke konstatiert: "Nach wie vor gibt es in Brandenburg keine wirksamen Instrumente, um den Bau riesiger Mastanlagen zu verhindern und damit die Auseinandersetzungen an vielen Orten zu befrieden." Stattdessen drehe sich die Diskussion zum Tierschutzplan um "sinnlose Vorschriften, mit denen die Umweltverbände uns ganz normalen Bauern das Leben schwer machen wollen".