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| 18:45 Uhr

Tiere in Not
Tiere bewahren ihr Geheimnis

Annett Stange sagt: „Diese beiden Katzen wurden neben einer Mülltonne in Spremberg gefunden.“  r
Annett Stange sagt: „Diese beiden Katzen wurden neben einer Mülltonne in Spremberg gefunden.“ r FOTO: LR / Rene Wappler
Groß Döbbern/Spremberg. Herkunft vieler Vierbeiner in der Anlage am Schäferberg bleibt trotz intensiver Suche ungeklärt.

Streunende Hunde, heimatlose Katzen: Das Tierheim am Schäferberg gerät wieder an die Grenzen seiner Kapazität. Wie Chefin Dr. Annett Stange berichtet, ließe sich diese Situation vermeiden, wenn Tierhalter Verantwortung zeigen würden.

Mittwoch, 9.55 Uhr. Auf der Bundesstraße 97 zwischen Spremberg und Cottbus läuft ein Hund.  Die Autos weichen ihm in weitem Bogen aus. Er setzt seinen Weg fort, als ob ihn der Trubel kalt lässt, zum Ortseingang von Gallinchen.

Sieben Kilometer entfernt steigt kurz darauf Tierpflegerin Marnie Semisch in einen Transporter. Sie arbeitet im Tierheim am Schäferberg, hat erfahren, dass der Hund über die Bundesstraße streunt, und will versuchen, ihn einzufangen. Unterwegs schaut sie nach links und rechts. Kann ja sein, dass der Hund sich in den Wald verkrümelt hat, auf einen Feldweg oder ein Grundstück. Doch von ihm fehlt jede Spur. In Gallinchen hält Marnie Semisch an. Sie kurbelt die Seitenscheibe herunter, fragt einen Mann, der gerade aus seinem Lastwagen steigt: „Haben Sie einen großen Hund gesehen, der hier durch die Gegend läuft?“ Er sagt: „Nein, tut mir leid.“

Hier und da biegt die Tierpflegerin in eine Nebenstraße ab. Der Hund bleibt verschwunden. Immerhin hat ihn kein Auto überfahren. Marnie Semisch fährt zurück, über den Schäferberg, nach rechts auf den Holperweg, der zum Tierheim führt.

Möglich, dass sie in den nächsten Tagen erfahren wird, wo sich der Hund aufhält und woher er stammt. Aber auch möglich, dass es ein Rätsel bleibt. Wie bei so vielen der heimatlosen Tiere. Vor drei Wochen haben die Mitarbeiter der Anlage am Schäferberg zwei kleine Katzen aufgenommen. In einem Karton saßen die Vierbeiner, am Spremberger Teschnitzweg, neben einer Mülltonne.

Vorerst leben sie im Quarantäne-Zimmer des Tierheims. Als Chefin Annett Stange den Raum betritt und nach den Katzen schaut, springen sie ihr gleich entgegen.

„Sie haben sich ganz gut entwickelt“, sagt Annett Stange. „In 14 Tagen können wir sie vermitteln.“ Trotzdem fragt sie sich, warum so viele Leute ihre Katzen nicht kastrieren lassen und lieber Jungtiere in Kauf nehmen, die sie dann einfach aussetzen. „Dabei kann sich jemand, der gar kein Geld für das Kastrieren drüber hat, an uns wenden“, erklärt sie. „Wir helfen in solchen Fällen.“

Manchmal lehnen Tierhalter aber jede Hilfe für ihre Vierbeiner rigoros ab. In Spremberg trafen Passanten in dieser Woche einen streunenden Hund, der ein Stromhalsband trug.  Die Mitarbeiter des Tierheims fanden heraus, dass die Besitzer des Hundes einen Draht um ihr Grundstück gelegt hatten. Er diente ihnen als Ersatz für einen Zaun, wie Annett Stange berichtet. „Sobald der Hund das Grundstück verlassen wollte, bekam er einen Stromschlag“, sagt sie. „Dabei ist ein solches Halsband in Deutschland verboten.“ Als sie die Familie zur Rede stellen wollte, traf sie nach eigener Aussage auf wütenden Protest. „Da fehlte jede Einsicht.“ Zwar habe die Amtstierärztin verfügt, dass der Hund zunächst wieder zur Familie komme. Doch den Besitzern drohe nun ein Gerichtsverfahren. „Das Halsband habe ich jedenfalls bei uns behalten“, sagt die Chefin des Tierheims.

Für einen anderen Streuner wird sie in vier Wochen nach einer neuen Familie suchen. Auf den Namen Tino haben die Mitarbeiter den Dackelmischling getauft, der innerhalb von zwei Tagen mehr als 30 Kilometer zurücklegte. Seine Odyssee führte ihn über Cottbus, Kahren, Koppatz und Neuhausen bis nach Spreewitz. Trotz einer Suche über das Internet ließ sich seine Herkunft nicht ermitteln.

Allerdings wirkt Tino nicht so, als ob ihn das betrübt. Sobald er aus der Baracke hinaus ins Grüne tritt, wedelt er mit dem Schwanz, rennt den Besuchern entgegen und lässt sich genüsslich knuddeln. Ein kleiner Meister der Kommunikation zwischen Tier und Mensch. Nur auf die Frage, woher er stammt, gibt er wie andere Bewohner der Anlage am Schäferberg keine Antwort.