ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:14 Uhr

Tierhalter entsorgt Ratten wie Müll

Die Farbratten, ausgesetzt im Spremberger Gewerbegebiet, leben jetzt im Tierheim.
Die Farbratten, ausgesetzt im Spremberger Gewerbegebiet, leben jetzt im Tierheim. FOTO: Wappler
Spremberg/Groß Döbbern. Wie auf einer Müllhalde hat ein Tierhalter seine lebenden Farbratten im Spremberger Gewerbegebiet am Ortsausgang nach Graustein entsorgt. Nach Auskunft von Fachleuten besteht für solche Vierbeiner in freier Natur keine Überlebenschance. René Wappler

In diesen aktuellen Fall mussten sich sogar die Mitarbeiter der Polizei und des Spremberger Fachbereichs für Ordnung und Sicherheit einschalten. Am 30. März kurz vor 12 Uhr mittags hatte ein Besucher des Gewerbegebiets die offenen Käfige entdeckt, die auf der Wiese lagen. Torsten Wendt von der Polizei-Pressestelle berichtet: "Wir haben daraufhin den Fachbereich für Ordnung und Sicherheit im Spremberger Rathaus informiert." Wie dessen Chef Frank Kulik berichtet, sind seine Mitarbeiter für Fundtier-Fälle verantwortlich. Er nahm wiederum Kontakt zum Tierheim am Schäferberg auf, um dafür zu sorgen, dass die elf verbliebenen Farbratten vernünftig untergebracht werden.

Tierheim-Leiterin Annett Stange sagt: "Als unsere Leute im Gewerbegebiet eintrafen, waren bestimmt schon einige Tiere davongelaufen." Trotzdem gelang es ihnen, elf Farbratten einzusammeln und im neuen Domizil am Schäferberg einzuquartieren.

Zunächst trennten sie die Tiere nach dem jeweiligen Geschlecht. Denn mehrere weibliche Ratten des Fundes aus dem Gewerbegebiet sind bereits trächtig. Die männlichen Vierbeiner vertragen sich prima miteinander, wie Annett Stange feststellt: Eng aneinander geschmiegt schauen sie aus ihrem Holzhaus.

Immerhin besteht in diesem Fall eine Chance, den ursprünglichen Eigentümer der Farbratten zu ermitteln. Denn bei den Mitarbeitern des Tierheims sind bereits mehrere Hinweise eingegangen. "Uns hat sogar nach unserer Veröffentlichung auf Facebook schon ein ziemlich heißer Tipp erreicht", sagt Annett Stange. "Denn einer der Käfige, recht aufwändig gestaltet, wurde dort wahrscheinlich wiedererkannt."

Falls es sich wirklich um den Eigentümer handelt, könnte das Aussetzen der Farbratten noch ernste Konsequenzen für ihn nach sich ziehen. Denn nach Angaben der Tierheim-Mitarbeiter hätte er damit einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz begangen.

Ähnlich verhält es sich bei einem Fall aus Welzow: Dort fanden Passanten kurz nach den Osterfeiertagen einen ausgesetzten Hasen, der sich einen Hinterlauf gebrochen hatte, stark abgemagert war und unter Milbenbefall litt.

Den Groß Döbberner Tierheim-Mitarbeitern gelang es mit Mühe, den Hasen wieder aufzupäppeln. "Meister Lampe" nennen sie das Tier. Sein Hinterlauf wird auf jeden Fall gebrochen bleiben, doch an Gewicht hat er wieder ordentlich zugelegt. Wer den Meister Lampe ausgesetzt hat, das ließ sich bislang nicht ermitteln. Sarkastisch merkt Annett Stange an: "Vielleicht taugte er ja nicht zu einem vernünftigen Kaninchenbraten."

Zum Thema:
Wer Interesse daran zeigt, den Farbratten aus Spremberg oder auch dem Hasen aus Welzow ein neues Zuhause zu geben, kann sich im Tierheim bei Groß Döbbern melden. Es befindet sich westlich vom Schäferberg an der Bundesstraße 97. Telefonisch ist es unter der Nummer 035608 40124 zu erreichen. Die Farbratten werden auch in Paaren an Interessenten abgegeben, die ihnen angemessene Lebensbedingungen bieten können.