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| 16:02 Uhr

Warnungen haben gefruchtet
Tierheime verhindern erfolgreich Verschenken von Vierbeinern

 Annett Stange und ihre Mitarbeiter kümmern sich auch um Kater Kulle, dessen frühere Besitzerin im Krankenhaus behandelt wird.
Annett Stange und ihre Mitarbeiter kümmern sich auch um Kater Kulle, dessen frühere Besitzerin im Krankenhaus behandelt wird. FOTO: LR / Rene Wappler
Vermittlungsstopp vor dem Jahreswechsel erwies sich im Spree-Neiße-Kreis als wirkungsvolle Aktion.

Der Rentner verstand die Welt nicht mehr. Kurz vor Weihnachten besuchte er das Tierheim am Schäferberg. Zwei junge Hunde wollte er als Geschenk für seine Enkeltochter mitnehmen. Doch die Mitarbeiter sprachen sich dagegen aus. Er könne gern noch einmal wiederkommen, sagten sie, am besten mit dem Kind und seinen Eltern, aber eine tierische Überraschung unter dem Weihnachtsbaum sei keine gute Idee. Verärgert fuhr er wieder nach Hause. Seitdem kehrte er nicht mehr ins Tierheim zurück.

Noch vor wenigen Jahren hätte die Chefin des Tierheims unzählige Episoden dieser Art erzählen können. Inzwischen gelten sie allerdings eher als Ausnahme, wie Annett Stange feststellt. „Ich habe den Eindruck, dass die Leute langsam umdenken“, sagt sie. Immer wieder wiesen Tierschützer darauf hin, dass sich Vierbeiner nicht als Weihnachtsgeschenk eignen. Immer wieder gaben Familien nach dem Jahreswechsel Hundewelpen im Tierheim ab, weil sie nicht mit ihnen zurechtkamen. Doch das kommt mittlerweile nur noch selten vor.

Dazu trugen die Mitarbeiter der Anlage am Schäferberg selbst bei. Sie beschlossen einen Vermittlungsstopp, der jeweils am 15. Dezember beginnt. „In der Weihnachtszeit schlagen die Emotionen besonders hoch“, sagt Annett Stange. „Da wollen viele Leute nur aus Mitleid ein Tier mitnehmen und merken erst später, dass sie sich damit überfordern.“ Wer es hingegen ernst meine, könne auch noch bis zum Beginn des Jahres mit seiner Entscheidung warten. Darüber hinaus sei es möglich, Spaziergänge mit den Hunden aus dem Tierheim zu unternehmen. So könnten sich Interessenten langsam mit dem Gedanken anfreunden, einen Vierbeiner zu adoptieren.

Auch die Mitarbeiter des Tierheims in Guben haben mit Erfolg darauf hingewiesen, dass sie vor Weihnachten in aller Regel auf Vermittlungen verzichten. Leiterin Kerstin Martin berichtet: „Wir empfahlen einer Familie, deren Kind deshalb in Tränen ausbrach, bitte nach dem Jahreswechsel wiederzukommen – was sie dann aber nicht tat.“ Anders als in der Vergangenheit habe es sich inzwischen jedoch herumgesprochen, dass Tiere nicht in den Wunschzettel zum Heiligabend gehören.

Noch ein weiterer Grund spricht gegen eine Vermittlung kurz vor dem Jahreswechsel. So gibt Annett Stange zu bedenken: „Die Silvesternacht ist für Hunde und Katzen stets ein traumatisches Erlebnis, weil sie der Lärm und das Licht der Böller verstören.“ So könne es passieren, dass sie dieses Trauma aufgrund mangelnder angenehmer Erfahrungen mit ihrem neuen Zuhause verknüpfen und sich nur schwer eingewöhnen. Im Tierheim hingegen, das fernab vom Silvesterkrach liegt, überstehen sie das Ereignis unbeschadet.

Obwohl inzwischen weniger Menschen nach einem tierischen Weihnachtsgeschenk suchen,  sehen sich die Fachleute mit Tragödien anderer Art konfrontiert. Bei Hoyerswerda befreiten die Mitarbeiter des Tierheims am Schäferberg einen Wellensittich aus einem winzigen Käfig, nachdem der Mieter gestorben war.  Der Vogel verbrachte offenbar sein ganzes Leben hinter Gittern. Er hat das Fliegen verlernt, und die Retter wissen noch nicht, ob sie ihn wieder aufpäppeln können.

 Eine psychisch kranke Frau aus Sachsen zeigte sich davon überzeugt, dass ihre Katzen vom Teufel besessen sind. Sie bat die Mitarbeiter des Tierheims darum, ihre Vierbeiner von diesem Fluch zu befreien. Nun befinden sich die Tiere in der Katzenstation am Schäferberg. Die Besitzerin wird derzeit in der Psychiatrie behandelt.

Mit einer Falle begaben sich die Fachleute aus dem Tierheim am Mittwoch zu einem Grundstück bei Peitz. Dort war eine Frau gestorben, die stets die Katzen auf ihrem Gehöft gefüttert hatte. Andere Einwohner des Ortes sahen sich nicht imstande, diese Aufgabe zu übernehmen. Deshalb blieb den Tierschützern nur der Versuch, die Katzen einzufangen. Bis zum Nachmittag gelang es ihnen, im strömenden Regen elf Tiere in ihre Obhut zu bringen. Jetzt versorgen sie die Vierbeiner in ihrer Anlage am Schäferberg – neben 193 weiteren Katzen, 110 Hunden und 120 Vögeln.