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Die Mücke am Blatt
Tiefgründig und zu viele Wolken

Lara Kantor sucht hier im Film "Die Mücke am Blatt" ein bisschen Trost beim Pferd.
Lara Kantor sucht hier im Film "Die Mücke am Blatt" ein bisschen Trost beim Pferd. FOTO: Peter Moschall
Spremberg. Renate Brucke, die Vorsitzende des Erwin-Strittmatter-Vereins, ist erhört worden. Als der Film "Die Mücke am Blatt" am 13. August mitten in den Sommerferien Premiere auf dem Strittmatter-Hof in Bohsdorf gefeiert hatte, äußerte sie die Hoffnung, dass sich auch die Lehrer und Schüler des Spremberger Erwin-Strittmatter-Gymnasiums den Kurzfilm anschauen. Annett Igel-Allzeit

Inzwischen haben ihn nicht nur viele Gymnasiasten gesehen, sondern er wird kontrovers diskutiert.

Produziert hat den Film der Kameramann und ehemalige Spremberger Peter Moschall. Mit Lara Kantor spielt eine Schülerin des Gymnasiums die Hauptrolle. Die Worte des Großvaters - zitiert aus Erwin Strittmatter "Schulzenhofer Kramkalender" und "Selbstermunterungen" - spricht Hellmuth Henneberg, Fernsehmoderator aus Sellessen. Sogar der Hornower Bauer Rüdiger Budek reitet kurz durch den Film, und wunderbar viel Landschaft aus der Spremberger Region illustriert Strittmatters Gedanken und die Lebenssinn-Suche des jungen Mädchens.

Die Deutsch- und Kunstlehrerin Ingrid Michel hat den Film nicht nur mit ihren Zehntklässlern diskutiert. Sie schickte der RUNDSCHAU in dieser Woche auch fünf Rezensionen. Der Film zeige etwas zu viele Wolken findet Hannes Engler, aber die Umsetzung des fiktiven Dialogs zwischen Enkelin und Großvater sei gelungen. "Zugegeben - die Probleme der Enkelin sind nichts Außergewöhnliches für Jugendliche … Jedoch machen die alltäglichen Sorgen den Kurzfilm nicht weniger interessant", so Hannes Engler. Lucy Jeinsch gefallen die Szenenwechsel: "Auch auf verschiedene Details wird besonders Wert gelegt. Beispielsweise vermehren sich die Tränen der Hauptdarstellerin nach jedem Kamerawechsel auf einem Blatt Papier. Nicht überzeugt hat mich der Regen, der offensichtlich mit einer Gießkanne erzeugt wird." Kora Büttner fasst die Stärke des Films so zusammen: "Er beschäftigt sich mit den zukunftsweisenden Gedanken und Fragen einer Heranwachsenden und regt zum Nachdenken an, ob man einer der von Strittmatter beschriebenen Lückenfüller oder mehr im Leben ist." Lenka Zacharias findet, dass die vielen Details den Film sehr authentisch machen, aber die Autogeräusche seien übersteuert. Aus der Sicht von Maike Röhle verfehlt der Film seine junge Zielgruppe: "Innerhalb von 26 Minuten wird der Zuschauer mit so viel Tiefgründigkeit überhäuft, dass es nahezu unmöglich für einen Jugendlichen ist, jeden Rat und jede Metapher beim ersten Mal zu entschlüsseln." Klar, "eine Hommage an die Lausitz mit ihrem berühmten Schriftsteller" sei der Film schon - aber sehenswert eher für ältere Generationen. Um den Film zu verstehen, reiche es nicht, ihn einmal zu sehen, da sind sich die Rezensenten der 10 L einig. Durchweg positiv bewerten sie die Filmmusik von Melanie Minuit - weil sie zu den Emotionen, zum Vogelgezwitscher und zu den Naturaufnahmen passe.

Die Lehrer wollen den Film weiter im Unterricht einsetzen. "Beim nächsten Mal aber würde ich mir die Filmemacher zum Gespräch einladen", sagt Ingrid Michel. Nicht nur weil die Diskussion "sehr zweigeteilt" ausfiel - was überhaupt nicht schlecht ist, sondern weil die Schüler auch so viele Fragen haben.

In der Touristinformation am Markt in Spremberg ist "Die Mücke am Blatt" als DVD erhältlich. Auch auf YouTube hatten die Jugendlichen den Film schnell gefunden.