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"Teddy" trifft Schmücke & Schneider

Gefragte Autogramme: Andrang bei den Ex-Polizeiruf-Kommissaren Wolfgang Winkler (l.) und Jaecki Schwarz (r.)
Gefragte Autogramme: Andrang bei den Ex-Polizeiruf-Kommissaren Wolfgang Winkler (l.) und Jaecki Schwarz (r.) FOTO: T. Richter/trt1
Welzow. So viele Gäste auf einmal hat der Welzower Packschuppen wohl noch nie gesehen. Knapp 150 Menschen wollten beim Promitalk das Polizeiruf-Duo Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler live erleben. Selbst der frühere Lehrmeister von "Hauptkommissar Herbert Schneider" fehlte nicht. Torsten Richter / trt1

"Kennste mich noch? Ich bin es, der Teddy", begrüßt Gerhard Wagner den Schauspieler Wolfgang Winkler im Packschuppen des Welzower Besucherzentrums Excursio freudig. Nun ist Wagner nicht nur ein Fan des Fernseh-Kriminalhauptkommissars Herbert Schneider. Sondern auch dessen früherer Lehrmeister. Und das im realen Leben. Allerdings nicht an einer Schauspielschule, sondern im Braunkohlenwerk "John Schehr" in Laubusch. "Der Wolfgang war mein Lehrling", erinnert sich der heute 76-Jährige. Und weiter: "Ich habe ihm beigebracht, welche mechanischen Teile zu einer E-Lok gehören", erzählt Gerhard Wagner, der in Klein Partwitz lebt. Er habe Wolfgang Winkler als "lockeren Burschen" in Erinnerung behalten.

Erstes Treffen

Während Wagner in den Jahren von 1951 bis 1992 in der Braunkohle sein Geld verdiente, zog der gebürtiger Görlitzer Wolfgang Winkler die künstlerische Laufbahn vor. Insbesondere mit dem Kinderfilm "Das Pferdemädchen" aus dem Jahr 1979 machte sich der heute 71-Jährige einen Namen. Bereits Ende der 1960er-Jahre war Winkler auf Jaecki Schwarz getroffen. Während Schwarz im Streifen "Ich war neunzehn" die Hauptperson "Gregor Hecker" spielt, verkörpert Winkler lediglich eine Nebenrolle. "Ich wurde gleich nach dem Vorspann erschossen", erinnert sich der Schauspieler schmunzelnd.

Die große Stunde des Schauspieler-Duos schlug im Jahr 1996. Denn bis 2013 spielte es in genau 50 Episoden des "Polizeirufs 110" die Kriminalhauptkommissare Herbert Schmücke und Herbert Schneider. Ursprünglich, so verrät Schwarz, sollte Wolfgang Winkler gar nicht sein Filmpartner werden. Doch die Redaktion habe niemand anderen gefunden. "Ach ja, der Winkler, der geht auch", sei seine damalige Reaktion gewesen, erzählt Schwarz, der vor seiner Schauspielerkarriere eine Lehre als Fotochemie-Facharbeiter absolvierte, augenzwinkernd. Im Laufe der Jahre seien die beiden beste Freunde geworden. Selbst bei der Verkupplung zwischen Wolfgang Winkler und seiner Ehefrau Marina habe Schwarz seine Finger im Spiel gehabt. Und wie Winkler der Angebeteten näher kam, gibt dieser ebenfalls in Welzow preis: "Im dunklen Kino hatte ich Marina gefragt, ob wir uns nicht zusammenschmeißen könnten und sah sie dabei an. Da meinte Marina, wir sollten erst mal ins Helle gehen."

Gern hätten die beiden Polizeiruf-Kommissare noch ein, zwei Jahre weiterermittelt, wie sie einstimmig sagen. Warum, erklärt Jaecki Schwarz so: "Wir trinken gern zusammen Schnaps. Also wollten wir die Schnapszahl 55 schaffen." Dagegen hätte allerdings die neue Chefin des Mitteldeutschen Rundfunks etwas gehabt. "Wir hatten den Eindruck, dass sie nicht böse gewesen wäre, wenn wir gesagt hätten, wir hören auf", drückt es Wolfgang Winkler diplomatisch aus. Die 17-jährige Polizeiruf-Ära von Schmücke & Schneider war 2013 zu Ende gegangen.

Während des lockeren Gesprächs vor 146 Gästen in Welzow werden auch ernste Themen nicht außen vorgelassen. Etwa, ob Jaecki Schwarz tatsächlich die Erblindung droht, wie in einer Berliner Zeitung zu lesen war. "Nach einem Infarkt im Sehnerv funktioniert mein rechtes Auge zwar nur noch zu zehn Prozent. Aber einen Blindenhund brauche ich nicht", stellt der Schauspieler klar. Ebenso sei es eine Zeitungsente, dass Wolfgang Winkler an Knochenschwund leide. Richtig sei stattdessen, dass sich der 71-Jährige Verletzungen an beiden Beinen zugezogen habe.

Einig ist sich das Duo, das es in der Konkurrenzserie "Tatort" eher nicht mitspielen würde. "Ich bin froh, dass ich nicht wie Til Schweiger aus einem Auto springen und anschließend sofort schießen muss", bringt es Jaecki Schwarz auf den Punkt. "Es macht doch mehr Spaß, wenn alles nicht so schnell geht und die Zuschauer möglichst lange mit raten können, wer nun der Täter ist."