ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:53 Uhr

Wasserversorgung
Spremberger Trinkwasserfassung ist gerettet

 Die Bank der Redner: Bürgermeisterin Christine Herntier, SWAZ-Verbandsvorsteher Bernd Schmied, Ingolf Arnold von der Leag, Dr. Werner Kratz, FU Berlin, und Sabine Brückner vom Nabu (v.l.n.r.).
Die Bank der Redner: Bürgermeisterin Christine Herntier, SWAZ-Verbandsvorsteher Bernd Schmied, Ingolf Arnold von der Leag, Dr. Werner Kratz, FU Berlin, und Sabine Brückner vom Nabu (v.l.n.r.). FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Die Sulfat-Fahne schrammt an Sprembergs Trinkwasser vorbei. Knapp – weshalb der Wasserverband auf eine Risikobeobachtung über 50 Jahre setzt. Von Annett Igel-Allzeit

Die veränderte Tagebauführung in Nochten rettet die Trinkwasserfassung für Spremberg. Zwei Studien bestätigen das unabhängig voneinander. Zum 11. Spremberger Wasser- und Naturschutztag hat Ingolf Arnold, Chefgeologe beim Bergbaubetreiber Leag, die neuen Bedingungen erläutert.

Ein Pyrit-Stein mit Kristallen kann wunderschön aussehen. Arnold zeigt Fotos mit gut ausgebildeten kubischen Kristallen. Doch kommt Luftsauerstoff an die Gesteine, zerfallen sie in Eisen und Sulfat. Der Sauerstoff findet zum Gestein, wenn das Grundwasser abgesenkt wird. Großflächig ausgespült werden Eisen und Sulfat, wenn das Grundwasser nach der Auskohlung der Tagebaue wieder ansteigt. Zudem sickert Niederschlagswasser durch die Pyrit-Halden.

Über das Grundwasser kommt das Sulfat in die Flüsse

„Während das Eisen Verbindungen eingeht, ist das Sulfat im Wasser wie das CO2 in der Luft: Es hat keine Lust auf Verwandlungen und Verbindungen“, erklärt Arnold. Über das Grundwasser kommt das Sulfat neben dem Eisenhydroxid in die Flüsse und Seen. Dass das Sulfat in einer Fahne auf dem Weg zur Spree künftig das Trinkwasser des Spremberger Wasserwerkes bedroht, bereitete den Wasserwirtschaftlern um Bernd Schmied, Verbandvorsteher des Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverbandes (SWAZ), einige Jahre große Sorgen. Es wurde nach neuen Fassungen gesucht. Die Bloischdorfer Rinne, die Brauchwasser für den Industriepark Schwarze Pumpe liefert, sollte Trinkwasser liefern.

Mit Vattenfall hatte es deshalb Verhandlungen und eine Finanzierungsvereinbarung gegeben. Ersatzbrunnen in Groß Luja sollten entstehen, die Brauchwasserleitung für den Industriepark geteilt und eine Rohwasserleitung zum Wasserwerk Spremberg geführt werden. Weil das neue Wasser anders in seiner Qualität sei, hätte die Aufbereitungstechnik verändert werden müssen.

Neue Tagebauführung bringt neue Hoffnung für die Spremberger

Doch mit der neue Tagebauführung, die sich auf das Sonderfeld Mühlrose beschränkt, dürfen die Spremberger nun hoffen, dass die Sulfat-Fahne, die Trinkwasserfassung nicht erreicht. „Der SWAZ braucht keine neuen Brunnen bauen lassen und kein Wasser in großen Mengen bei Nachbarn einkaufen“, verspricht er.

Programme, um solche Szenarien über Jahrzehnte berechnen zu können, haben die Amerikaner entwickelt. Sämtliche Bedingungen können als Faktoren eingegeben werden. Auf einer Karte zeigt Arnold, wie die Sulfat-Werte im Grundwasser zwischen kleiner als 100 und 1400 Milligramm pro Liter schwanken. Unmittelbar an der Pyrit-Halde soll der Sulfatanteil bei 4800 Milligramm liegen.

Wasserwerke gehen längst gegen hohe Sulfatwerte vor. Bei 250 Milligramm pro Liter liegt der Grenzwert in der Trinkwasserverordnung. „Humantoxikologisch“, so Arnold, „ist dieser Wert aber nicht begründbar.“ Sondern mit dem Rosten von Leitungen. Nicht nur diesbezüglich mangele es an Studien. Er rät dem SWAZ, das Langzeitmonitoring zu verdichten. Laut Schmied soll die Risikobeobachtung über 50 Jahre laufen. Noch in diesem Jahr werde die Finanzierungsvereinbarung mit der Leag der neuen Situation angepasst.