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| 16:21 Uhr

Neuhausen/Spree
Sergens Sühnekreuz kehrt zurück

 Das  Sühnekreuz soll bald wieder in Sergen stehen.
Das  Sühnekreuz soll bald wieder in Sergen stehen. FOTO: BLDAM, Detlef Sommer
Neuhausen/Spree. Es soll am Kreuzweg nahe der Dorfkirche auf einem Sockel stehen. Von Annett Igel-Allzeit

Das Sühnekreuz von Sergen soll einen neuen und würdigen Platz im Dorf bekommen. Mehrere Jahre war es auf Wanderschaft mit einer Reihe weiterer Steinkreuze aus dem 14. bis 17. Jahrhundert. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) hatte diese Rechtsdenkmale für die  Wanderausstellung „Sagenhafte Steinkreuze“ zusammengetragen. Auch in der Ausstellung „Steinkreuze und Kreuzsteine in Brandenburg“ kam das Sergener Kreuz , 74 Zentimeter hoch, 55 Zentimeter breit und bis zu 14 Zentimeter dick, noch einmal zu Ehren.

Die Mark Brandenburg soll nicht mehr besonders viele dieser Kreuze haben. Im Süden, der einst zu Sachsen gehörte und im Mittelalter im Einfluss des „Sachsenspiegels“, dem Rechtsbuchs des Eike von Repgow (gestorben 1233), gestanden hatte, sind sie etwas häufiger anzutreffen. Sie erinnern an Menschen, die Opfer eines Mordes oder auch eines Unfalls geworden waren. Bis in die Neuzeit, so informierte das Landesamt für Denkmalpflege in den Ausstellungen, sei es üblich gewesen, mit „Sühneverträgen“ den Rechtsfrieden wieder herzustellen. Mörder und Totschläger wurden in diesen Verträgen verpflichtet, Entschädigungen an die Familien der Getöteten zu zahlen. Sie mussten Seelenmessen bestellen oder ein Sühnekreuz aufstellen.  Ob die Mörder die Kreuze sogar selbst herrichteten, dazu haben die Historiker unterschiedliche Meinungen.  Meist aber soll das Kreuz direkt am Tatort aufgestellt worden sein.

Auch Spremberg hat solche Steinkreuze. Im Niederlausitzer Heidemuseum im Kulturschloss Spree-Neiße, das bestätigt Museumsleiter Eckbert Kwast, sind zwei Sühnekreuze zu bestaunen.  Das berühmteste Spremberger „Kreuzchen“ aber steht in Kochsdorf. Legenden wie die vom Duell des Räuberhauptmanns Heinrich Oswald Lauermann und dem Husarenoffizier Graf Bodo von Schwerin ranken sich darum.

Eine solche Legende geschweige denn seine tatsächliche Geschichte sei vom Sergener Kreuz leider nicht überliefert, sagt Dieter Perko, Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree. Ursprünglich soll es bei Kathlow gestanden haben. Mehrere Jahrzehnte stand es auf dem Grundstück des ehemaligen Gutshauses Sergen, das unter anderem mal Kinderheim war. Im März 2009 lag es dort ungesichert am Nordwesteck der Gutshauswand gelehnt. Der damalige Eigentümer des Grundstücks genehmigte, dass das Kreuz Teil der Ausstellung wird. Doch er blieb nur bis 2016 Grundstückseigentümer, ist wieder weg aus Sergen. Nun, wo das Kreuz zurückkehren soll, sei er einverstanden damit, dass das Kreuz wieder in Sergen steht. „Wir haben mit ihm einen Leihvertrag über 99 Jahre abgeschlossen“, sagt Bürgermeister Perko. Auch der Ortsbeirat und der Förderverein Dorfkapelle Sergen sind sich mit dem Landesamt und der Gemeindeverwaltung einig darüber, das Kreuz nun am Kreuzweg  unweit der Kirche aufzustellen. Einen Sockel soll es bekommen, damit es besser zu sehen ist. Einstimmig haben die Gemeindevertreter den neuen Standort auf dem Gemeinde-Grundstück beschlossen.

Dr. Markus Agthe, Außenstellenleiter des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, in Cottbus freut sich über die Entscheidung. Er versichert: „In unserem Magazin in Wünsdorf steht das Kreuz zum Abtransport nach Sergen bereit.“

 Das  Sühnekreuz soll bald wieder in Sergen stehen.
Das  Sühnekreuz soll bald wieder in Sergen stehen. FOTO: BLDAM, Detlef Sommer