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Seminar zur Zukunft der Stadt am Tagebau
Studenten wälzen Ideen in Welzow

Studierende fragen sich: Wie könnte Welzow im Jahr 2050 aussehen?
Studierende fragen sich: Wie könnte Welzow im Jahr 2050 aussehen? FOTO: Wappler / LR
Welzow. Bis zum Sonntag tüfteln junge Leute aus aller Welt in der alten Dorfschule.

Till Uppenkamp fragt in die Runde: „In welcher Landschaft wollt ihr im Jahr 2050 leben?“ Der Student der Cottbuser Uni nimmt am Seminar in der alten Dorfschule teil. Junge Leute von sechs deutschen Hochschulen sitzen um die Tische, Stifte in der Hand. Sie sammeln Ideen für die Zukunft von Welzow.

Studentin Aqsa Gul von der Hochschule Anhalt erörtert mit ihrer Nachbarin, ob Welzow zur Stadt am See werden könnte. „Zwar klingt der Gedanke verlockend“, sagt sie. „Aber worin läge der Vorteil gegenüber anderen Orten in der Lausitz?“ Ein Bildungspfad, vielleicht mit einem Museum in der Landschaft – das sei eher reizvoll.

So streiten die Gäste miteinander. Landschaftsarchitektin Dr. Christine Fuhrmann leitet das Seminar, gemeinsam mit dem Dozenten Thomas Knorr-Siedow. „Die Welzower leben seit mehr als 40 Jahren in einer besonderen Situation“, sagt er. „Immer wieder wurde ihnen etwas versprochen, und dann kam es doch ganz anders.“ Erst zu Beginn dieses Monats erfuhren die Einwohner, dass der Tagebau Welzow-Süd langsamer vorankommt als zunächst geplant. Die Rathaus-Mitarbeiter merkten in einer Stellungnahme an: Das Projekt unterbreche wichtige Straßen und Wege, es belaste die Menschen,  führe zum Verlust von Natur.

Ein Mitglied der Arbeitsgruppe für Braunkohle besucht am Freitagmorgen das Seminar der Studenten. Der Stadtverordnete Uwe Rogin (Zukunft Welzow Proschim) sagt: „Es steht ja immer noch in Frage, wie es mit Proschim weiter geht.“ Das zeige sich auch an den Debatten im Stadtparlament. Eine Seite befürworte den Abbau der Braunkohle, weil er die wirtschaftliche Basis der Region bilde. Die andere Seite wende sich strikt dagegen, da er für eine ungewisse Zukunft stehe.

In den Notizen der Studenten spiegelt sich der Streit um Welzow wider. Sie verweisen auf die „emotionale Bindung zum Ort“, darauf, dass niemand genau weiß, was die nächsten Jahrzehnte bringen werden. Landschaftsarchitektin Christine Fuhrmann sagt. „Mit unserem Seminar wollen wir zeigen, dass etwas passiert, dass sich Fachleute aus aller Welt für Welzow interessieren.“ Vielleicht seien die Bürger nicht stark genug in die Diskussion um ihre Stadt eingebunden gewesen, erklärt die Dozentin. Auch deshalb stehe das Seminar in der alten Dorfschule jedem Besucher offen.

Julia Klemm studiert an der Cottbuser Uni. Aus ihrem eigenen Erleben berichtet sie: „Bevor eine viel befahrene Straße in meiner Heimatstadt in eine verkehrsberuhigte Zone verwandelt wurde, gab es unzählige Treffen.“ Mal in größerer Runde, mal in kleinerem Kreis sprachen die Nachbarn miteinander. „Nach vielen Gesprächen ist die Variante jetzt akzeptiert.“

So prangt ein Satz an der Wand der Dorfschule, den die Studenten für besonders wichtig halten: „Fragt die Welzower“. Mit drei Ausrufezeichen.