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Studenten sehen in Welzower Zukunft

Einen Park für Mountainbiker können sich die Studenten auf dem Tagebaugelände vorstellen
Einen Park für Mountainbiker können sich die Studenten auf dem Tagebaugelände vorstellen FOTO: BTU
Welzow/Spremberg. Ein Mountainbike-Park könnte nach dem Ende des Tagebaus östlich von Welzow entstehen, vielleicht auch ein Wildgebiet mit Zeltplatz oder ein Standort für Forscher: Studenten haben am Mittwochabend im Welzower Rathaus ihre Ideen vorgestellt. René Wappler

Sie erhalten nur ein paar technische Vorgaben, bekommen sonst jedoch jede Freiheit: Junge Leute vom Studiengang für Stadt- und Regionalplanung entwarfen drei Vorschläge für die Zukunft des Tagebaugebiets zwischen Welzow und Spremberg. Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) erläutert: "Die Stadt Welzow muss eine klare Aussage zu dieser Fläche vorlegen." Dies erwarte die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) von der Kommune.

Deshalb suchten die Mitarbeiter des Rathauses Kontakt zur Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus. Dort arbeitet Landschaftsarchitektin Dr. Christine Fuhrmann, die sich gleich für die Aufgabe interessierte, mit den Studenten an Ideen für die Epoche nach dem Tagebau zu tüfteln.

Um das Jahr 2020 herum wird das Verkippen auf der ausgekohlten Fläche am Rand von Welzow beginnen: Darauf weist Bergbaukoordinator Michael Pohl aus dem Rathaus der Stadt hin. Nun befassen sich die Einwohner mit den Vorschlägen aus dem Studiengang, für die es zwar noch keine finanzielle Basis gibt, die aber andeuten, welche Chancen im heutigen Tagebaugebiet stecken.

So wagt eines der Projekte "einen weiten Blick in die Zukunft", wie die Studenten in ihrem Begleitschreiben anmerken. Aus dem Ursprung der Kohle, dem Holz, könnte demnach eine Forscherstation auf der Fläche entstehen - mit weiterem Potenzial für Werkstätten und Betriebe der Holzindustrie. Das Welzower Fenster mit Blick nach Spremberg behält laut diesem Projekt seine Funktion als Aussichtspunkt. Ein Fußweg über die Gleispromenade verknüpft es mit der Innenstadt. Die Studenten schlagen vor, neue Pflanzenarten anzusiedeln und auf diese Weise das Gebiet in ein großes Experimentierfeld zu verwandeln. Als "Welzower Zyklus" bezeichnen sie ihr Projekt, als einen Kreislauf, der vom Holz über die Kohle zurück zum Holz führt - welches nach ihrer Ansicht als Material künftig an Wert gewinnen wird.

Holz, Wildnis und Technik

Eine zweite Idee aus dem Studiengang für Stadt- und Regionalplanung trägt den Titel "Welzower Wildnis". Ein Wisent-Gehege schwebt den Studenten vor, ebenso eine Anlage für Wildpferde, abgegrenzt vom Gebiet, durch das die zurückgekehrten Wölfe streifen.

Eine Koexistenz beider Tierarten ohne Schutz würde den Pferden zur Gefahr erwachsen: In Ländern wie Spanien oder der Mongolei zählen sie zur festen Beute der Wölfe, wie auch der Naturschutzbund zu bedenken gibt. Einen erhöhten Zeltplatz würde die "Welzower Wildnis" beherbergen, einen Hochsteg über den Baumgipfeln, in zehn bis 20 Metern Höhe, und einen Kiosk im Zentrum.

Das dritte Projekt lautet: "Technik erfahren im Welzower Bike-Park". Zwar gibt es schon ein dichtes Netz an Radwegen in der Region, aber ein Park für Mountainbiker fehlt bislang noch, wie die Studenten festgestellt haben. Relikte des Tagebaubetriebes könnten einen Teil der Strecke bilden und die Landschaft formen.

Im Konzept heißt es dazu: "Das Lausitzer Seenland ist vor allem für Aktivurlauber interessant, die im Regelfall nicht unbedingt landschaftliche Idylle, sondern einmalige Erlebnisse suchen." Neben einem Ferienpark im Westen des früheren Bergbaugeländes schlagen die Studenten auf der Ostseite zwei Strecken für Biker vor, eine im Norden und eine im Süden, auf einer Fläche von je 30 bis 60 Hektar Größe.

Zum Thema:
Eine Foto-Ausstellung unter dem Titel "Einblicke und Ausblicke - Welzow am Rande des Tagebaus" ist noch bis zum 28. Februar im Spremberger Rathaus zu sehen. Sie stammt vom Studiengang für Soziale Arbeit an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, unter der Leitung von Prof. Dr. Agnes Saretz und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Anja Raschke. Die Projektgruppe verfolgt den Wandel in der traditionellen Bergarbeiterstadt und begleitet Kinder, Jugendliche und vor allem ältere Menschen. Entstanden sind die Fotos auf verschiedenen Touren durch Welzow und den angrenzenden Tagebau.