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| 18:54 Uhr

Streit um Spremberger Bürgerhaus

Am Landgericht wird derzeit der Schaden behandelt, der nach wenigen Jahren am Bürgerhaus in Spremberg entstanden ist.
Am Landgericht wird derzeit der Schaden behandelt, der nach wenigen Jahren am Bürgerhaus in Spremberg entstanden ist. FOTO: René Wappler
Spremberg. Die Stadt Spremberg plagt sich mit einem Immobilienproblem. Nur sieben Jahre nach dem Bau müsste das Bürgerhaus am Marktplatz dringend saniert werden. Doch die Altstadtsanierungsgesellschaft (ASG) trägt mit dem Architekturbüro ein Gerichtsverfahren aus. René Wappler

Als modernes Glanzstück der Innenstadt sollte das Bürgerhaus dienen. Von einer "bewussten Provokation" sprach Architekt Uwe Wittig noch im Jahr 2010. Tatsächlich provoziert das Gebäude bis heute. Allerdings auf eine Weise, die den Fachleuten von damals weniger lieb sein dürfte: Eine innenliegende Dachrinne sorgt vermutlich dafür, dass sich gerade bei starkem Regen die Feuchtigkeit staut. Von einem Schaden, "der erheblich höher ausfällt, als man es sich denken würde", spricht die Stabsstellenleiterin für Rechtsfragen im Spremberger Rathaus, Kerstin Schenker. Zu weiteren Details äußert sie sich nicht - was sie mit dem aktuellen Gerichtsverfahren begründet.

Die Sanierung des Bürgerhauses steht wegen der Mängel ganz oben auf der Liste künftiger Investitionen, wie Stadtchefin Christine Herntier (parteilos) im März vor den Mitgliedern des Bauausschusses erklärte. Andere Projekte leiden darunter. Zum Beispiel der Ratskeller, der sich gleich nebenan befindet, direkt unter den Räumen der Stadtverwaltung. Klaus Grüneberg von der Spremberger SPD-Fraktion fragte bereits bei der Bürgermeisterin nach, was nun mit dem früheren Restaurant passieren wird. Sie erwiderte: "Den Ratskeller braucht man nicht anzugehen, wenn man nicht das gesamte Rathaus anfasst." Aus der einstigen Gaststätte steigt Salpeter nach oben. Ein Indiz dafür, dass dort ein ähnliches Problem besteht wie im benachbarten Bürgerhaus: Salpeter bildet sich vor allem in feuchter Umgebung.

Die Mitarbeiter des Rathauses halten eine grundlegende Sanierung des Ratskellers momentan für ausgeschlossen, was Stabsstellenleiterin Kerstin Schenker in dieser Woche noch einmal im Gespräch mit den Senioren vom Verdi-Stammtisch betonte. Dies begründete sie ähnlich wie das Stadtoberhaupt mit den nötigen Bauarbeiten am Bürgerhaus. Daraufhin wunderten sich die Besucher des Stammtisches: Wie könne es denn passieren, dass ein Haus kurz nach dem Bau so heftige Schäden aufweise?

Mit dieser Frage befasst sich das Cottbuser Landgericht. Auf der einen Seite steht dort die Altstadtsanierungsgesellschaft, die den Bau begleitete, auf der anderen Seite das Architekturbüro "mayerwittig". Beide Parteien halten sich nach wie vor bedeckt, obwohl der Konflikt nur wenige Monate nach der Eröffnung des Bürgerhauses entbrannte. Selbst die Stadtverordneten behandelten das Problem stets hinter verschlossenen Türen, und im öffentlichen Teil ließen sie lediglich die eine oder andere spitze Bemerkung fallen. Zwar sprachen die Fachleute des Rathauses erst am Dienstag dieser Woche erneut in einer internen Konferenz über das Bürgerhaus. Doch Fachbereichsleiter Gerd Schmiedel erklärt dazu: "Mit Hinweis auf das Gerichtsverfahren kann ich keine Details preisgeben."

Sogar zum finanziellen Ausmaß des entstandenen Schadens am Gebäude äußern sich die Experten nur vage. So erinnert sich der frühere Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU), heute Bundestagsabgeordneter in Berlin: "Die genaue Schadenshöhe war mir zum Zeitpunkt meines Ausscheidens aus dem Amt noch nicht bekannt."

Nach den Worten des Landgericht-Pressesprechers Frank Merker handelt es sich bei diesem Konflikt um ein "selbstständiges Beweisverfahren". Er erläutert: "Im Normalfall lassen die Parteien einen Sachverständigen einsetzen, der das jeweilige Bauwerk untersucht - und auf der Grundlage seiner Feststellung könnten sie dann auch außerhalb des Gerichts zu einer Einigung finden." Das Verfahren werde im Wesentlichen schriftlich geführt. Es ergeht laut Frank Merker am Ende auch keine Entscheidung des Gerichts in der Sache, "also - abgesehen von den Verfahrenskosten - über irgendwelche Ansprüche von Beteiligten". Ob eine Einigung möglich ist - dazu wagt derzeit keiner der beteiligten Fachleute eine Prognose.

Ohnehin bereiten die Immobilien im Zentrum von Spremberg den Kommunalpolitikern und den Rathaus-Mitarbeitern immer wieder Sorgen. So wehrten sich die Stadtverordneten gegen den geplanten Verkauf des City-Centers, obwohl es den Eigentümer, das Wohnungsunternehmen Gewoba, Jahr für Jahr eine stattliche Millionensumme kostet. Die Spremberger Politiker fürchten, dass ein neuer Besitzer eines Tages auf das Spreekino im Gebäude verzichten könnte. Dessen Betrieb stärkt nach ihrer Ansicht allerdings den Einzelhandel in der Innenstadt - wofür sie auch gewisse Einbußen in Kauf nehmen.