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Straßenpflaster wird zur Stolperfalle

Vor-Ort-Begehung mit Betroffenen in der Mühlenstraße.
Vor-Ort-Begehung mit Betroffenen in der Mühlenstraße. FOTO: cw
Spremberg. So denkmalgerecht und historisch korrekt das Straßenpflaster in der Spremberger Innenstadt auch sein mag: Für ältere und gehbehinderte Menschen, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, wird es immer mehr zur Stolperfalle und zum unüberwindbaren Hindernis. Catrin Würz

Vor allem die Mühlenstraße ist in die Kritik geraten. Die Stadt sucht nun nach Lösungsmöglichkeiten für das Dilemma. Wenn Ursula Schmidt von ihrer Wohnung am Mühlenplatz aus die kaum zweihundert Meter bis zur Spremberger Einkaufsstraße bewältigen will, ist das für sie jedesmal ein riesiger Kraftakt. Die 59-Jährige ist wegen einer Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen. Fährt sie damit durch die Mühlenstraße, bleiben die Reifen des Rollis immer wieder in den ausgewaschenen Fugen des Straßenpflasters hängen. "Im Winter wird die Straße noch gefährlicher: Weil sich das Pflaster von beiden Seiten zur Mitte hin vertieft, liegt dort immer Schnee. Dann wird es auch noch zur Rutschpartie", sagt sie.

Auch für Dorothea Krause, Mitglied im Spremberger Seniorenbeirat, ist der Zustand dieser Straße absolut nicht hinnehmbar. "Im direkt angrenzenden DRK-Seniorenheim trauen sich die Bewohner nicht, diesen kürzesten Weg bis zum Stadtzentrum zu gehen, weil sie fürchten, mit dem Rollator steckenzubleiben. Dieser Zustand kann auf keinen Fall so bleiben", sagt sie mit Nachdruck.

Die Spremberger Stadtverwaltung ist schon vor mehr als einem Jahr vom Seniorenbeirat auf das Problem hingewiesen worden - doch eine schnelle und einfache Lösung wurde bis heute nicht gefunden. Denn die Umstände sind schwierig: Die Mühlenstraße wurde zirka im Jahr 1999 mit Fördermitteln saniert, weshalb die Stadt mindestens 15 Jahre daran nichts verändern darf. Der Denkmalschutz hat damals auf das historische Natursteinpflaster bestanden. "Ob es bei den Denkmalschützern heute eine andere Auffassung zu dem Thema gibt, werden wir jetzt prüfen", sagte Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos). Sie hatte am gestrigen Dienstag zu einer Vor-Ort-Begehung mit dem Bauamt und allen Betroffenen eingeladen und damit nun auch eines ihrer Wahlkampfthemen angepackt.

Stadtverordnete Ilona Schulz (Linke) berichtete von einem Hinweis, den der Landesbehindertenbeauftragte ihr kürzlich gegeben habe: In Erfurt wurde ein neues Verfahren zur Versiegelung von historischem Straßenpflaster mit einer Art Lack erfolgreich erprobt. "Wir werden uns darüber informieren und den Bauausschuss in Kenntnis setzen", versprach Bürgermeisterin Herntier. Auch die Stadt Spremberg selbst hatte im vergangenen Jahr bereits mit verschiedenen Materialien experimentiert, um die Fugen im Pflaster zu verfüllen. Zwei Versuchsflächen in der Mühlenstraße und am Kirchplatz sind mit Kunstharzmörtel bearbeitet worden. Bei den städtischen Baufachleuten fiel das recht teure Verfahren aber durch. "Schon jetzt ist zu sehen, dass das Material bröselt. Und dabei hatten wir noch nicht mal einen richtigen Winter", erklärte Bauhofleiter Lothar Groß.