55,12 Euro pro Person: So würde sich der Schaden aufgrund krimineller Delikte im Spremberger Polizeirevier verteilen, wenn ihn alle Einwohner gleichermaßen tragen müssten. Denn die Beamten in der Region sind insgesamt für 31 745 Bürger zuständig.

Wie die Unterlagen des Innenministeriums offenbaren, bleiben Diebstähle die Straftaten, bei denen die Opfer den stärksten finanziellen Verlust erleiden. Einen Schaden von 1,1 Millionen Euro richteten die Täter mit dieser Art von Delikten in Spremberg, Welzow und weiteren Orten des Reviers an. Dabei bildeten Fahrzeugdiebstähle im Jahr 2015 mit 536 000 Euro die Hälfte des Anteils.

Vor allem die Einwohner von Tschernitz sahen sich direkt von diesem Problem betroffen: Drei Personen aus ihrem Ort sollen mindestens 50 Einbrüche begangen haben, nicht nur in den Orten rings um Spremberg, sondern auch bei Weißwasser und in Berlin. Im Dezember fanden Polizeibeamte auf dem Grundstück der mutmaßlichen Diebesbande Autos, Geld und technische Geräte, die sie auf illegale Weise in ihren Besitz gebracht haben soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesen Fällen, mittlerweile sind die verdächtigen Personen aus Tschernitz weggezogen, und Bürgermeister Peter Drobig stellte im Juni fest: "Die Zahl der Diebstähle hat seitdem drastisch abgenommen."

Doch aus gutem Grund wähnen sich die Bewohner des Dorfes nach wie vor nicht in Sicherheit. Erst am Montag dieser Woche stahlen Diebe ein Auto von einem Parkplatz in der Spremberger Straße. Die Beamten fahnden nach dem Fahrzeug, konnten es aber bislang noch nicht aufspüren.

Der Schaden, den Diebe nach Einbrüchen in Wohnungen hinterließen, belief sich im Jahr 2015 in Spremberg und Umgebung laut Statistik des Innenministeriums auf 55 224 Euro - also ungefähr ein Zehntel des Verlustes, der aufgrund von Fahrzeugdiebstählen entstand. Zwar hinterlassen Einbrecher oft nicht nur eine Spur der Verwüstung in den Wohnungen, sondern auch in den Seelen der Betroffenen. Aber eine derart dramatische Dimension wie im brandenburgischen Speckgürtel rund um Berlin hat diese Form der Delikte im Spremberger Polizeirevier noch nicht angenommen. So erklärte die Chefin der Polizeiinspektion für Cottbus und den Spree-Neiße-Kreis, Bettina Groß, in einem Gespräch mit den Stadtverordneten von Spremberg: Das massive Problem der Einbruchsdiebstähle, die durch Banden begangen werden, bestehe "hier aktuell nicht".

Ähnlich hoch wie bei Fahrzeugdiebstählen liegt allerdings der Schaden, der in Spremberg und Umgebung bei Betrugsdelikten entsteht. Er belief sich im Jahr 2015 auf 569 376 Euro. Zu diesen Fällen zählt der Warenkreditbetrug: Jemand bestellt ein Produkt, zum Beispiel im Internet, weigert sich aber später, dafür zu bezahlen. Außerdem kommt es vor, dass vermeintliche Verkäufer Waren anbieten, diese dann aber entgegen aller getroffenen Absprachen nicht an den Käufer ausliefern.

Laut Polizeichefin Bettina Groß gehen Betrugsstraftaten ebenso wie Diebstähle oft mit starkem Drogenkonsum der Täter einher: Oft betrachten sie den illegalen Weg als einzige Chance, den Kauf teurer Suchtmittel zu finanzieren.

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So sieht derzeit die Ausstattung der Spremberger Polizei aus, wie aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Landtag hervorgeht: Es gibt 28 Computer im Polizeirevier, 24 Digitalfunkgeräte, sechs Funkstreifenwagen, einen zivilen Streifenwagen, zehn Atemalkoholtestgeräte, ein Drogenvortestgerät und ein Lasergeschwindigkeitsmessgerät. "Änderungen sind zur Zeit nicht geplant", teilt das Ministerium mit. 24 Polizeibeamte arbeiten im Spremberger Revier. Auch ein "personeller Mehrbedarf" ist nach Angaben der Landesregierung "derzeit nicht erkennbar". Erst wenn sich die Einwohnerzahl entsprechend verändern würde, ergäbe sich eine neue Situation.