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Starke Vereine prägen den Ort

Die Vereine machen das Dorfleben aus. Da waren sich alle einig.
Die Vereine machen das Dorfleben aus. Da waren sich alle einig. FOTO: ang1
Tschernitz. Die Dörfer Tschernitz und Wolfshain können zurzeit auf zwölf Vereine zählen. Deren Mitglieder machen viel Gutes möglich. Anja Guhlan / ang1

Doch es herrscht Anspannung, denn nicht alles kann ohne finanzielle Mittel gestemmt werden. Das war der Tenor am Donnerstagabend beim "Vor Ort"-Gespräch der Lausitzer RUNDSCHAU in Tschernitz.

Allen liegt die Lebensqualität und die Vereinsarbeit in ihren Dörfern am Herzen - viele engagieren sich auch ehrenamtlich dafür. Der Tschernitzer Bürgermeister Peter Drobig ist sich bewusst: "Dörfer leben durch Vereine." Die Vereinsarbeit in beiden Ortsteilen klappe ganz gut. Viele Vereine sind sehr ambitioniert in der Nachwuchsgewinnung. So schildert Jugendwart Richard Dollan von der Wolfshainer Wehr, dass sowohl die zehnköpfige Kidsfeuerwehr als auch die Jugendfeuerwehr mit 20 Jugendlichen ausgelastet sind. Gründe dafür? "Wir gehen mit der Feuerwehrarbeit bereits in die Kindergärten, um dort für Nachwuchs zu werben. Zudem werden bei uns die Ausrüstungen gestellt. Ein Jahresbeitrag ist auch nicht von Nöten." Andere Vereine kämpfen regelrecht um den Nachwuchs. Viele Kinder probieren sich in mehreren Vereinen aus, um dann zu wählen. Nichtsdestotrotz vernetzen sich auch einige der Vereine, um gemeinsam für den Ort zu wirken.

Generell versuchen die Vereine, ein breites Angebot auf die Beine zu stellen. Dazu braucht es aber auch Ehrenamtler und Übungsleiter. Bei den meisten fallen rund 400 Arbeitsstunden an Vereinsarbeit im Jahr an. "Gerade diese Ehrenamtler sollten mehr gewürdigt werden. Ohne sie wäre die Vereinsarbeit nicht stemmbar", regt ein Besucher an. Roman Krause, der Vorsitzende der SG Wolfshain, würde auch mehr die Eltern ins Boot zu holen. "Viele Eltern geben ihr Kind einfach beim Verein ab, statt sich intensiv mit dem Hobby des Kindes auseinanderzusetzen. So könnte man letztendlich noch mehr Befürworter für die Vereine finden."

Auch unterstützten viele Vereine die Gemeinden dadurch, dass Leistungen wie zum Beispiel ein neuer Anstrich des Vereinsgebäudes selbst durchgeführt werden. "Doch alles auf die Vereine und die Ehrenamtler abzuwälzen, kann nicht die Lösung sein", meint Peter Drobig. Die Gemeinde ist mit einem Haushalsdefizit mit sechs Millionen Euro hoch verschuldet. "Jede einzelne Ausgabe muss inzwischen durch einen Beschluss freigegeben werden. Zudem haben wir für freiwillige Leistungen nur 70 000 Euro zur Verfügung. Da überlegt man drei Mal, für was das Geld ausgegeben wird", erklärt Drobig. Bei den Bewohnern ist für diese Situation kaum Ärger wahrzunehmen, eher Mitleid. Zu ihm kämen oft Bewohner, erzählt Drobig, und versicherten: Wenn sie den Jackpot knacken, dann entschulden sie die Gemeinde. Der Schuldenberg drückt auf die Stimmung.

Hätte Peter Drobig wie im Märchen nur einen Wunsch frei, würde er zuerst die Gemeinde entschulden. Aber das Leben spielt nun mal nicht im Märchen. Und so hofft die Gemeinde vielleicht auf eine Lösung aus der Richtung der Landes- oder Bundespolitik.