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| 17:38 Uhr

Zwei junge Rückkehrerinnen setzen auf Pflegekräfte als Aushilfen
Ständige Aushilfe als Alternative

Janine Burrichter und Marilyn Seitz werben auch auf Messen mit ihrer Medizinischen Zeitarbeitsfirma und suchen auch nach qualifiziertem medizinischen Fachpersonal.
Janine Burrichter und Marilyn Seitz werben auch auf Messen mit ihrer Medizinischen Zeitarbeitsfirma und suchen auch nach qualifiziertem medizinischen Fachpersonal. FOTO: Anja Guhlan
Spree-Neiße. Zwei Spremberger Pflegekräfte haben eine medizinische Zeitarbeitsfirma gegründet.

Wer festangestellte Pflegerinnen fragt, wie zufrieden sie mit ihrer Arbeit sind, muss auf Stoßseufzer gefasst sein. Bei Janine Burrichter (27) und Marilyn Seitz (28) ist das anders. Die beiden examinierten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen schwärmen, wenn sie über ihren Job sprechen. Sie bestimmen ihr Arbeitspensum selbst, haben keinen Ärger mit dem Vorgesetzten und erhalten ein gerechtes Gehalt. Die Spremberginnen sind als geschäftsführende  Gesellschafterinnen einer Zeitarbeitsfirma teilweise auch selbst noch als Leasing-Fachkraft tätig.

Doch gilt Zeitarbeit nicht als ein Modell, in dem schlecht bezahlt wird und arbeitsrechtliche Standards eher unter- und nicht überboten werden? „Vielleicht auf dem Bau oder in der Industrie. In der Gesundheitsbranche ist das anders“, meint Janine Burrichter. Sie und ihre langjährige Freundin Marilyn Seitz haben im November 2016 als Rückkehrerinnen die Medizinische Zeitarbeitsfirma „Alohomora“ UG für medizinisches und pflegerisches Personal gegründet. In einem Wachstumsmarkt. Denn die Zahl der Zeitarbeitskräfte in der Gesundheits- und Pflegebranche steigt kontinuierlich. Waren es im Jahr 2013 bundesweit noch rund 35 000, sind es  aktuell schon mehr als 43 000 Beschäftigte. „Der Grund für diese Entwicklung ist jedoch nicht der Job an sich, sondern die Arbeits- und Rahmenbedingungen, unter denen derzeit in der Pflege gearbeitet wird“, erklärt Marilyn Seitz. Beide kennen die Arbeitssituation von Festangestellten aus eigener Erfahrung.  Permanente Unterbesetzung, Dienstpläne  mit wenig Mitspracherecht, dafür wird Flexibilität vorausgesetzt, fallen Pausen aus. Es gebe Personal mit 100 bis 200 Überstunden und es herrsche teilweise permanente Überforderung. Das Personal arbeite oft am Limit, ohne Aussicht auf Verbesserung.

Die Medizinische Zeitarbeitsfirma sei ein Gegenentwurf. „Die Arbeitszeiten unserer Angestellten sind planbar und geschehen in gemeinsamer Absprache mit ihnen. Sie stehen nicht unter dem sozialen Druck“, erläutert Marilyn Seitz. Derzeit haben die beiden Jungunternehmerinnen in ihrer Zeitarbeitsfirma „Alohomora“ fünf Angestellte. „Diese legen selber fest, an welchen Tagen sie im Monat arbeiten und welche Schichten sie bevorzugen“, erklärt Janine Burrichter.  Nach vielen Jahren des Personalabbaus ist die Pflege vielerorts so knapp besetzt, dass rein statistisch drei von vier Pflegebetrieben und 60 Prozent der Krankenhäuser Probleme haben, qualifiziertes Personal zu finden.  Zeitarbeit sei in Krankenhäusern und vermehrt auch in Pflegebetrieben aufgrund des Fachkräftemangels ein Thema. Viele müssten verstärkt auf Zeitarbeitskräfte zurückgreifen. Dann kommen die beiden Sprembergerinnen ins Geschäft. In einem kleineren Rahmen wollen sie Krankenhäuser, Altenheime und Pflegedienste in der Region in Zeiten bei Krankheits- , Schwangerschafts- oder Urlaubszeiten  mit ihren Fachkräften unterstützen.  Gesundheits- und Krankenpflegern soll gleichzeitig eine flexible, unbefristete und übertariflich gut bezahlte Möglichkeit geboten werden. „Sie sollen wieder sehen, wie wichtig, abwechslungsreich und schön der Pflegeberuf sein kann“, ergänzt Marilyn Seitz.