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Spremberg
„Wasser ist was wert“

Spremberg . Verbandsvorsteher Bernd Schmied äußert sich zu den Gebühren für Verbraucher

Steigende Kosten und sinkender Wasserverbrauch werden auf lange Sicht die Gebühren beeinflussen. Das nimmt Bernd Schmied vom Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverband (SWAZ) an. „Es besteht immer noch ein deutlicher Investitionsbedarf von mindestens drei Millionen Euro im Jahr“, sagte er am Mittwoch vor den Stadtverordneten. „So müssen zum Beispiel Abwasseranlagen erneuert werden, die inzwischen 25 Jahre alt sind.“ Zwar sei der SWAZ liquide und er bezahle seine Lieferanten und Mitarbeiter pünktlich. Trotzdem stehe der Verband vor neuen Herausforderungen.

Ein Drittel des Wassers nutzt der typische private Haushalt zum Baden und Duschen. Weitere 27 Prozent fließen durch die Toilettenspülung. Den dritten Platz der Hitliste belegt das Wäschewaschen. Auf diese Zahlen berief sich Bernd Schmied vom Wasserverband, als er den Spremberger Stadtverordneten das Unternehmen vorstellte.

Nach der Qualität des Trinkwassers in der Stadt Spremberg erkundigte sich Claudia Noack von der Nächsten Generation. „Hier sind wir besonders gut dran“, sagte Bernd Schmied, „weil wir Grundwasser in unseren Werken aufbereiten.“ Er selbst schleppe gar keine Wasserflaschen mehr aus dem Supermarkt nach Hause.

Allerdings zahlen die Einwohner von Spremberg im Vergleich mit anderen Regionen Deutschlands auch recht hohe Gebühren für ihr Wasser. Darauf wies Anita Schreiber hin, die für die Linke im Stadtparlament mitarbeitet.

Das räumte auch Bernd Schmied ein. Im Jahr 1993 betrug die Gebühr für einen Haushalt mit drei Personen in Spremberg im Durchschnitt noch 372,21 Euro, wie aus den Unterlagen des Verbandes hervorgeht. Sie stieg bis zum Jahr 2017 auf 783,18 Euro. Dabei sei der Verband jedoch von Fehlinvestitionen verschont geblieben, mit denen sich andere Städte und Wasserverbände plagen. Als klassisches Beispiel für solche Fehler nannte er den Bau von Kläranlagen, die inzwischen wieder geschlossen wurden.

Einen sehr guten Zustand attestierte Bernd Schmied auf Nachfrage von SPD-Fraktionschef Dirk Süßmilch dem Leitungsnetz des SWAZ. Rohrbrüche kamen demnach in Spremberg vor 30 Jahren noch drei Mal so oft vor wie heutzutage.

Dafür waren jedoch kostspielige Investitionen nötig. „In den 90er-Jahren wurde besonders viel gebaut“, erklärte Bernd Schmied. „Daraus resultierte der starke Anstieg der Gebühren.“ Der Anteil von Fördermitteln beim Finanzieren von Verbandsprojekten liege inzwischen leider nur noch bei 13 Prozent. Für die Jahre 2016 und 2017 seien 1,6 Millionen Euro an Fördermitteln zugesagt und „zum Teil“ ausgezahlt. „Die Förderpolitik gleicht mittlerweile einer Achterbahnfahrt“, sagte der Verbandsvorsteher.

Doch selbst wenn es mehr Fördermittel gäbe, käme der SWAZ wohl auf lange Sicht kaum um steigende Gebühren herum. Zwar betonte Bernd Schmied am Mittwoch bei der Konferenz im Bürgerhaus, dass er alles versuchen werde, um die Kosten für die Verbraucher stabil zu halten. Aber auch der Verband kommunaler Unternehmen gibt zu bedenken: „Wird weniger Wasser gebraucht, kann die Gebühr sogar steigen, weil die Fixkosten auf eine geringere Wassermenge und gegebenenfalls auch auf wenige Kunden umgerechnet werden.“ Zugleich führe das Sparen zu einem erhöhten Aufwand beim Versorger. Denn durch das Leitungsnetz müsse aufgrund hygienischer Vorgaben stets eine bestimmte Menge von Trinkwasser fließen. Dies gelte unabhängig davon, ob es der Verbraucher nutzt.

Bernd Schmied bekräftigte im Gespräch mit den Stadtverordneten: „Wasser ist was wert, man braucht es, und deshalb muss es was kosten.“

Immerhin sorgt die Speicherkapazität von 14 420 Kubikmetern im Spremberger Verbandsgebiet dafür, dass die Einwohner allein mit dieser Menge fast zwei Tage lang versorgt werden können. Zudem haben die Kläranlagen die Möglichkeit, das Abwasser von 64 075 Einwohnern zu reinigen. Nach den Worten von Bernd Schmied zeugen diese Zahlen von einer „beachtlichen Kapazität“.