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| 17:36 Uhr

Streit um geplante Straße in Schwarze Pumpe
Ein Schild weckt Misstrauen

Die Besucher warteten drei Stunden vor verschlossener Tür. Am Eingang stand das Schild, das den Zutritt zum Ratssaal untersagte.
Die Besucher warteten drei Stunden vor verschlossener Tür. Am Eingang stand das Schild, das den Zutritt zum Ratssaal untersagte. FOTO: LR / Rene Wappler
Spremberg. Besucher fragen sich, warum Stadtverordnete zunächst hinter verschlossener Tür tagen.

Mittwoch, 15.30 Uhr. Ein Schild am Eingang weckt das Misstrauen der Besucher. Aus Schwarze Pumpe kommen sie, eine Gruppe von Frauen und Männern, die sich gegen den Plan für die Südstrecke zum Industriepark wehren. Nun stehen sie vor dem Sitzungssaal der Stadtverordneten im Spremberger Bürgerhaus. Hinein dürfen sie nicht, denn auf dem Schild steht: „Nicht öffentliche Sitzung! Bitte nicht stören! Eintritt nur nach Aufforderung!“ Seit 90 Minuten warten sie vergebens auf Einlass.

Die Stadtverordneten haben sich darauf geeinigt, dieses Mal zuerst hinter verschlossenen Türen zu beraten und erst später das Publikum zuzulassen. Sonst geschieht es in aller Regel umgekehrt.

Die Fragestunde für Einwohner ist für 17 Uhr vorgesehen, später als üblich. Das verwundert die Besucher aus Schwarze Pumpe. Zu ihnen zählt Karsten Hartstock. „Ich muss wohl annehmen, dass die Stadtverordneten hier gerade Sachen beschließen, über die später im öffentlichen Teil nur noch pro forma gesprochen wird.“

Ähnlich äußert sich Gabriele Lekscha, die am Mittelweg in Schwarze Pumpe wohnt und einen schriftlichen Einspruch gegen die geplante Südstrecke an das Rathaus geschickt hat. „Wir befürchten, dass die Sache bereits in allen Details beschlossen ist, ohne dass uns jemand ernsthaft anhört.“ In ihrem Einspruch warnen sie und ihr Ehemann vor dem Bau der Straße. Lärm, Abgase, sinkender Wert der Grundstücke und Häuser: Diese Argumente führen sie auf. Eine Lärmschutzwand betrachten sie als Alternative, nicht jedoch als zufriedenstellende Lösung.

Am Bahnweg lebt Ilona Hofmann. Sie fürchtet, dass der Wert ihrer Immobilie sinkt. „Uns wurde zugesichert, dass wir Fragen zur Südanbindung stellen können“, sagt sie. „Aber als der Bauausschuss zuletzt in Schwarze Pumpe tagte, wurden unsere Wortmeldungen nicht zugelassen.“ Ilona Hofmann wohnt seit ihrer Geburt vor mehr als 65 Jahren in Spremberg. Nach dem Ende der DDR, erlebte sie für einen kurzen Moment, wie Schwarze Pumpe aufblühte. „Inzwischen verschlechtert sich unser Umfeld permanent“, erklärt sie. „Wir haben keinen Arzt mehr, keine Apotheke, und mich beschleicht das Gefühl, dass es mit Schwarze Pumpe immer weiter bergab geht.“

Die Stadtverordnetenvorsteherin Elke Franke (Die Linke) verlässt gegen 16 Uhr für einen Moment den Sitzungssaal. Sie widerspricht dem Eindruck der Besucher, die Kommunalpolitiker würden hinter verschlossenen Türen geheime Absprachen zur Südstrecke treffen. „Es gab Problemstellungen, die für den Haushalt relevant sind“, sagt sie. „Da später im öffentlichen Teil darüber abgestimmt wird, mussten wir diese Fragen erst klären.“ Auch CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel erklärt, das Misstrauen der Gäste aus Schwarze Pumpe entbehre jeder Grundlage. „Wir hatten Besucher aus einer anderen Region, denen wir nicht zumuten wollten, erst um 22 Uhr die lange Heimreise anzutreten.“

Den Besuchern aus Schwarze Pumpe wurde aber eine dreistündige Wartezeit draußen vor der Tür zugemutet. Erst um 17 Uhr können die Einwohner ihre Fragen vor den eigenen Kommunalpolitikern loswerden. Die parteilose Bürgermeisterin Christine Herntier erwidert: „Der Schwerpunkt der Industrieansiedlung liegt im Industriepark Schwarze Pumpe.“ Sie hoffe, er werde weiter gestärkt. Die Südanbindung solle helfen, den Stadtteil vom Lärm zu entlasten – anders als von vielen Einwohnern befürchtet. „Die Grenzwerte werden nach Angaben von Fachleuten in allen Prognosen eingehalten.“ Die Bürgermeisterin bezeichnet die vorgesehene Straße als „unverzichtbar“.