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Stadt versteigert endlich altes Auto

Frank Kulik freut sich darüber, dass der alte VW Polo einen Käufer gefunden hat.
Frank Kulik freut sich darüber, dass der alte VW Polo einen Käufer gefunden hat. FOTO: René Wappler
Spremberg. Dienstag, 14.10 Uhr. Nun findet sich doch ein Käufer für das alte Auto: Zum zweiten Mal bieten die Spremberger Rathaus-Mitarbeiter einen VW Polo, Baujahr 1995, bei einer Versteigerung an – endlich mit Erfolg. René Wappler

Mit offener Motorhaube steht das Auto auf dem Hof der Stadtbrigade, sichergestellt im vergangenen Jahr in der Spremberger Innenstadt. Dem rechtmäßigen Eigentümer ließ es sich nicht zuordnen. Blieb also nur die Versteigerung als Option.

Werner Schiemenz aus Cantdorf hat eben den Zuschlag erhalten, noch in dieser Woche wird er den grünen VW Polo abholen - allerdings nicht, um ihn selbst zu fahren.

"Für meine Enkeltochter habe ich hier mitgeboten", sagt er.

Ein paar Leute inspizierten das Auto schon vor 14 Uhr. Fast alle befanden schließlich, dass sich der Aufwand nicht lohnt, auch wenn das Mindestgebot bei 200 Euro liegt.

Zum Beginn der Versteigerung warten nur noch zwei Parteien auf dem Hof der Stadtbrigade. Eine Frau und ihr Sohn zeigen Interesse, weil er gerade seinen Führerschein absolviert, kurz vor der theoretischen Prüfung, und ein Freund des jungen Mannes befindet: "Technisch ist so weit alles in Ordnung, wie es scheint." Zwar würde dieser Freund eher zum Kauf eines japanischen Autos statt eines VW Polo raten, diese Modelle hält er für robuster, aber gut, bei einem Ausgangspunkt von 200 Euro gehen auch Fachleute schon mal Kompromisse ein.

Auch Werner Schiemenz aus Cantdorf hält das Auto für gut genug, um es vor dem Verschrotten zu retten. Er bietet also für seine Enkeltochter, die Frau für ihren Sohn, und beide schauen einander etwas verlegen an, als fänden sie es schade, dass eine Partei leer ausgehen wird.

"Dann nehmen wir eben beide je ein halbes Auto", scherzt Werner Schiemenz.

Hinzu tritt der Fachbereichsleiter für Bürgerservice im Rathaus, Frank Kulik. In der rechten Hand hält er die nötigen Formulare, und im Gesicht trägt er ein Lächeln. Immerhin: Zwei bietende Parteien sind besser als gar keine, wie er es beim ersten Termin der Versteigerung im Dezember erleben musste. Im Amtsblatt hatten die Rathaus-Mitarbeiter angekündigt, dass der VW Polo zu haben ist, auf ihrer Internetseite ebenfalls, und trotzdem fand sich damals niemand, der das Fahrzeug kaufen wollte.

Frank Kulik schaut auf seine Uhr.

"14 Uhr", sagt er. "Wir können beginnen."

Er bittet die beiden Bieter um Vorlage des Personalausweises, Ordnung muss sein, um dann das Verfahren zu erläutern: "Verkauft wird also ein VW Polo, Baujahr 95, 234 000 Kilometer auf dem Tacho." Sofort sei das Fahrzeug zu bezahlen, ab dem Mindestgebot gehe es in Schritten zu zehn Euro weiter.

"Sie hatten die Möglichkeit, es sich anzuschauen", stellt Frank Kulik fest. "Eine Gewährleistung besteht nicht, das Fahrzeug ist kurzfristig abzuholen."

Beide Bieter nicken. Los geht es.

210. 220. 230 Euro sind geboten, aha, das Gebot steht aktuell bei 250, 260, 270, zum ersten, zum zweiten, wieder hebt sich eine Hand, 280, 290, 300, 310 Euro.

Es bleibt bei 310 Euro, geboten von Werner Schiemenz. Die Frau nickt, sie sagt: "Damit können wir leben."

Also erklärt der Fachbereichsleiter die Versteigerung für beendet. "Das ging ja schneller als erwartet", sagt er.

Werner Schiemenz zählt das Geld ab, reicht Frank Kulik die Scheine, und er fragt: "Habt ihr wenigstens die Unkosten raus?"

Der Rathaus-Mitarbeiter antwortet: "Ganz effektiv betrachtet, eher nicht." Da sei schließlich die Rechnung vom Abschleppunternehmen, die Papierarbeit, das alles lasse sich kaum gegenrechnen. Trotzdem zeigt sich Frank Kulik erleichtert: "Hätte es auch beim zweiten Mal nicht mit der Versteigerung geklappt, wären auf uns auch noch die Kosten fürs Verschrotten zugekommen."

Eine Überraschung erwartet Werner Schiemenz noch. Der Kofferraum des Autos lässt sich nicht öffnen. Ob sich dort vielleicht ein wertvoller Gegenstand befindet - das wird er in den nächsten Tagen herausfinden.