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Digitalprojekt in Spremberg
Stadt plant öffentliches Internet

Benjamin Schorg setzte sich schon vor zwei Jahren für öffentliches Internet auf dem Marktplatz ein.
Benjamin Schorg setzte sich schon vor zwei Jahren für öffentliches Internet auf dem Marktplatz ein. FOTO: Wappler / LR
Spremberg. Europäische Kommission gibt Starthilfe für kostenlose Zugänge im Zentrum.

Ein neuer Vorstoß könnte zu kostenlosem Internet auf den öffentlichen Plätzen in der Spremberger Innenstadt führen. Die Europäische Kommission bietet ein Programm für Städte und Gemeinden an, das ihnen finanzielle Hilfe in Aussicht stellt. In der nächsten Woche werden die Stadtverordneten über eine Teilnahme beraten.

Bis zum Jahr 2020 soll „jedes Dorf und jede Stadt in Europa“ über einen kostenlosen Internetzugang dieser Art verfügen. So kündigt es der Präsident der Europäischen Kommission an, Jean-Claude Juncker. Als Anschub dienen Gutscheine im Wert von je 15 000 Euro, um die sich die Orte bewerben können.

Die Mitarbeiter des Spremberger Rathauses haben eine Strategie für „freies Wlan in der Innenstadt“ entwickelt. Im Dokument heißt es, ein solches öffentliches Netz sei mittlerweile „unerlässlich“. Als Standort kommen demnach die Lange Straße und der Marktplatz in Frage. Einmal nur sollen die Besucher des Stadtzentrums ihre E-Mail-Adresse auf dem Telefon oder Rechner eingeben. Dann erhalten sie Zugang zum Internet. Das sieht die Strategie des Rathauses vor. Zugleich legt sie Regeln für den Datenschutz fest. Demnach werden die Nutzer keinen Zugriff auf das interne Netz der Stadtverwaltung erhalten und einander nicht beeinflussen können. Die Kosten für zwei Internetzugänge in der Innenstadt belaufen sich nach dem Konzept des Rathauses künftig auf 1000 Euro im Jahr.

Inwiefern die Bewerbung für die Gutscheine der Europäischen Union aussichtsreich ist, bleibt vorerst offen. Das gibt die Leiterin der Stabsstelle für Recht im Spremberger Rathaus zu bedenken. Bis Mitte Mai muss der Antrag abgegeben werden, wie Kerstin Schenker weiter mitteilt. Dabei komme es darauf an, zu den ersten Bewerbern zu zählen.

Schon vor zwei Jahren hatte der damalige Sprecher der Wählergruppe „Die nächste Generation“ bei Bürgermeisterin Christine Herntier nachgefragt, ob ein öffentlicher Internetzugang im Stadtzentrum möglich wäre. „Die Digitalisierung ist mittlerweile nicht mehr nur ein Jugendthema“, erklärte Benjamin Schorg. Für das Stadtmarketing stecke in einem öffentlichen Internetzugang ebenso eine Chance wie für Tourismus und Gastronomie. „Vielleicht können wir so auch als Region bei der nächsten Erhebung für den Zukunftsatlas nicht unter die letzten sieben Plätze im Deutschlandranking fallen.“

Tatsächlich attestierte der Zukunftsatlas vom Prognos-Institut dem Spree-Neiße-Kreis bei der Digitalisierung „weniger gute Chancen“. Insgesamt landete der Landkreis auf Platz 396 von 402 untersuchten Regionen Deutschlands. Dabei flossen in die Studie weitere Faktoren ein. Zu ihnen zählten die Demografie, der Arbeitsmarkt, Wettbewerb und Innovation sowie Wohlstand und soziale Lage. Die Stadt Cottbus erreichte Platz 350. Eine schlechtere Wertung als der Spree-Neiße-Kreis erreichten nur noch Vorpommern-Greifswald, der Elbe-Elster-Kreis, der Landkreis Prignitz, Mansfeld-Südharz, Vorpommern-Rügen und als Schlusslicht der Kreis Stendal.

Die Digitalisierung bildete eine neue Kategorie im Zukunftsatlas 2016. Sie habe sich „zu einem entscheidenden Standortfaktor für Regionen entwickelt“, heißt es in der Studie. Dabei zeige sich, dass wie der Spree-Neiße-Kreis mehr als die Hälfte der untersuchten Regionen schlecht entwickelt sei. Die Autoren stellen die These auf, die Digitalisierung verbessere derzeit nicht die Chancen für den ländlichen Raum. Vielmehr nehme die Konzentration auf größere Städte zu. Deshalb werde eine flächendeckende Versorgung mit Breitband das Abwandern von Arbeitskräften nicht aufhalten. Zumindest zeichne sich diese Tendenz bereits in den USA ab, wo es die Menschen mehr und mehr in die großen Städte ziehe.