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| 02:43 Uhr

Stadt plant bessere Radwegweiser

Regelmäßig unternehmen die Bläser der Spremberger Kreuzkirchengemeinde eine Radtour durch die Region.
Regelmäßig unternehmen die Bläser der Spremberger Kreuzkirchengemeinde eine Radtour durch die Region. FOTO: ani
Spremberg. Radtouristen finden sich in Spremberg nur schwer zurecht: Das stellen die Mitarbeiter des Rathauses fest. Sie wollen deshalb ein besseres System an Hinweisschildern etablieren – bei einem Investitionsaufwand von fast 150 000 Euro. René Wappler

Bedeutende Orte verdienen eine Beschriftung, die den Besucher informiert: So äußern sich Rathaus-Sprecher Alexander Adam und die Leiterin der Stabsstelle Recht, Kerstin Schenker. In einem Schreiben, das den Stadtverordneten vorliegt, erläutern sie: "Hinzugezogene Einwohner, die sich mit Spremberg vertraut machen möchten, haben es aktuell recht schwer, sich zurechtzufinden." Den Radtouristen gehe es ähnlich. Deshalb sollen künftig mehrsprachige Schilder auf interessante Plätze hinweisen. "Eine sprachliche Vielfalt ist derzeit nicht gegeben", heißt es in der Beschlussvorlage der Rathaus-Mitarbeiter. "Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, tun sich sehr schwer."

Das geplante Wegeleitsystem, wie es offiziell heißt, zählt so neben dem Ausbau der Radwege zu den Projekten, mit denen die Stadt Spremberg ihren Ruf als Ausflugs-ziel untermauern will. Viel spricht dafür, dass die Tourismusbranche weiter wachsen wird: Laut dem jüngsten ADAC-Reisemonitor steigt die Urlaubsdauer mit dem Alter - und bundesweit nimmt der Anteil von Senioren an der Einwohnerzahl zu. Touristen unter 30 Jahren verreisen demnach bei ihrem Haupturlaub im Durchschnitt zwölf Tage im Jahr, Menschen ab 60 Jahren hingegen 14,8 Tage.

Der Radtourismus, auf den Spremberg setzt, gilt dabei als "wachsendes Urlaubssegment", wie die Reiseanalyse vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) für das Jahr 2017 feststellt. Mittlerweile entwickelt sich das Internet bei den Reiseplänen zur Konkurrenz gegenüber klassischen Radkarten: 72 Prozent der Radtouristen informieren sich über freie digitale Karten wie Google Maps. 61 Prozent stützen sich auf das Internetangebot der Touristinformationen.

Darauf weisen auch die Mitarbeiter des Spremberger Rathauses hin: Ein regionales Programm für Mobiltelefone - in seiner Kurzform als App bezeichnet - könne "den Bogen zwischen traditioneller und moderner Wegführung schlagen". Zudem lasse die elektronische Variante einen besseren Service bei der Sprachvielfalt zu.

Allerdings helfen alle Programme nichts, wenn es an gastronomischen Angeboten mangelt: Das stellt der frühere Fahrradbeauftragte des Berliner Senats fest. Benno Koch präsentiert regelmäßig Radtouren im Programm von Radioeins, und er war erst am vergangenen Wochenende wieder mit dem Rad in der Spremberger Region unterwegs. "Für Radtouristen entscheidet sich auf den ersten 20 bis 30 Kilometern ihrer Tour, ob sich der Ausflug lohnt", sagt er. "Kommt über lange Strecken kein Restaurant und kein Imbissstand, hat die Tourismusindustrie schon ihre Chance vergeben." Die braune Farbe der Spree in Spremberg bezeichnet er sogar als "geschäftsschädigend": "Ich staune immer noch darüber, wie grandios man doch bei der Rekultivierung früherer Tagebauregionen scheitern kann." Der Fahrradexperte plädiert dafür, die Verkehrs-Investitionen im Landeshaushalt an den tatsächlichen Anteil von Radfahrern anzupassen: Sie würden damit auf 13 Prozent steigen. "Tourismus funktioniert nur mit vernünftiger Infrastruktur", gibt Benno Koch zu bedenken.

Ein Auslastungsniveau unter 30 Prozent führt in der Niederlausitz zu einer prekären betriebswirtschaftlichen Lage bei vielen Unternehmern aus der Branche: Dies berichtet das Tourismusbarometer für das Jahr 2016, herausgegeben vom Ostdeutschen Sparkassenverband. Dabei steckt enormes Potenzial in der Umgebung von Spremberg: Aus der ADFC-Reiseanalyse geht hervor, dass sich einer der beliebtesten Radfernwege Deutschlands ganz in der Nähe befindet. Der Oder-Neiße-Radweg mit Stationen in Bad Muskau, Forst und Guben belegt den zehnten Platz - bei steigender Beliebtheit. Das Land Brandenburg zählt ohnehin zu den populärsten Radregionen der Bundesrepublik. Es findet sich bei den ausgewerteten Regionen auf dem sechsten Platz ein.