| 02:44 Uhr

Stadt berät über Anreiz für Ehrenamt

Die Auszeichnung ehrenamtlicher Bürger in Spremberg gehört zu den Traditionen der Stadt – wie hier im vergangenen Jahr im Bergschlösschen. Im Dezember wird sie erneut stattfinden, und der Bildungsausschuss-Vorsitzende Klaus-Dieter Peters setzt darauf, dass der Ehrenamtspass schon zu diesem Termin an verdienstvolle Menschen überreicht werden kann.
Die Auszeichnung ehrenamtlicher Bürger in Spremberg gehört zu den Traditionen der Stadt – wie hier im vergangenen Jahr im Bergschlösschen. Im Dezember wird sie erneut stattfinden, und der Bildungsausschuss-Vorsitzende Klaus-Dieter Peters setzt darauf, dass der Ehrenamtspass schon zu diesem Termin an verdienstvolle Menschen überreicht werden kann. FOTO: Martina Arlt/mat1
Spremberg. Wer sich regelmäßig im Ehrenamt einsetzt, soll dafür mit einer kleinen Aufmerksamkeit belohnt werden: Dieses Prinzip könnte bald auch in Spremberg gelten. Allerdings gibt es noch ein paar Hürden. René Wappler

Ohne die Ehrenamtler stünde die Stadt Spremberg vor der Pleite: Das sagt der Vorsitzende des Bildungsausschusses, Klaus-Dieter Peters. "Diese Menschen helfen dabei, die Probleme im kommunalen Haushalt abzufedern", sagt er. "Es ist an der Zeit, dass wir uns nicht nur symbolisch bei ihnen dafür bedanken."

Ein Ehrenamtspass mit rabattierten oder kostenlosen Angeboten schwebt dem Vorsitzenden des Bildungsausschusses vor. Dieser Pass könnte nach seinen Worten zum Beispiel einen Besuch in der Schwimmhalle oder im Kino enthalten - neben weiteren Offerten.

"Ein bisschen Motivation muss sein", erklärt Klaus-Dieter Peters. "Aufgrund des demografischen Wandels üben ja fast nur noch ältere Leute das Ehrenamt aus, und vielleicht dient ein solcher Pass dazu, auch bei anderen Menschen das Interesse für so ein Engagement zu wecken."

Die Mitarbeiter des Rathauses stehen der Idee aufgeschlossen gegenüber: Dies berichtet Stadtsprecher Alexander Adam. Nach seinen Worten finden derzeit Gespräche mit dem Wirtschaftsförderer ASG über das Projekt statt. Denn noch gibt es offene Fragen. "Um so einen Pass anbieten zu können, brauchen wir auch Firmen, die sich beteiligen", sagt Alexander Adam. "Allein schon deren Interesse auszuloten, das geht mit einem gewissen Aufwand her."

Dies hat in einem anderen Kontext auch die Chefin der Spremberger Land GmbH erfahren. Karin Hesse will bis zum 15. November einen Gutschein für Geschäfte etablieren, den die Touristinformation verkauft. Die Initiatoren erhoffen sich von der Idee, dass mehr Menschen ihr Geld in Spremberg ausgeben statt in anderen Städten. Doch die Resonanz der Händler auf das Projekt blieb bislang "ein wenig zögerlich", wie Karin Hesse feststellt.

Falls sich wiederum genügend Firmen finden, die den Ehrenamtspass unterstützen, bleibt noch ein Definitionsproblem: "Wer gewichtet dieses Engagement in Spremberg?", gibt Stadtsprecher Alexander Adam zu bedenken. "Wir bräuchten genaue Kritierien, um zu klären, wann jemand als aktiver Ehrenamtler gilt, der in den Genuss des Passes kommt." Schon allein deshalb betrachtet er es auch als nahezu unmöglich, eine Statistik zu erstellen, die Auskunft über die Zahl von Sprembergern im ehrenamtlichen Einsatz gibt.

Trotz dieser Hürden kursiert die Idee nicht nur in Spremberg. So wird noch vor Ende des Jahres in der Nachbarstadt Forst ein Workshop zum Ehrenamtspass stattfinden: Bürgermeister Philipp Wesemann wollte ihn im vergangenen Jahr nach seinem Amtsantritt einführen, doch das Projekt verzögerte sich.

In anderen Orten gibt es den Pass bereits. In Hoyerswerda nutzen bis zu 60 Einwohner, die jährlich ausgewählt werden, eine Ehrenamtskarte, die ihnen günstigen Eintritt ins Lausitzbad, in Zoo oder Lausitzhalle gewährt. Den Ehrenamtlern in Aachen gewährt der Pass 40 Prozent Rabatt im Stadttheater und in Museen, 33 Prozent Preisnachlass in der Schwimmhalle und 20 bis 50 Prozent Ermäßigung für ausgewählte Volkshochschulkurse.

Als Muster für Spremberg könnte unterdessen der Freiwilligenpass des Landes Brandenburg dienen. Ihn erhalten Ehrenamtliche, die das 14. Lebensjahr vollendet haben und sich wenigstens 80 Stunden verteilt über ein Jahr auf diese Weise engagieren.

Der Spremberger Bildungsausschuss-Vorsitzende Klaus-Dieter Peters drängt unterdessen auf eine schnelle Lösung: Er wünscht sich, dass der Ehrenamtspass so schnell wie möglich eingeführt wird - am besten bis zur offiziellen Ehrung verdienstvoller Bürger im Dezember.

Zum Thema:
Nach einem klar beschriebenen Modell, an dem sich auch die Stadt Spremberg orientieren könnte, wählt das Aachener Büro für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement die Empfänger des Passes in seiner Stadt aus: Ihn erhalten Übungsleiter und Ausbilder, Lehrer und Vortragende in der beruflichen Bildung, Leiter von Erste-Hilfe-Kursen, Helfer alter, kranker oder behinderter Menschen, außerschulische Betreuer von Kindern und Jugendlichen, Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen sowie alle Leute, die einen Beitrag zum Umweltschutz und zum Tierschutz leisten.