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| 08:03 Uhr

Vergewaltigungs-Fall Bagenz: Ermittlungen laufen weiter
Staatsanwaltschaft reagiert auf ominöses Opfer-Interview

 Sonnenuntergangs-Idylle am Spremberger Stausee. Hier soll am 3. April eine Frau vergewaltigt worden sein. Die Staatsanwaltschaft hat das mutmaßliche Opfer nach einem ominösen auf Facebook veröffentlichten Interview erneut vernommen.
Sonnenuntergangs-Idylle am Spremberger Stausee. Hier soll am 3. April eine Frau vergewaltigt worden sein. Die Staatsanwaltschaft hat das mutmaßliche Opfer nach einem ominösen auf Facebook veröffentlichten Interview erneut vernommen. FOTO: Frank Hilbert
Bagenz/Cottbus. Der Überfall auf eine Ferienanlage am Bagenzer Stausee hat hohe Wellen geschlagen. Auslöser der Attacke waren Falschmeldungen über eine Tote sowie eine von Ausländern vergewaltigte Frau. Die Staatsanwaltschaft hat das mutmaßliches Opfer erneut vernommen.

Das Opfer einer mutmaßlichen Vergewaltigung am 3. April am Stausee bei Bagenz ist am Montag noch einmal vernommen worden. Das bestätigte Oberstaatsanwältin Petra Hertwig, Pressesprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft, am Dienstag auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Grund für die erneute Vernehmung war die Kundgebung einiger Hundert Anhänger des Golßener Vereins „Zukunft Heimat“ am Sonntag in der Cottbuser Innenstadt. Redner zitierten aus einem Interview, das ein Berliner AfD-Abgeordneter mit dem mutmaßlichen Opfer geführt haben soll. In dem auf Facebook verbreiteten Text ist von einem Mann die Rede, der das spätere Opfer einen Tag vor der Tat beobachtet und gebrochen Deutsch gesprochen haben soll. Wenn ein Opfer während der laufenden Ermittlungen selbst an die Öffentlichkeit gehe, könne sich das auf die weiteren Ermittlungen auswirken, so Oberstaatsanwältin Petra Hertwig. „Die Öffentlichkeit kann helfen, einen Fall aufzuklären. Und wir bitten, wenn wir das so einschätzen, auch die Presse um Hilfe“, sagte Hertwig.

Doch bei Straftaten wie Vergewaltigungen spiele der Opferschutz eine wichtige Rolle. „Ist der Täter bekannt, kann konkret ermitteln werden. Wird aber wie im Bagenzer Fall gegen Unbekannt ermittelt, ist es nicht immer gut, wenn der Täter über die Medien von den Ermittlungen erfährt“, so die Oberstaatsanwältin. Ergebnisse zur erneuten Vernehmung und zur Spurenauswertung der mutmaßlichen Vergewaltigung sowie zu Untersuchungen über die Echtheit des Interviews hatte Petra Hertwig am Dienstag noch nicht.

Die Ermittlungen gehen weiter. Das gelte auch für die Randale einer Gruppe Vermummter, die am Abend des 10. April mit Baseballschlägern, Zaunlatten und Böllern vor eine Ferienanlage in Bagenz gezogen waren und „Ausländer raus“ geschrien hatten. Sie hatten sich mit ihrer Attacke auf Falschmeldungen zur „Vergewaltigung einer Frau und einer nicht bestätigten Toten am Stausee“ und  „mehreren verdächtigten Migranten“ berufen. Sieben Vermummte im Alter zwischen 18 und 26 Jahren konnten noch am selben Abend durch die Polizei festgenommen werden. Sie sind wieder auf freiem Fuß, weil keine Fluchtgefahr bestehe.

Heute Einwohner-Versammlung

Am Mittwochabend ist Einwohnerversammlung im Bagenzer „Dorfkrug“. Dieter Perko, Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree, zu der Bagenz gehört, will über das Geschehen und die in diesem Zusammenhang verbreiteten Gerüchte auf Facebook bezüglich einer mutmaßlichen Vergewaltigung am Stausee informieren. Und der Ferienanlagen-Betreiber Chen will seine Anlage vorstellen.

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(ani)