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| 16:35 Uhr

Spremberg
Sprembergs wendische Wurzeln

Christine Herntier und Sylke Laubenstein- Polenz (r.) enthüllen die Tafel, die Spremberg als deutsch-sorbische/wendische Stadt ausweist.
Christine Herntier und Sylke Laubenstein- Polenz (r.) enthüllen die Tafel, die Spremberg als deutsch-sorbische/wendische Stadt ausweist. FOTO: Bogott Detlef
Spremberg. Das Erbe lebt noch groß im Ostereimarkt und klein in den Familien.

Spremberg bemüht sich, seine sorbisch-wendischen Spuren zu sichern. Dass sich die Stadt auch am dritten, vom Landtag ausgelobten Wettbewerb „Sprachenfreundliche Kommune – die sorbische Sprache lebt“ beteiligte, dafür bedankte sich Landrat Harald Altekrüger (CDU) jüngst mit 250 Euro bei Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos). 750 Euro gebe es noch vom Land. Immerhin reichte es für Platz 2. Wie beim ersten Wettbewerb 2004. 2011 war es Platz 1. Die Spremberger – Ehrenamtliche und die Stadtverwaltung – stecken in der Wertungskategorie 2. Sie vereint alle Bewerberkommunen, in denen kaum noch Sprachkenntnisse vorhanden sind und versucht wird, das Vorhandene zu bewahren.

„Spremberg wechselt sich bei den Platzierungen mit Drebkau ab“, sagt Sylke Laubenstein-Polenz vom Spremberger Beirat für sorbisch-wendische Angelegenheiten, die auch in der Domowina Ortsgruppe Spremberg mitarbeitet. Wie das Preisgeld sinnvoll eingesetzt wird, dafür hat sie Ideen. Viele Bräuche seien noch lebendig. Das den Bürgern bewusst zu machen, sei nicht einfach. Schließlich soll es nicht aufgesetzt wirken. „Der Ostereiermarkt im Schloss zum Beispiel ist eine feste Größe. Aber ich weiß auch von vielen Spremberger Familien, die sich vor Ostern zum Eierverzieren treffen – obwohl sie dabei nicht ein Wort Wendisch sprechen“, sagt sie.

Mit Partnern versucht sie im Spremberger Heimatkalender sorbisch-wendische Geschichte aufzuarbeiten. „Derzeit beschäftigt mich die Wendischen Kirche, die gleich neben der Kreuzkirche steht.“

Gern hat Sylke Laubenstein-Polenz mit Christine Herntier vorm Rathaus die Tafel enthüllt. „Aber die Tafel hat nichts mit dem Wettbewerb zu tun.“ Alle Städte und Gemeinden, die zum angestammten Siedlungsgebiet der Sorben und Wenden gehören, werden die Tafel bekommen. Nur der Anfang sei jetzt in den Kommunen gemacht worden, die sich Preise im Wettbewerb sichern konnten. Das Schild bescheinigt Spremberg, immaterielles Kulturerbe zu pflegen. Die Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben und Wenden im Jahresverlauf wurden 2014 ins bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Sie stehen dort neben der Flößerei, der deutschen Brotkultur, der Walz der Handwerksgesellen.

In der Heidegrundschule und in Kollerberg-Grundschule wird Sorbisch-Wendisch unterrichtet. In den Klassen 1 bis 4, wie Dana Rehklau, Schulleiterin in Sellessen, bestätigt.

Dass sich der Trachtenverein „Spremberger sorbischer Hochzeitszug“ aufgelöst hat, bedauert Sylke Laubenstein-Polenz. Als Spremberg 2014 den Brandenburgtag ausrichtete und die Domowina half, dass die Sorben die Brandenburger grüßen, lebte er noch, erinnert sie sich. Terpe wiederum entdecke seine sorbisch-wendischen Wurzeln wieder. Ortsvorsteher Dieter Freißler sei rührig, lobt Sylke Laubenstein-Polenz. „Manchmal wissen unsere Kultur Zugezogene oder Außenstehende mehr zu schätzen.“

Vom 1. bis 31. Juli ist die Wanderausstellung „Wendische Kirchen zwischen Löbau und Lieberose“ in Sprembergs Kreuzkirche zu sehen. Dass die Bürger auch mal wieder erleben, wie ein wendischer Gottesdienst abläuft, daran arbeitet Sylke Laubenstein-Polenz. Die wendische Liturgie, findet sie, passe auch in einen ökumenischen Gottesdienst.