| 02:35 Uhr

Sprembergs Vogelsiedlung feiert 80-jähriges Bestehen

Auch Sigrun und Herbert Kulik fühlen sich wohl in der Vogelsiedlung und nehmen sich Zeit für die Pflege ihres Vorgartens.
Auch Sigrun und Herbert Kulik fühlen sich wohl in der Vogelsiedlung und nehmen sich Zeit für die Pflege ihres Vorgartens. FOTO: Niels Mudra
Spremberg. Die Spremberger Vogelsiedlung wird in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen feiern. Werner Kämpfer hat deshalb mit einigen Mitstreitern an der Fortschreibung der Siedlungschronik gearbeitet. Annett Igel-Allzeit

"Der dritte Teil erzählt von den Ereignissen der vergangenen zehn Jahre in und um unsere Siedlung", sagt er.

Gebaut worden war die Siedlung in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Bauvorhaben sollte 1937 die Arbeitslosigkeit verringern helfen. Zudem hofften die neuen politischen Machthaber, mit einer Arbeiterwohnsiedlung bei den Menschen zu punkten. Im Zweiten Weltkrieg, auch das hatte Kämpfer für die ersten Teile der Chronik herausgefunden, sollen 20 Bewohner gewaltsam ums Leben gekommen sein. Viele flohen vor der Ostfront, die sich Spremberg näherte. Zwar seien Häuser in der Vogelsiedlung geplündert und Möbel zerstört worden, aber die Siedlung an sich überstand im Gegensatz zur Spremberger Innenstadt den Krieg relativ unbeschadet. Mit dem Frieden bekamen die Straßen Vogelnamen: An Meise, Stieglitz, Fink, Fasan, Drossel wird erinnert. Der Rotkehlchenweg, der Storchenweg, der Elsterweg schließen sich noch heute auf der Karte an. "Heute ist die Population vieler Vogelarten leider zurückgegangen. Selbst die Meisen, Amseln, Spatzen, Finken und Rotschwänzchen sind trotz Winterfütterung und Nistkästen seltener", so Werner Kämpfer. Aber er hat bei seinen Recherchen auch festgestellt, dass die Umgestaltung der Gärten fortschreitet. "Der Anbau von Obst, Gemüse und Tierfutter, der in den Gärten unserer Siedlung so typisch war, wird immer mehr von Rasen, Ziersträuchern und Blumenbeeten verdrängt. Die Kleintierhaltung ist bis auf eine Ausnahme zum Erliegen gekommen." Den Rückgang der Hummeln, Bienen, Marienkäfer und Schmetterlinge führt er auf den verstärkten Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zurück.

Aber Werner Kämpfer, 1936 im thüringischen Altenburg geboren, sieht auch, dass von 2007 bis 2017 viel modernisiert wurde und sich ein Generationswechsel vollzogen hat: "Auf 13 Wohngrundstücken haben die Eigentümer gewechselt - durch Kauf oder Vererbung." Dass ein Großteil der Hochhäuser und L-Blöcke auf dem Schomberg abgerissen wurde, habe der Siedlung nicht gut getan. Damit ist auch der Lebensmittelmarkt für Vogelsiedlung-Bewohner verschwunden.

Feiern werden sie ihr Jubiläum im Oktober im Tennisheim an der Drebkauer Straße. Gespannt sein dürfen die Gäste dann auf eine kleine Vorstellung der neuen Familien. Auch der neue Chronikteil erscheint zum Fest.