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| 18:27 Uhr

Schulessen Spremberg
Der Ruf nach der Vollkornnudel

 Nicht einmal mehr zehn Prozent der Schüler der BOS nehmen an der Schulspeisung teil. Aber im WAT-Unterricht haben die Zehntklässler selbst gekocht: Schnitzel mit Käsenudeln und Reis, dazu Mais und Pilze in Zwiebeln angebraten.
Nicht einmal mehr zehn Prozent der Schüler der BOS nehmen an der Schulspeisung teil. Aber im WAT-Unterricht haben die Zehntklässler selbst gekocht: Schnitzel mit Käsenudeln und Reis, dazu Mais und Pilze in Zwiebeln angebraten. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg . Spremberg sucht Essenanbieter für die Oberschule und die Geschwister-Scholl-Grundschule. Von Annett Igel-Allzeit

Bohnen-Möhren-Eintopf mit Rindfleisch oder Bolognese mit Makkaroni? Diese Wahl hatten die Kinder für den heutigen Freitag an drei Spremberger Grundschulen. Sicher siegen die Makkaroni. Aber Kinder, die kein Fleisch mögen, werden das Rindfleisch aus der Suppe fischen oder die Nudeln trocken rutschen lassen.

Dass es mit den Geschmäckern der Schüler nicht so einfach ist, weiß Gerhard Schütz, Geschäftsführer der Gemeinschaftsverpflegung Schütz, einem Spremberger Essenanbieter. Am Montagabend saß er im Spremberger Ausschuss für Bildung, Kultur, Sport und Soziales. Das Interesse von Schütz hat einen grund: Für die Berufsorientierende Oberschule (BOS) und die Geschwister-Scholl-Grundschule in Schwarze Pumpe laufen zum Sommer die Verträge mit Konkurrenten  Sodexo aus. Für eine Neuausschreibung hat die Stadtverwaltung den Ausschussmitgliedern ein Leistungsverzeichnis vorgelegt. Die Abgeordneten empfehlen, noch mehr auf Qualität in der Schulspeisung zu achten.

Gut angenommen wird das Mittagsangebot in den Grundschulen. Laut Stadtverwaltung hat die Grundschule Kollerberg 260 Essenteilnehmer. Auf dem Schomberg nehmen 230, in der Heidegrundschule 160, in Schwarze Pumpe 100 und im Haus des Lernens 120 Kinder am Schulessen teil. Rapide runter geht es in der BOS: Mit 30 Teilnehmern sind es weniger als zehn Prozent der Schüler, die die Schulspeisung in Anspruch nehmen. „Vielleicht liegt das auch mit an den Bedingungen“, so Vize-Bürgermeister Frank Kulik. Der Speiseraum ist dunkel und nicht besonders groß. Ein richtiger Speisesaal steht deshalb ganz oben auf der Liste für den Erweiterungs- oder Neubau, den die BOS in den nächsten Jahren dringend braucht.

Noch mehr Leistung wird von den Essenanbietern erwartet. Statt einem vorgeschlagenen Preis-Qualität-Verhältnis von 40 zu 60 empfehlen die Mitglieder des Bildungsausschusses, dass die Qualität in der Bewertung mit 70 Prozent die Hauptrolle spielen sollte. Peter Reininger (CDU): „Kostet das Schulessen dann 50 Cent mehr, sollte es uns das wert sein.“ Ob die Mehrkosten dann die Stadt trägt oder die Elternschaft, wurde am Montag noch nicht diskutiert: 27 Cent übernimmt die Stadt vom 2,27 Euro teuren Grundschul-Essen derzeit, die Eltern zahlen zwei Euro. In der Oberschule kostet ein Mittagessen 2,50 Euro, ihn zahlen die Eltern ganz.

Auf Vollkornprodukte und regionale Erzeugnisse setzt Marcus Jank, sachkundiger Einwohner. Beide fehlten ihm in der Liste zur optimalen Lebensmittelauswahl. Sie sollen nun neben Reis, Teigwaren, Kartoffeln, frischem Obst und Gemüse, Milchprodukten, Fleisch, Seefisch, Fetten und Ölen, Kräutern, Salz und Zucker stehen. Festgeschrieben hat die Stadt in der Vorlage für 20 Verpflegungstage im Monat sogar, wie oft es Fleisch oder Obst geben soll. Seefisch müsse mindestens viermal auf dem Speiseplan stehen, Fleisch dagegen maximal achtmal. Gemüse beziehungsweise Rohkost und Stärkebeilagen wie Getreide und Kartoffeln werden an jedem der 20 Verpflegungstage gefordert. Und ganzjährig seien mindestens drei Menülinien anzubieten – davon eine vegetarisch.

Sprachlich klar und einfach gestaltet müsse der Speiseplan aber auch sein, erläutert Frank Kulik im Bildungsausschuss. Dass der Speiseplan Fleisch- und Fischart nennt und Zusatzstoffe kennzeichnet, sei ein wichtiges Kriterium.

Schütz will die Ausschreibungsunterlagen anfordern. Auch wenn er die Erfahrung macht, dass zwei Menülinien reichen. „Sauren Hering mögen wenige Kinder, da habe ich schon zu DDR-Zeiten immer ein zweites Essen angeboten“, erzählt er. Mit den regionalen Produkten sei es nicht so einfach. „Es wurde im Bildungsausschuss ein Umkreis von 30 Kilometern vorgeschlagen. Versuchen Sie mal in diesem Bereich einen Landwirt zu finden, der die Menge an Kartoffeln liefern kann, die ich brauche“, seufzt Gerhard Schütz. Was ihn und sein Team immer wieder aufbaut, ist, wenn die Kinder selbst das Essen einschätzen.

Der Hauptausschuss soll am 8. April das Leistungsverzeichnis und die Wertungskriterien für die Ausschreibung beschließen. Der Wertumfang für die Essenversorgung  in der Grundschule Schwarze Pumpe beläuft sich auf 83 000 Euro, für die BOS auf 9000 Euro. Alle Bieter, die sich bewerben, werden von der Stadt aufgefordert, Speisepläne zu schicken.

 Nicht einmal mehr zehn Prozent der Schüler der BOS nehmen an der Schulspeisung teil: Im WAT-Unterricht haben die Zehntklässler selbst gekocht: Schnitzel mit Käsenudeln und Reis, dazu Mais und Pilze in Zwiebeln angebraten
Nicht einmal mehr zehn Prozent der Schüler der BOS nehmen an der Schulspeisung teil: Im WAT-Unterricht haben die Zehntklässler selbst gekocht: Schnitzel mit Käsenudeln und Reis, dazu Mais und Pilze in Zwiebeln angebraten FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit