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Sprembergs Postamt ist bis auf Weiteres geschlossen

Viele Spremberger sind stolz auf das historische Postgebäude mit dem Telegrafenturm. Aus Sicherheitsgründen ist es nun vorübergehend geschlossen.
Viele Spremberger sind stolz auf das historische Postgebäude mit dem Telegrafenturm. Aus Sicherheitsgründen ist es nun vorübergehend geschlossen. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Seit mehr als 14 Tagen öffnet sich die Flügeltür der Spremberger Hauptpost nicht mehr. Bürger stehen vor einem Zettel, versuchen zu ergründen, wo sie ihr Paket oder ihr Einschreiben abgeben können und welchen nächsten Geldautomaten ihnen die Postbank empfiehlt. Annett Igel-Allzeit

"Das ist zu DDR-Zeiten alles besser organisiert gewesen", schimpft eine Frau. Andere überlegen, wo genau sich die Post-Agentur in der Karl-Marx-Straße befindet oder ob sie lieber zurück zum City-Center am Marktplatz laufen. In den ersten Tagen der Schließung fanden die Kunden immer noch einen Termin an der Tür, zu dem die Hauptpost wieder geöffnet sein sollte. Doch das Datum hat sich inzwischen auf "bis auf Weiteres" verschoben.

Die Postbank ist Mieter im altehrwürdigen Gebäude. Sie bietet neben den Dienstleistungen des Finanz-Centers auch Leistungen der Deutschen Post mit an. Während auf dem großen Hof weiterhin Pakete in die gelben Postautos verladen werden und die Zusteller von hier aus in alle Richtungen ausströmen, kommen Kunden nicht mehr zum Briefmarkenkauf an den Schalter oder zu den Postfächern und Geldautomaten im Vorraum. "Was sonst in Postfächern landete", so Tim Rehkopf, Pressesprecher der Postbank, "wird nun mit der täglichen Zustellung verteilt."

Vor einer Woche hatte die Stadtverwaltung eine erste Information von der Deutschen Post bekommen: Aufgrund einer baulichen Unzulänglichkeit bleibe die Filiale vorerst geschlossen. "Neben den Service-Leistungen, die dort derzeit nicht angeboten werden können, machen sich die Bürger auch Sorgen um das Gebäude. Es prägt unsere Innenstadt", sagt Kerstin Schenker, Leiterin der Stabsstelle Recht im Rathaus. Das Postgebäude ziert Ansichtskarten, eine der Spremberger Weihnachtsmarkttassen, war Thema im Heimatkalender. Bei Stadtführungen wird der Telegrafenturm extra hervorgehoben.

Der Bauunternehmer Richard Mittag (1847 - 1896) soll im Jahr 1882 begonnen haben, den Backsteinbau zu errichten. Auch sein Vater Heinrich Louis Mittag (1810 bis 1891) muss noch miterlebt haben, dass nach nur sieben Monaten Bauzeit Sprembergs Kaiserliches Postamt mit dem damaligen Deutschen Generalpostmeister Heinrich von Stephan eingeweiht wurde. 1890 soll dann der Telegrafenturm seine Arbeit aufgenommen haben, von ihm gingen damals die Telefonleitungen direkt zu den Telefonapparaten in den Häusern. Von solchen Türmen sind heute in Deutschland nur noch wenige erhalten, weshalb die Spremberger tatsächlich stolz auf ihn sein dürfen.

Die Zeiger der Turmuhr drehen sich noch. Aber wann sich die Eingangstür wieder öffnet, wissen weder die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Kerstin Schenker noch Postbank-Sprecher Tim Rehkopf genau. In den Informationen, die die Stadtverwaltung bisher bekommen hat, ist von einer vorübergehenden Schließung die Rede. "Und diese Schließung ist nötig, weil wir um die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Kunden besorgt sind", erklärt Rehkopf. Decken in mehreren Räumen sollen die Sicherheit nicht mehr gewährleisten. "Aber die Postbank als Mieter ist dazu bereits im Gespräch mit dem Vermieter", versichert der Sprecher.

2001 hatte das historische Gebäude im Eingangsbereich eine Rampe bekommen, die Rollstuhlfahrern und Eltern mit Kinderwagen den Zugang erleichtert. Da das Postgebäude unter Denkmalschutz steht, war es nicht einfach, für die Rampe eine Genehmigung von der Denkmalbehörde zu bekommen. Aus historischen Posthäusern anderer Städte - wie zum Beispiel in Welzow - ist die Deutsche Post längst ausgezogen. Die Gebäude sind in der Unterhaltung zu teuer, lassen sich kaum modernisieren. Seit Monaten schützen Netze an der seitlichen Außenfassade und überm Haupteingang des Spremberger Postamtes Passanten vor abblätternder Farbe und Wandteilen.