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| 20:00 Uhr

Spremberg
Das Helfersyndrom der Bläser

Spremberg. Sprembergs Kreuzkirchengemeinde feiert 65 Jahre Posaunenchor mit fast 65 Bläsern. Von Annett Igel-Allzeit
Annett Igel-Allzeit

Hornows Bläser suchen in ihrem Gemeinderaum nach einer Flasche Sprudelwasser. Nach dem Menuett aus Händels „Wassermusik“ hat Siegfried Zühlke, der Landesposaunenwart der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz plötzlich Durst. Bier geht gar nicht, eine lange Heimfahrt liegt nach der Probe vor ihm.

Derzeit ist er öfter zu seinen südlichen Posaunen- und Bläserchören unterwegs. Vier große Proben für die Serenade zum 65. Geburtstag des Posaunenchores der Spremberger Kreuzkirche stehen im Terminkalender. Margret Schulze, Regionalkantorin des Kirchenkreises Senftenberg-Spremberg, übernahm die Gemeinschaftsprobe in Drebkau. Parallel zu den Bläsern aus Welzow, Spremberg, Drebkau, Neuhausen/Spree, Hornow, Spremberg und Sachsen proben Bläser in Sirchingen an der Europäischen Wasserscheide Rhein-Donau in Baden-Württemberg die 20 Werke einschließlich Zugabe.

Das Spremberger Festwochenende vom 1. bis 3. Juni steht unter dem Motto „Gott loben – Gott danken“. Geträumt haben Henning Allzeit und Alexander Adam, die den Posaunenchor der Kreuzkirche leiten, von 65 Bläsern auf der Freilichtbühne. „Diese Zahl“, so Henning Allzeit, „werden wir doch nicht ganz schaffen.“ Aber das Programm, das Dietmar Pelz, Leiter des Posaunenchores in Sirchingen für Spremberg zusammengestellt hat, ist eine wunderbare Herausforderung. Werke von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Engelbert Humperdinck sind dabei. Lieder und Klezmer von Michael Schütz und der Song „I will Follow Him“ aus der Filmkomödie „Sisters Act“ (1992) mit Whoopi Goldberg. Mehrere Lieder dürfen mitgesungen werden. In zwei Stücken suchen sich die Bläser ihren Part aus und wagen einen Kanon. Nach den Proben mit Siegfried Zühlke und Margret Schulze wird Dietmar Pelz zur Generalprobe am 1. Juni übernehmen.

Sirchingen, Stadtteil der 12 500-Einwohner Stadt Bad Urach, war die Heimat des Spremberger Trompeters Henning Allzeit. Ihm ist nicht nur der Draht zu den Sirchingern zu verdanken. Er hat auch das „halbe“ Jubiläum der Spremberger Bläser im Buch „Kreuzkirche Spremberg – Aus der Geschichte“ entdeckt. 1953, so Alexander Adam, war der Posaunenchor  gegründet worden. 

Der Sirchinger Chor ist jünger, wie Bernd Bahnmüller sagt. „1972 wurde er gegründet. Vier seiner Gründungsmitglieder blasen noch mit. Lange galt unser Chor unter den rund 700 Posaunenchören Württembergs als einziger, in dem mehr Frauen als Männer spielten. Inzwischen ist das Verhältnis ausgeglichen.“ Jedes Jahr machen die Sirchinger eine Reise – Familienfreizeit nennen sie das, weil Kinder und Partner mitfahren. Bisher ging es stets in die Berge. Aber nun meldete sich ihr ehemaliger Mitstreiter aus Spremberg: Familienfreizeit in der Lausitz mit Serenaden-Konzert?

Mit 22 Aktiven und fünf Jungbläsern hat der Sirchinger Chor mehr Power. Die Kreuzkirchenbläser bekommen  aber Unterstützung von der Landeskirchlichen Gemeinschaft und aus Nachbarkirchgemeinden. Sich zu helfen, wenn für den Gottesdienst, ein Ständchen oder das Osterblasen noch ein Bass oder Sopran gebraucht wird, ist normal. Um eine Hand voll Jungbläser bemüht sich Posaunist Winfried Schütz abwechselnd in Klein Döbbern und Spremberg. Nachwuchs zu finden, ist längst hüben wie drüben schwer. Geballt auf der Freilichtbühne könnte das Musikfreunden Lust machen. In fünf Jahren werden 70 Bläser gebraucht.