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| 18:38 Uhr

Die Trockenheit und Hitze fordert vollen Einsatz
Jetzt muss gewässert werden

 Bis zu 100 Liter bekommt jede Linde an der Berliner Straße bei einer Bewässerung von Bernd Heimann.
Bis zu 100 Liter bekommt jede Linde an der Berliner Straße bei einer Bewässerung von Bernd Heimann. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Der Sprembergs Betriebshof arbeitet auf Hochtouren – und es reicht trotzdem nicht. Von Annett Igel-Allzeit

Laut rumpeln die Laster an der Dresdener Chaussee in Schwarze Pumpe vorbei. Mario Dubrau und Dietmar Guttmann schieben sie die Schutzbrille und das Visier über die Augen, starten die Handmähgeräte. Stroh fliegt durch die Luft, Staub wirbelt auf. Es ist heiß und trocken. Wenige Kilometer entfernt bewegt Mario Kantor den Traktor mit dem Schlägelmähwerk über einen Wegrand. Seit Januar 2018 ersetzt der Traktor den abgerackerten Unimog der Stadt. „Der Traktor ist wendiger. Wir könnten eine Bodenfräse hinten einhängen. Immer mehr Kommunen kommen auf den Traktor“, sagt René Moch, Leiter des Betriebshofes.

Zwei Tage für eine Gießrunde

Mit Wasser und im Schatten junger Baumkronen arbeitet Bernd Heimann. Von Linde zu Linde zieht er in der Berliner Straße. 60 bis 100 Liter bekommt jeder Jungbaum im Pflegebereich des Betriebshofes bei einem Gießvorgang. Zwei Tage brauchen die Mitarbeiter für alle Bäumchen. Bleibt der Regen weiter aus, beginnt die Tour von vorn.

 Grünpflege Spremberg: Der neue Traktor mit dem noch neueren Schlägelmaschinenwerk eignet sich gut für Straßenränder. Mario Kantor fährt ihn hier.
Grünpflege Spremberg: Der neue Traktor mit dem noch neueren Schlägelmaschinenwerk eignet sich gut für Straßenränder. Mario Kantor fährt ihn hier. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit

Wenn René Moch seine Mitarbeiter trifft, erinnert er sie an die Kopfbedeckung gegen die Sonne, ans regelmäßige Trinken. „Mittel gegen Zecken haben wir ausgeteilt“, sagt er. Besonders hart arbeiten Kollegen, die jetzt Wege und Straßen reparieren, denn auch Teer ist heiß. 46 Mitarbeiter hat Moch – darunter sechs Hausmeister, zwei Platzwarte, fünf Verantwortliche für 20 Friedhöfe, zwei Kollegen, die sich um die Sauberkeit in der Stadt kümmern. Zu bearbeiten sind 202 Quadratkilometer Gesamtfläche, 14 Ortsteile neben dem Stadtkern, 59 Kilometer Radwege und 200 einzelne Straße, wo Ränder zu pflegen sind. Um die Sportplätze in Schwarze Pumpe und FSV 1862 sowie diverse Liegenschaften der Stadt kümmert sich der Betriebshof. Auch die Freilichtbühne muss vor und nach Veranstaltungen hergerichtet werden. Wiesen und Blühwiesen sind zu unterscheiden.

Obwohl der Betriebshof rotiert, war sie bei kaum einer der konstituierenden Sitzungen der Ortsbeiräte in den vergangenen Tagen nicht Thema: die Grünpflege in den Ortsteilen. Die Protokollantinnen nahmen Hinweise zu vertrockneten Bäumen, ungemähten Wiesen, Ästen, die zu weit in Wege ragen, mit.

Das Unkraut steht höher als die Rosen

 Mario Dubrau und Dietmar Guttmann (vorn) waren am Dienstag unter anderem mit Mäharbeiten in Schwarze Pumpe beschäftigt.
Mario Dubrau und Dietmar Guttmann (vorn) waren am Dienstag unter anderem mit Mäharbeiten in Schwarze Pumpe beschäftigt. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit

Zu Rabatten in der Innenstadt gibt es Beschwerden: Im Bergmannsweg steht das Unkraut höher als die Rosen. „Bei solch einem Anblick kann sich doch Spremberg nicht Perle der Lausitz nennen“, so Klaus Knuffel. Mit dem Sellessener Gartenbauunternehmen, das die Rosen, die der Bergbausanierer LMBV einst gepflanzt hatte, zuerst pflegte, waren die Bürger zufrieden. Mit der neuen Gartenbaufirma wuchs das Unkraut und der Unmut. Inzwischen gehören die Rosenrabatten zum Bereich des Betriebshofes, bestätigt Moch. Aber seine Mitarbeiter können Aufgaben nur nacheinander abarbeiten.

Saison hat der Betriebshof immer: Im Frühjahr beginnen die Mäharbeiten. Feste, die vor- und nachzubereiten sind, strukturieren den Arbeitsplan. Bei Hitze kommt das Bewässern dazu. Im Herbst muss das Laub weg. Dann ist der Winterdienst abzusichern, nach dem Frost die Straßenreparaturen. „Durch die aktuell starke Beanspruchung gehen unsere Maschinen eher kaputt. Unsere zwei Techniker arbeiten deshalb auch auf Hochtouren“, sagt Moch, „und Material transportieren wir für die Stadt auch hin und her“.

René Moch hat einen guten Draht zu mehreren Ortsvorstehern und macht mit seinem Team kurzfristig viel möglich. Das weiß der ehemalige Türkendorfer Ortsvorsteher Wolfgang Jaekel zu schätzen, lobt den Betriebshof, kritisiert jedoch die Rathausspitze: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“ Etwas lockerer sieht es Weskows Ortsvorsteher Andreas Schulze. Den Spruch, den Schulze jüngst zitierte: „Unkraut ist die Rache der Natur gegen den Ordnungssinn der Menschen“, sagt Moch auf wie ein Lieblingsgedicht.

Mehr Mitarbeiter auf Zeit sollen kommen

„Dass wir mehr Mitarbeiter im Betriebshof brauchen, wird bereits im politischen Raum diskutiert“, sagt Gerd Schmiedel. „Mittelfristig werden wir einen Vorschlag dazu für die Stadtverordneten erarbeiten. Aber das geht erst für den Haushalt 2021/2022“, sagt Schmiedel. Zwei Maßnahmen sollen dem Betriebshof Helfer bringen: ab Juli sechs und ab August vier Arbeitskräfte auf Zeit. Nur seien ihr Einsatz auf reine Pflichtaufgaben der Stadt wie den Winterdienst beschränkt. Den großen Umzug des Betriebshofes von derzeit zwei Standorten Heinrichstraße und Drebkauer Straße ins Industriegebiet Ost muss Moch erst 2021 planen. „Eher wird es nicht“, sagt Schmiedel.