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| 16:52 Uhr

Weltmeisterin
Sportstunde mit der Weltmeisterin

Madlen Oesterreich hat ihren Weltmeistertitel auch mit Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier und Frank Baer, Vorstand der Volksbank Spree-Neiße, gefeiert.
Madlen Oesterreich hat ihren Weltmeistertitel auch mit Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier und Frank Baer, Vorstand der Volksbank Spree-Neiße, gefeiert. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Madlen Oesterreich hat Familie, Verein und eine ganze Schule hinter sich. Von Annett Igel-Allzeit

Ganz selbstverständlich lässt die 33-jährige Madlen Oesterreich ihre Weltmeister-Medaille wandern. Von Kinderhand zu Kinderhand in der Spremberger Kollerberg-Grundschule, wo sie als Sportlehrerin arbeitet. Sie erzählt von der Aufregung um die Siegerehrung. Es gibt sogar ein Foto, was sie ganz oben auf dem Treppchen zeigt. Zwei Wochen ist dieses Foto aus Canún jetzt alt. In der mexikanischen Küstenstadt hat sich die Judoka vom KSC Asahi Spremberg am 20. Oktober bei der 10. „Veterans World Championship“ ihren dritten Weltmeister-Titel gesichert. Und dass die Zweitplatzierte Valerie Boussiquault aus Frankreich ein Treppchen unter ihr sie etwas überragt, erklärt sofort, wie Madlen Oesterreich es wieder geschafft hat: Sie lässt die größere Gegnerin von oben kommen und überrascht sie von unten mit einer flinken Drehung. Dirk Meyer, ihr Trainer und 1. Vorsitzender des KSC Asahi, ist glücklich. „Bleib so fleißig“, sagt er in der Feierstunde, zu der die Volksbank Spree-Neiße, die die Spremberger Sportlerin seit 2015 als Sponsor unterstützt, eingeladen hat. Mitfliegen konnte er nicht. Das wäre zu teuer für den Verein. Aber per App standen sie am Wettkampftag in Kontakt.  

Für den KSC war es ein Glücksfall, dass Madlen Oesterreich als junges Talent wegen einer Knieverletzung nicht auf der Sportschule landete. Als Achtjährige war sie 1993 zum Verein gekommen. „Sie fiel uns schnell als begabt auf“, erinnert sich Dirk Meyer, „und sie war in einem Jahrgang mit Mareen Kräh“, eine weitere berühmte Judoka aus Spremberg. „In meinem Büro hängt eine Medaille, mit der sich Madlen für wunderbare zehn Jahre bei uns bedankt hat“, erzählt Dirk Meyer. Das Dankeschön hatte die Sportlerin ihrem Verein nach der Knieverletzung überreicht. Zwei Operationen waren nötig. Aber in der großen Pause kam sie vom Judo nicht los. Sie liebt den Kampfsport, barfuß und im gestärkten Anzug auf der Matte. „Ich glaube schon, dass ich eine Perfektionistin bin. Und Judo ist ein besonders technischer Sport. Das liebe ich. Dirk hat mir schon mal zugerufen, dass ich nicht zu sauber werfen soll, das funktioniere nicht“, erzählt Madlen Oesterreich. Sie hat ihren eigenen Kopf. „Ich muss, um zu gewinnen, nicht stärker sein und schon gar nicht größer als meine Gegnerin. Ich muss nur die Technik beherrschen.“ Dass sie es auch mit kleineren Gegnerinnen am Boden schaffen kann, das hat sie sich vor zwei Wochen in Mexiko bewiesen.

Zum Flughafen nach Berlin hat sie die Mutter gebracht – „schnell früh am Morgen vor ihrem Arbeitsbeginn“. Über London und Miami flog Madlen Oesterreich nach Mexiko. Dass ihr Koffer Schritt gehalten hatte, überraschte sie. Oder war das ein gutes Vorzeichen? Erst in diesem Jahr hat Madlen Oesterreich in die Gewichtsklasse „bis 78 Kilogramm“ gewechselt. Akkreditieren, trainieren, wiegen und rein in den Wettkampf. Sie braucht ihre Rituale und die Routine. „Und wenn der erste Kampf geklappt hat, weil ich vorher noch mal schnell auf der Toilette war, verschwinde ich vorm zweiten Kampf ebenfalls dorthin“, gesteht sie. Und so greift sie auch gern auf die selbe Partnerin für die Erwärmung zurück. „Sich warm zu halten, war in diesem Jahr in Mexiko ganz wichtig. Denn dort laufen ja ständig und überall die Klimaanlagen.“ Aber sie hat es geschafft und sogar den mexikanischen Fan-Block für sich gewinnen können. „Nachdem ich leider die Mexikanerin in meiner Gruppe besiegt hatte, jubelten die Mexikaner in den übrigen Kämpfen für mich. Das war schön.“

Die Volksbank bedankt sich für die Leistung mit einem neuen Judo-Anzug. Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) hat Blumen mitgebracht. Und Dirk Meyer kleidet Madlen Oesterreich komplett fürs Asahi-Bundesligateam ein. „Wir wollen jetzt eine zweite Mannschaft für die Bundesliga aufstellen. Und Madlen ist dabei.“

Aber auch als Trainierin und Sportlehrerin gibt sie ihre Erfahrungen weiter. „Sie ist für unsere Kinder einfach eine Weltmeisterin zum Anfassen“, sagt Schulleiterin Heike Pfeiffer, die davon träumt, den Unterrichtstag mit den Kindern mit einer halben Stunde Tai Chi beginnen zu können. Am 21. November gehen die Kollerberg-Kinder erst einmal zum KSC Asahi. „Sie sollen erfahren, wie sich das anfühlt: barfuß auf unseren Judomatten“, sagt die Weltmeisterin.

Madlen Oesterreich (Mitte) hat ihren Weltmeistertitel mit Bürgermeisterin Christine Herntier und Volksbank-Vorstand Frank Baer gefeiert.
Madlen Oesterreich (Mitte) hat ihren Weltmeistertitel mit Bürgermeisterin Christine Herntier und Volksbank-Vorstand Frank Baer gefeiert. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit