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| 16:37 Uhr

Tierhalter fordern den Abschuss
Spremberger Wölfin streift mit Fresslust durch Thüringen

 Die „Wölfin von Ohrdruf“, alias GW 267f, streift durch Thüringen und bringt die Nutztierhalter gegen sich auf. Sie fordern den Abschuss der Wölfin aus der Lausitz.
Die „Wölfin von Ohrdruf“, alias GW 267f, streift durch Thüringen und bringt die Nutztierhalter gegen sich auf. Sie fordern den Abschuss der Wölfin aus der Lausitz. FOTO: S. Böttner, NABU Thüringen
Ohrdruf/Spremberg. Nutztierhalter fordern den Abschuss, weil dem Raubtier immer mehr Ziegen und Schafe zum Opfer fallen. DNA-Analysen haben dies bestätigt. Von Frank Hilbert

Es wird gefährlich für die Wölfin, die sich im Jahr 2014 mit einem Alter von ein bis zwei Jahren aus dem Spremberger Rudel gelöst und auf das Gelände des Bundeswehrübungsplatzes bei Ohrdruf nach Thüringen abgesetzt hat. Die Stimmen im Freistaat werden in diesen Tagen lauter, die ihre „Entnahme“ aus der Natur fordern – also den Abschuss.

Der Grund: Sie streift seit Jahren recht fresslustig durch die Thüringer Landschaft – und hat es dabei häufig auf Nutztiere abgesehen. Das sei durch DNA-Tests eindeutig nachgewiesen worden, wie die RUNDSCHAU auf Nachfrage vom Thüringer Umweltministerium erfuhr.

So seien sechs Angriffe dieser Wölfin im Jahr 2017 mit 28 gerissenen Tieren bestätigt. Hinzu kämen 20 getötete Ziegen und Schafe in den beiden Folgejahren. Noch unbestätigt seien 14 Übergriffe des Raubtieres allein im Juli dieses Jahres, denen mehr als 20 Nutztiere zum Opfer gefallen sind.

Die leichte Beute könnte im Zusammenhang mit ihrem Nachwuchs stehen, denn 2017 hatte sie sich mit einem Hund gepaart und sechs Hybriden zur Welt gebracht. Diese wurden im Verlauf der Zeit wieder aus der Natur entnommen, einer starb auf einem Bahngleis. Neuerliche Fotos aus Wildkameras sollen die Wölfin mit fünf Jungtieren zeigen, die ebenfalls Hybriden sein sollen. „Das ist aber noch nicht genetisch bewiesen. Wir erwarten fundierte Erkenntnisse aus entsprechenden Proben in ein bis zwei Wochen“, sagt Silvester Tamás, Wolfsexperte des Nabu Thüringen.

Aufgrund der DNA-Analysen werde das Tier nicht mehr nur als „Wölfin von Ohrdruf“, sondern als GW 267f bezeichnet, was laut Tamás übersetzt so viel bedeute wie gentechnisch überprüfter Wolf (GW) mit der laufenden Nummer 267f. Neben besagter Wölfin sei im Land noch ein Rüde bekannt.

Mehr standorttreue Wölfe seien laut Nabu bislang im Rahmen des Wolfsmonitorings im Freistaat nicht nachgewiesen worden. Es gab aber einige durchziehende Wölfe, die registriert werden konnten. Begonnen wurde damit sporadisch 2014 in Zusammenarbeit mit Jägern. „Auf Initiative des Landes findet seit 2017 ein offizielles Wolfs-Monitoring statt“, sagt Silvester Tamás. Mit im Boot seien wieder Jäger und die Hochschule Eberswalde. Dort würden die gewonnenen Erkenntnisse gemeinsam mit dem Bundesforst wissenschaftlich begleitet. Mehr als hundert Wildkameras würden unter anderem entsprechende Daten liefern.

 Scharf kritisiert wird vom Nabu Thüringen ein Antrag führender Thüringer Agrarverbände in der vorigen Woche, die den Abschuss der Wölfin fordern. Landesbauernverband, Schafzuchtverband und der Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbezirksinhaber sind der Meinung, dass zusätzliche Schutzmaßnahmen den Tierzüchtern nicht mehr zuzumuten seien. Der Wolf habe bestehende Schutzzäune mehrfach überwunden.

Dies sei jedoch nicht nachgewiesen worden, betont Nabu-Sprecher Tamás. Vielmehr seien die Weiden seiner Meinung nach nicht ausreichend gesichert.

„Wir wundern uns, dass die Wölfin da nicht noch mehr Schaden anrichtet. Zudem gibt es keinen hundertprozentigen Schutz vor Wölfen.“ Dem Antrag auf Tötung der Wölfin aus der Lausitz wurde seitens des Umweltministeriums bislang nicht entsprochen, hieß es auf Nachfrage. Zwei Bedingungen seien nicht erfüllt: Zum einen die unmittelbare Gefahr für den Menschen. Und zum anderen eine unzumutbare Belastung für die Tierhalter. Für diese bestehe die Möglichkeit, Schutzzäune und Herdenschutz-Hunde zu beantragen. Dafür gebe es entsprechende staatliche Beihilfen.