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Spremberger wird wider Willen zum Wegweiser

Wegweiser wider Willen: So kommt sich Ditmar Kormannshaus vor.
Wegweiser wider Willen: So kommt sich Ditmar Kormannshaus vor. FOTO: Rene Wappler
Spremberg. Wie ein Wegweiser wider Willen kommt sich derzeit Ditmar Kormannshaus vor. Seitdem die Brücke an der Drebkauer Straße gesperrt ist, halten irritierte Radfahrer an seinem Grundstück und wissen nicht mehr weiter. René Wappler / wr

Denn die richtige Umleitungsstrecke finden Touristen auf ihrer Tour mit dem Drahtesel nur, wenn sie jemanden fragen, der sich auskennt.

Da stand der Radfahrer aus der Schweiz an der Kreuzung zum Florian-Geyer-Weg, ratlos, weil die offizielle Radstrecke nun gesperrt ist. Oder das Ehepaar aus Baden-Württemberg, das bei Ditmar Kormannshaus nachfragte, wo es jetzt am besten langfahren sollte.

Der Rentner aus Spremberg berichtet: "Eine ganze Männergruppe stand hier vor meinem Grundstück und diskutierte darüber, welcher Weg der richtige ist."

Im Juni begann der Abriss der Brücke über die Kohlebahn in der Drebkauer Straße. Zwar weisen seitdem Schilder darauf hin, dass Autofahrer diese Strecke nicht mehr passieren können. Doch auch Radfahrer nutzen den Weg, zum Beispiel für die offizielle Sand-Wasser-Feuer-Tour, die von der Stadt in die Steinitzer Alpen führt und vom Tourismusverein Spremberger Land entwickelt wurde. Sobald die Radler vor der Baustelle anhalten müssen, merken sie: Ein großes Hindernis befindet sich neuerdings auf der offiziellen Strecke der Sand-Wasser-Feuer-Tour.

Deshalb weist also Ditmar Kormannshaus den Touristen notgedrungen den Weg. Sonst würden sie sich noch länger vor seinem Grundstück aufhalten und anhand ihrer Karten und Navigationsgeräte beraten, welche alternative Route sich am besten eignet.

So sagt Ditmar Kormannshaus: "Eine Frau hat mir schon vorgeschlagen, ich sollte mir die Beratung von der Stadt in Rechnung stellen lassen."

Immerhin sprachen die Mitarbeiter der Touristinformation schon mit den Fachleuten aus dem Rathaus darüber, dass die Baustelle in der Drebkauer Straße nicht folgenlos für Radtouristen bleibt. Der Chef der Touristinformation, Marco Wentworth, erklärt: "Wir überreichen den Gästen mittlerweile eine Karte, auf der in einfachster Form die Sperrung samt zweier möglicher Umleitungsrouten eingezeichnet ist."

Auch Ditmar Kormannshaus besuchte die Touristinformation bereits, um das Problem der Radtouristen zu schildern. "Man staunt ja darüber, wie viele Leute diese Strecke nutzen", sagt er. "Wenn die Stadt ein Wegeleitsystem für Radfahrer einrichten will, kann sie gleich bei dieser Umleitung anfangen."

Über dieses Wegeleitsystem sprachen die Stadtverordneten während ihrer letzten Konferenz vor der Sommerpause im Juli. In der Begründung des Rathauses heißt es dazu: "Derzeit ist es für Touristen, die Spremberg besuchen, schwierig, sich ohne zusätzlichen Aufwand zurechtzufinden." Deshalb sollen an wesentlichen Punkten Schilder aufgestellt werden, die auf Sehenswürdigkeiten, öffentliche Einrichtungen und weitere Orte in mehreren Sprachen hinweisen. Auch ein begleitendes Programm für Mobiltelefone ist momentan im Gespräch.

Zum Thema:
Tourismus-Programme helfen nicht, wenn es an gastronomischen Angeboten mangelt: Das stellte im Juli der frühere Fahrradbeauftragte des Berliner Senats im Gespräch mit der RUNDSCHAU fest. Benno Koch präsentiert regelmäßig Radtouren im Programm von Radioeins, und er war im Sommer wieder in der Spremberger Region unterwegs. "Für Radtouristen entscheidet sich auf den ersten 20 bis 30 Kilometern, ob sich der Ausflug lohnt", sagt er. "Kommt über lange Strecken kein Restaurant und kein Imbissstand, hat die Tourismusindustrie ihre Chance vergeben." (wr)