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| 15:22 Uhr

Bauprojekt kostete eine Million Euro
Spremberger Wendenbrücke frei

Seit Dienstag ist der Weg über die Brücke an der Wendenstraße wieder offen. Dutzende Besucher nahmen an der Einweihung teil.
Seit Dienstag ist der Weg über die Brücke an der Wendenstraße wieder offen. Dutzende Besucher nahmen an der Einweihung teil. FOTO: LR / René Wappler
Spremberg . Besucher weihen nach monatelanger Verzögerung das Bauwerk über der Spree ein. Von Rene Wappler

Dienstag, 10.55 Uhr. Fünf Minuten noch, bis das Ehepaar die Brücke überqueren kann. Heidi Stange und ihr Mann Bernd-Ulrich aus Spremberg haben die Bauarbeiten an der Wendenstraße von Anfang an beobachtet. Bernd-Ulrich Stange sagt: „Endlich können wir diese wichtige Fahrradstrecke wieder nutzen.“

Eine Gruppe aus dem Kinderspielgarten des Spremberger Krankenhauses gesellt sich dazu. Leiterin Elke Schmiedel ruft den Kindern zu: „Das kommt in unseren Erinnerungsband.“ Wie das Ehepaar sieht sie in der neuen Brücke einen praktischen Wert. Endlich keine Umwege mehr bei den Spaziergängen über die Spree: Darüber freuen sich viele Einwohner der Stadt, die an diesem Vormittag erleben wollen, wie Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) das Bauwerk einweiht.

Mit „stoischer Ruhe und Gelassenheit“ haben die Mitarbeiter des Rathauses in den vergangenen Monaten am Telefon auf die Fragen von Anrufern reagiert, wie das Stadtoberhaupt berichtet. Schließlich sollte die Brücke an der Wendenstraße schon im Sommer eröffnet werden. Doch dann stellte sich heraus, dass ein geliefertes Bauteil nicht passte. Damit verschob sich der Termin um mehrere Monate.

Die Bürgermeisterin sagt: „Ja, die Brücke ist später fertig geworden, als wir uns das zunächst ausgerechnet haben.“ Allerdings unterliege ein solches Bauwerk „besonderen Anforderungen“. Auch wenn sich „die Verwaltung einiges anhören musste“, hält es Christine Herntier für „richtig und wichtig“, dass die Fachleute nicht überstürzt reagierten.

Zugleich baut das Stadtoberhaupt eine eigene kleine Brücke aus Selbstironie zum Publikum. „Ist ja auch mal was, wenn man mit der Hauptstadt verglichen wird“, sagt Christine Herntier mit Blick auf die Sticheleien, die das Projekt an der Wendenstraße zur immerwährenden Flughafen-Baustelle in Bezug setzten.

Dabei betonten die Mitarbeiter des Rathauses stets, dass der Fehler nicht bei ihnen liegt, sondern bei der zuständigen Firma. „Letztendlich zeigen diese Reaktionen, wie wichtig den Sprembergern ihre Brücke ist“, erklärt die Bürgermeisterin.

Ungefähr eine Million Euro kosteten die Bauarbeiten insgesamt. 749 000 Euro davon stammen aus Fördermitteln des Landes Brandenburg. Das erläutert Raik Gallas vom Bereich für Tiefbau im Rathaus, der das Projekt in den vergangenen Jahren begleitete und nun ebenfalls an der Freigabe teilnimmt.

Im Jahr 2015 entschieden sich die Stadtverordneten dafür, die alte Kanubrücke wegen Sicherheitsmängeln durch den Neubau aus einem Alumimiumfachwerk zu ersetzen. Nun verbindet die Brücke mit einem Gewicht von 28 Tonnen wieder das Wohngebiet Slamen mit der Stadtmitte. Darüber hinaus zählt sie zum Spreeradweg und zur Niederlausitzer Bergbautour.

Im Umfeld der Brücke wurden bereits 40 Bäume neu gepflanzt. Nach Angaben der Sachgebietsleiterin für Grünwesen, Doritha Drews, handelt es sich um Eichen, Buchen und Kastanien.

Um elf Uhr schneidet die Bürgermeisterin das Band durch, das die Brücke nur noch symbolisch von den Besuchern trennt, begleitet vom Bauausschuss-Vorsitzenden Peter Reininger (CDU) und dem zuständigen Planungsingenieur Peter Zech. Der Chef des Bauausschusses äußert sich erfreut, erinnert das Publikum zugleich aber noch einmal daran, dass der Weg ja schon zum Heimatfest im August frei sein sollte.

Schließlich spazieren die ersten Besucher über die Brücke, die in den Augen der Bürgermeisterin trotz der 28 Tonnen Gewicht „etwas Filigranes hat“. Das gefalle ihr „außerordentlich gut“.

Mit seinem Fahrrad weiht der Spremberger Rentner Dieter Jüttner das Bauwerk ein. Immer wieder schaute er in den vergangenen Monaten vorbei, um zu sehen, wie sich die Arbeiten entwickeln. „Einer fragte mich hier schon, ob das etwa meine Brücke ist“, erzählt er, während er sein Rad über den Weg schiebt.

Vielleicht trifft diese Frage sogar den Kern. Denn wie Dieter Jüttner geht es all den Einwohnern, die endlich wieder die kurze Strecke über die Spree nehmen wollen. Das ist jetzt ihre Brücke.