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Welzow
SWAZ arbeitet an Druckproblemen in der Welzower Trinkwasserversorgung

Ein neuer Reinwasserbehälter entsteht für die Druckerhöhungsstation in Welzow, das Fundament davor ist für das Maschinenhaus,
Ein neuer Reinwasserbehälter entsteht für die Druckerhöhungsstation in Welzow, das Fundament davor ist für das Maschinenhaus, FOTO: swaz/ihc / LR
Welzow. Wasserrohrbrüche sorgen immer wieder für Aufregung in Welzow. In der jüngsten Stadtverordnetenversammung machten Bürger ihrem Ärger Luft. Annett Igel-Allzeit

Oft sitzt er selbst als Bereitsschaftsdienst am Telefon, wenn in Welzow Druckschwankungen wieder für ein Leck im alten Teil des Trinkwassernetzes gesorgt haben. „Dabei ist der Druck nie überhöht, sondern er schwankt in normalen Bereichen, wenn die Pumpe ausfällt, die Drehzahlregulierung aussetzt. Zehn Bar müssen Netze und die Hausanlagen aushalten“, so Schmied. Der Reinwasserbehälter für die neue Druckerhöhungsstation steht. Der erste von zwei Bauabschnitten ist damit fast abgeschlossen.  Auch etwa zwei Drittel der Trinkwasserleitungen konnten im Zuge der Straßenbaumaßnahmen in den vergangen Jahren erneuert werden. „Die Hauptversorgungsadern Spremberger Straße und Cottbuser Straße sind  zu 70 Prozent rekonstruiert. Viele Endstränge wurden zu Ringleitungen verbunden. Ein Großteil der Schiebekreuze ist saniert. Wir brauchen sie, um bei Rohrbrüchen die Ausfallgebiete zu minimieren“, erklärt Schmied.

Zum Trinkwasserversorgungsgebiet Welzow gehören neben der Stadt der Ortsteil Proschim und die Ortslage Karlsfeld. Das Trinkwasser kauft der SWAZ beim Wasserverband Lausitz am Übergabebauwerk B 156. Im Wasserwerk Tettau wird das Wasser für die Welzower aufbereitet. Das Übergabebauwerk und die Welzower Druckerhöhungsstation verbindet eine Asbestzement-Leitung. Sie ist Geschichte, wenn der Tagebau Welzow-Süd voranschreitet. Ob das Teilfeld 2 kommt, dass die Zuführungsleitung kappt, will der Bergbaubetreiber Leag bis 2020 entscheiden.

Bis zum Aufschluss des Tagebaus Welzow-Süd versorgte das Welzower Wasserwerk, gebaut um 1920, die Bevölkerung mit Trinkwasser. Es befand sich in dem Backsteinbau, wo heute die Druckerhöhungsstation steht. Als in den 60er-Jahren mit Beginn des Braunkohlenabbaus der Grundwasserstand sank, musste das Wasserwerk zur Druckerhöhungsstation umgebaut und das Trinkwasser gekauft werden. „Die erste Druckerhöhungsstation zu erneuern, darüber sei schon zu DDR-Zeiten nachgedacht worden. Aber auch nach der Wende  wurde an den Trinkwasseranlagen in Welzow mehreren Jahre nichts gemacht. Aber in diesem Fall hat die Zeit auch für uns gearbeitet“, so Schmied.

Der Reinwasserbehälter aus dem Baujahr 1966 – ein Rundbau aus Stampfbeton – ist für 1000 Kubikmeter ausgelegt. Er ist nach den sinkenden Einwohnerzahlen, der Stilllegung und Umnutzung des ehemaligen Flugplatzes der sowjetischen Streitkräfte und dem Verlust bergbaunaher Einrichtungen und Gewerbeunternehmen zu groß. Für den neuen Behälter aus Edelstahl, der schon in der Herbstsonne glänzt, reicht nun ein Speichervolumen von 500 Kubikmeter. Ein Bedienhaus aus Stahlblech ist an den Behälter angekoppelt. „Aber unser Anlagenbauer Farmatic ist inzwischen in Insolvenz.  Wir warten auf die Entscheidung, dass unser Auftrag noch abgeschlossen werden kann. Das Material, die Bauteile liegen bereit.“ Aber erst nach dem zweiten Bauabschnitt im Jahr 2018, in dem die technologische Ausrüstung, die Elektro-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, die verbindenden Rohrleitungen und der Erdkabelanschluss kommen, kann die alte Pumpstation abgeschaltet und abgerissen werden.

Sobald Leag die Entscheidung zum Teilfeld 2 trifft, organisiert der SWAZ die Trinkwasserversorgung in Welzow neu. Zwei Varianten stehen zur Wahl: Die Zuführung von Trinkwasser aus dem Versorgungsgebiet des Wasserwerkes Spremberg entlang der Straße, die der Bergbaubetreiber durch rekultiviertes Gelände plant, liegt als Ingenieurarbeit vor. Die Zuführung des Trinkwassers aus dem Versorgungsgebiet der Druckerhöhungsstation Lindchen des Wasserverbandes Lausitz – weiterhin aufbereitet in Tettau – ist von einem Ingenierbüro untersucht worden. Egal, welche Variante die günstigere wird, finanzieren soll sie der Bergbaubetreiber. Die neue Druckerhöhungsstation brauchten beide Varianten.

Bernd Schmied, Verbandsvorsteher des SWAZ, hofft auf mehr Sachlichkeit in der Altanschließer-Debatte.
Bernd Schmied, Verbandsvorsteher des SWAZ, hofft auf mehr Sachlichkeit in der Altanschließer-Debatte. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR