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| 02:35 Uhr

Spremberger verlieren ihren ältesten praktizierenden Arzt

Wolfgang Wende beim Fasching der Kanuten.
Wolfgang Wende beim Fasching der Kanuten. FOTO: Archiv
Spremberg. Er war Arzt aus Leidenschaft. 55 Jahre im Dienst am Menschen. Detlef Bogott/dbo1

Es gibt wohl nur wenige Menschen in Spremberg, die den Arzt, Musikliebhaber und Politiker Wolfgang Wende nicht kannten. Schnell verbreitete sich die traurige Nachricht vom plötzlichen Tod des sympathischen Arztes, der im Oktober 80 Jahre alt geworden wäre. Immer nett und einen guten Spruch parat, so kannten ihn die Spremberger. Aber Wolfgang Wende konnte auch anders sein, egal ob als Mediziner, oder als Politiker im Stadtparlament. Wenn es galt, ein Ziel zu erreichen, dann kämpfte er vehement für die Sache.

Seinem Lebensmotto, entlehnt von Johann Wolfgang von Goethe, ist er bis zum Ende treu geblieben: "Vergebens werden ungebundene Geister nach der Vollendung reiner Höhe streben. Wer Großes will, muß sich zusammenraffen. In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben."

Wolfgang Wende wurde am 28.Oktober 1936 geboren und besuchte von 1942 bis 1950 die Schule in Slamen, 1950 bis 1954 die Karl-Marx Oberschule (Abitur). Es folgten drei Semester Vermessungstechnik an der TU Dresden. Dann traf er die Entscheidung, Arzt zu werden, und begann im Jahr 1956 ein Medizinstudium an der Humboldt-Universität in Berlin, das er im Jahr 1962 mit dem Staatsexamen abschloss.

Damit begann seine ärztliche Tätigkeit in Hoyerswerda an der Gynäkologischen Abteilung. Ab 1965 folgten viele Jahre in der Unfallchirurgischen Abteilung der Betriebspoliklinik des Gaskombinats Schwarze Pumpe. Er war Betriebsarzt für alle Tagebaue und die Spremberger Handelsorganisation (HO).

Ab dem Jahr 1975 war Wolfgang Wende Oberarzt in der Allgemeinärztlichen Abteilung der Poliklinik Spremberg und ab 1983 deren Chefarzt. Dazu kam die Arbeit als langjähriger Musterungsarzt. Der Titel des Medizinalrat wurde ihm im Jahr 1984 verliehen. Seit 1991 arbeitete der Doktor als Arzt in eigener Niederlassung in der Karl-Marx-Straße, später gemeinsam mit Sohn Tobias, der in die Fußstapfen seines Vaters stieg. Seinen Beruf, der ein Leben lang Berufung war, ganz an den Nagel zu hängen, dies gelang Wolfgang Wende nicht. Stundenweise war er noch in der Praxis anzutreffen - als ältester praktizierender Arzt in Spremberg und Umgebung.

Nicht nur mit dem Stethoskop, auch am Klavier war er ein Virtuose. Seine Art zu entspannen war einfach: sich ans Klavier setzen - bis ans Ende seiner Tage.

Im Laufe der Jahre bildete er fünf Ärzte zum Facharzt aus. Er war Mitbegründer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Spremberg und zeitweise deren Vorsitzender. Wolfgang Wende war Mitbegründer der SPD in seiner Heimatstadt und saß als Mitglied der SPD von 1990 bis 1992 im Stadtparlament. Viele kannten ihn auch als Mann mit viel Witz. Er saß viele Jahre im Elferrat der Kanuten und machte mit den Bänkelsängern Politisches Kabarett. Dazu schrieb er auch die Texte, unter anderem mit eigenen Kompositionen. Er hatte die musikalische Leitung und Begleitung des Chantychores der Kanuten inne. Außerdem las er viel und gerne, von Rilke über Zweig, von Zola bis Tolstoi.

Interessante Artikel stammen aus seiner Feder in Heimatkalendern der Stadt Spremberg. Nicht zu vergessen all die Jahre als Ringarzt bei Boxsportwettkämpfen. Mit Ehefrau Ursula war er seit 1961 verheiratet, beide gingen seit der Schule gemeinsame Wege. Wolfgang Wendes ganzer Stolz waren seine Söhne Steffen und Tobias und seine drei Enkelkinder.