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Verfolgungsjagd am Schweizergarten
Schaden bleibt am Opfer hängen

An dieser Stelle fasste die Polizei den Täter nach der Unfallflucht. Manfred Löwing blieb bislang auf dem Schaden von 4361 Euro sitzen, den das Gutachten benennt.
An dieser Stelle fasste die Polizei den Täter nach der Unfallflucht. Manfred Löwing blieb bislang auf dem Schaden von 4361 Euro sitzen, den das Gutachten benennt. FOTO: René Wappler / LR
Spremberg. Ein Spremberger hat mit seinem Fahrzeug die Unfallflucht eines vor der Polizei flüchtenden Autofahrers gestoppt. Die Beamten schnappen so den Flüchtigen. Doch jetzt droht der Spremberger auf dem Schaden sitzen zu bleiben, der ihm entstanden ist.

Ein Mann aus Cottbus rast auf der Flucht vor der Polizei in das Auto eines Sprembergers. Dabei entsteht ein Schaden von mehr als 4000 Euro. Zwar fassen die Polizeibeamten den Täter. Doch das Opfer fürchtet, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Vom Arzt fuhren Manfred Löwing und seine Partnerin am 18. Dezember nach Hause. Der VW Polo bog in die schmale Einbahnstraße am Schweizergarten ein. Kurz vor der Einfahrt zum Hof stutzte Manfred Löwing. Ein BMW raste auf ihn zu, verfolgt von einem Polizeifahrzeug. „Ausweichen konnte ich nicht mehr“, sagt er. „Mit voller Wucht rammte er mein Auto am rechten Kotflügel.“ Dann verkeilte sich der BMW zwischen dem VW und dem Gartenzaun.

So hat sich Manfred Löwing auch als Zeuge bei der Polizei geäußert. Er erinnert sich, wie die Beamten stoppten, aus ihrem Auto sprangen und dem BMW-Fahrer Handschellen anlegten. „Wie in einem Krimi“, erklärt er. „Vorher hatte der Mann noch versucht, über den Rücksitz auszusteigen und weiter zu fliehen.“

Nun siegt im Krimi oft das Gute. Das wahre Leben schert sich kaum darum, wie Manfred Löwing erfahren muss. Nach der Festnahme des BMW-Fahrers schaute sich ein Gutachter den VW Polo an. Sein Urteil lautet: Totalschaden. 4361 Euro würde die Reparatur kosten. Hinzu kommen die Kosten für das Flicken des zerstörten Zaunes. Sie belaufen sich auf 456,13 Euro. Diese Summe findet sich in der Rechnung der Firma.

Manfred Löwing brachte sein Auto am Montag dieser Woche in die Werkstatt. Nach eigenen Worten bezieht er eine Rente von 800 Euro im Monat. „Große Sprünge kann ich mir nicht leisten“, sagt er. „Damit das Auto wieder vernünftig fährt, muss ich mein Erspartes opfern.“

Denn für den Schaden kam bislang keine Versicherung auf. Der 27-jährige Täter hatte am BMW gestohlene Kennzeichen angebracht. Er besaß keinen Führerschein. Das Auto war nicht zugelassen. Ein Kaufvertrag fehlte ebenfalls. Das meldet die Pressestelle der Polizei. Vor dem Unfall am Schweizergarten war der Fahrer in der Berliner Straße gegen eine Laterne und ein weiteres Fahrzeug gestoßen. Er raste davon, ohne sich um die verletzte Insassin zu kümmern. Da folgte schon die Polizei seiner Spur, bis sie ihn am Schweizergarten festnehmen konnte.

Indirekt trug Manfred Löwing zu dieser Festnahme bei. Schließlich kam sein Auto dem Flüchtenden in die Quere. Doch nun hat er nur Ärger. Da der Täter aus Cottbus keinen Führerschein besitzt und somit keine Versicherung, steht in Frage, ob er den Schaden aus eigener Tasche begleichen kann. Zudem kennen ihn die Polizeibeamten von früheren Delikten.

Manfred Löwing sagt: „Der Mann hat wissentlich in Kauf genommen, weitere Personen zu schädigen.“ Es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass er und seine Partnerin bei dem Aufprall unverletzt blieben.

Falls sich beim Täter wirklich kein Geld holen lässt, besteht für Manfred Löwing noch eine Chance. Doch der Erfolg ist nicht garantiert. Ein Verein der deutschen Versicherer, die Verkehrsopferhilfe, kümmert sich nach eigenen Angaben um Fälle, die durch nicht ermittelte oder nicht versicherte Autos verursacht werden.

So oder so bleibt der Aufwand an Manfred Löwing hängen.


Auf seiner Flucht beschädigte der Täter eine Laterne und ein Auto in der Berliner Straße. Die Fahrerin wurde verletzt.
Auf seiner Flucht beschädigte der Täter eine Laterne und ein Auto in der Berliner Straße. Die Fahrerin wurde verletzt. FOTO: Detlef Bogott