Mit einem Tag der offenen Tür hat die Spremberger Tafel am gestrigen Dienstag auf sich aufmerksam gemacht und Partner, Helfer und Gäste zu Begegnungen und Gesprächen eingeladen. Das ist wichtig, denn ohne Unterstützung, ohne Sponsoren und Spenden von außen wäre der Betrieb dieser Einrichtung in der Petrigasse gar nicht möglich. Und natürlich soll der Einblick in den Tafel-Alltag auch mit so manchem gängigen Vorurteil aufräumen. "Zu uns kommen nicht nur Menschen, die langzeitarbeitslos sind", sagt Kai Noack. Zu den Klienten zählen stattdessen auch immer mehr Geringverdiener, die von ihrem Verdienst gar nicht leben können. Zudem gehören auch zunehmend Rentner, die ein Leben lang gearbeitet haben und dennoch nur eine kleine Rente beziehen, zu den anspruchsberechtigten Nutzern. "Die Altersarmut ist ein wachsendes Problem", sagt Kai Noack. Der Sozialpädagoge hat als Leiter für insgesamt vier vom ASF betriebene Tafeln die Verantwortung. Denn außer Spremberg gehören auch die Tafeln in Welzow, Cottbus und Luckau mit weiteren Ausgabestellen in Golßen, Lübben und Drebkau zum Albert-Schweitzer-Familienwerk. "Damit sind wir für fast 13 000 Klienten da."

In der Spremberger Petrigasse werden an vier Tagen der Woche ein warmes Mittagessen und Lebensmittel, Obst und Gemüse ausgegeben, die zuvor große Discounter wie Kaufland und Lidl, aber auch einige einheimische Händler und freundliche Kleingärtner aus der Stadt zur Verfügung stellen. "Doch allein von den Spremberger Händlern wäre der Bedarf in der Stadt gar nicht zu decken", erklärt Kai Noack. Deshalb holen die Tafel-Helfer die Waren zusätzlich bei Großhändlern in Cottbus oder gar Berlin ab - doch dafür fallen dann auch Kosten für Benzin und Strom an. Zu einem gewissen Anteil bezuschusst die Stadt Spremberg diese Kosten. "Weil es eine wichtige soziale Leistung ist, gibt es dazu einen Konsens bei den Stadtverordneten", sagt Christina Schönherr, die als stellvertretende Bürgermeisterin den Tag der offenen Tafel-Tür besuchte.

Dass der tägliche Betrieb in der Petrigasse läuft, dafür sorgen sechs ehrenamtliche Helfer und sieben Männer und Frauen eines Arbeitslosenprojektes. Schon seit der Gründung der Spremberger Tafel ist Thomas Prach dabei. Seit über zehn Jahren engagiert sich der heutige Frührentner inzwischen ehrenamtlich für die Einrichtung, hilft bei der Gemüse-Ausgabe und überall, wo eine helfende Hand gebraucht wird. "Wer selbst einmal arbeitslos war und dabei auch soziale Vereinsamung kennengelernt hat, weiß, wie wichtig solche Treffpunkte sind", sagt der Spremberger.