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Spremberger Senioren helfen Neuntklässlern

Joey (r.) feiert am Tennisheim das Projekt "Räuberleiter".
Joey (r.) feiert am Tennisheim das Projekt "Räuberleiter". FOTO: ani
Spremberg. Die Ballmaschine schießt Angebote über den Tennisplatz. Obwohl die Mentoren – einige im Rentenalter, einige am Ende ihres Berufslebens – den 18-jährigen Joey zum kleinen Sommerfest der Aktion "Räuberleiter" in Gespräche verwickeln, hat er den Takt der Maschine schnell verinnerlicht.

Er trifft alle drei Bälle. Auch mit seinem Mentor Klaus-Dieter Gemeinhardt hatte er es gut getroffen. Als 15-Jähriger träumte Joey: "Industriemechaniker wollte ich werden, aber meine Noten sahen nicht gut aus." Klaus-Dieter Gemeinhardt nickt: "Besonders die Mathenote brachte mich ins Grübeln. Das wollten wir gemeinsam ändern." Dazu kam, dass Joey im Auftreten unsicher war. "Herr Gemeinhardt half mir, ein Praktikum zu finden." Und als Joey wusste, worauf es ankommt, schaffte er sogar ein "Gut" zum Schulabschluss. Quer durchs erste Lehrjahr zum Industriemechaniker beim Lausitzer Energieunternehmen Leag hält die Begeisterung. "Das ist voll die richtige Entscheidung gewesen", sagt Joey.

Im Jahr 2012 wurde die bundesweit erprobte Idee, dass statt professioneller Berufsberater Senioren Jugendlichen helfen, ihre Berufung zu finden, in der Berufsorientierenden Oberschule (BOS) vorgestellt. Nach Gesprächen mit dem Traditionsverein Schwarze Pumpe und der Freiwilligenagentur lief im September 2013 die Schulung der ersten Mentoren. Einen Monat später hatten sie Schüler. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Spremberg (ASG) kümmert sich um Fördermittel von Land und Bund. Die Agentur für Arbeit, die Kammern und die Fortbildungsakademie der Wirtschaft helfen in der Weiterbildung.

Zielgruppe sind Neuntklässler, die privat oder in Schulfächern Probleme haben, zu Hause keine Hilfe bekommen, zu unsicher sind in der Berufswahl. Arwed Obst von der Wirtschaftsförderin ASG koordiniert die Aktion "Räuberleiter" und bringt die Mentoren 14-tägig mit Diplompsychologin Karina Kluge zum Austausch an einen Tisch. "Die Oberschule hofft zum Schuljahresbeginn auf Mentoren für sechs Neuntklässler, wenn die Eltern zustimmen", so Arwed Obst. Um das 1:1-Verhältnis sichern zu können, werden vier neue Mentoren gesucht. "Patenschaften mit Zehntklässlern laufen ja weiter", erklärt Obst. Den Altersunterschied wie zwischen Großeltern und Enkel will er wahren: "Als Großeltern schauen wir entspannter auf Probleme." Eine pädagogische Ausbildung sei nicht nötig, so Sabine Rackel. "Am besten, sie kommen aus den Bereichen, in die unsere Schüler wollen - aus technischen und kaufmännischen Berufen, aus dem Gesundheitswesen, dem Handel", zählt sie auf. Auch sie will sich als Mentorin schulen lassen. "Als ich noch Inhaberin eines Cafés war, hatte ich öfter Schülerpraktikanten und bald einen Blick dafür, wo es etwas wird und wo die Jugendlichen noch einen Rat brauchen."

Zum Thema:
Spremberger ab 50 Jahre, die Zeit für die "Räuberleiter" haben, können sich in der Freiwilligenagentur unter 03563 6090321 oder bei der Wirtschaftsförderung Spremberg unter 03563 5930557 melden. Die Mentoren-Schulung über 20 Stunden läuft vom 29. August bis 1. September.