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Spremberg
Spremberger Rathaus baut Gesundheitsmanagement aus

Spremberg. Dienstvereinbarung erlaubt den Mitarbeitern ein flexibles Arbeitszeitmodell.

Eine neue Dienstvereinbarung erlaubt den Mitarbeitern des Spremberger Rathauses flexible Arbeitszeiten. Wie Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) mitteilt, gehört das Modell zum Gesundheitsmanagement der Stadtverwaltung: „Angesichts einer wachsenden Arbeitsbelastung wollen wir neue Wege gehen“, sagt sie.

Im Dezember 2016 stellte die Bürgermeisterin auf Wunsch der CDU-Fraktion ausführliche Daten zum Krankenstand im Rathaus vor. CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel vermutete, „dass zurzeit in einigen Punkten zu schnell vorangeschritten wird und dies zur Überlastung führt“. Die Statistik der Spremberger Stadtverwaltung offenbart: Auf jeden Mitarbeiter entfielen von Januar bis November 2016 im Durchschnitt 21,84 Überstunden. In diesem Zeitraum war jeder Mitarbeiter im Schnitt 21,67 Tage krankgeschrieben. Im Land Brandenburg lag die Fehlzeit nach Angaben der Techniker Krankenkasse bei 19,1 Tagen. Dabei steigen die Fehltage erst in der zweiten Hälfte des Berufslebens deutlich.

Die Mitarbeiter des Spremberger Rathauses weisen „nach wie vor einen sehr hohen Altersdurchschnitt“ auf, wie Bürgermeisterin Christine Herntier anmerkt. Diese Tendenz betrifft nicht nur Spremberg: Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat der Anteil der Beschäftigten ab 45 Jahren im öffentlichen Dienst in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Zugleich sinke der Anteil jüngerer Mitarbeiter. Als einen Grund nennt die Studie das steigende Renteneintrittsalter. In der Spree-Neiße-Region kommt ein weiteres Problem hinzu: So viele junge Menschen unter 30 Jahren wie in keinem anderen Landkreis Deutschlands verlassen hier ihre Heimat, um in anderen Orten nach Arbeit zu suchen. Guben ist besonders stark von dieser Tendenz betroffen, wie das Infrastrukturministerium des Landes Brandenburg feststellt. Doch auch in Spremberg und Forst steigt das Durchschnittsalter der Einwohner.

Deshalb betrachtet Bürgermeisterin Christine Herntier das Rückkehrer-Projekt als „eine besonders wichtige Aufgabe“. Die Abgewanderten nach dem Jahr 1989 zeichneten sich dadurch aus, dass unter ihnen überproportional viele Frauen waren und dass es sich um junge und gut ausgebildete Menschen handelte: Darauf weist eine Publikation des Bundeswirtschaftsministerium unter dem Titel „Wieder da“ hin. Die Rückkehrer zeichnen sich demnach in der Regel durch „ein überdurchschnittliches Bildungsniveau“ aus. Nach Angaben der Landesregierung lassen sich im Durchschnitt ungefähr 200 Beschäftigte jährlich wieder in ihrer früheren Heimat, nachdem sie längere Zeit in anderen Regionen gearbeitet haben.