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| 15:00 Uhr

Spremberg
Oberschule platzt aus den Nähten

BOS in Spremberg
BOS in Spremberg FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Mit 323 Schülern ist Grenze erreicht. Doppelt so große Sporthalle wird gebraucht. Von Annett Igel-Allzeit

In der Berufsorientierenden Oberschule Spremberg (BOS) wird es eng. Verlangt das Schulamt in Cottbus von Kerstin Berger, der Schulleiterin, dass sie nach den Sommerferien 2019 erneut mit vier siebten Klassen startet, kann sie das aus heutiger Sicht nicht zusagen. „Unsere BOS ist 2001/2002 als dreizügige Schule rekonstruiert worden. Ich weiß nicht, wo ich die Schüler dann noch hinpacken soll“, erklärt sie im Spremberger Bildungsausschuss.

Soll sie auf die Dreizügigkeit pochen, Eltern mit ihren Kinder aus Spremberger Ortsteilen wegschicken? Wie schnell findet die Stadt als Schulträger eine Übergangslösung? Reicht als endgültige Lösung ein Anbau, oder muss an einem anderen Standort neu gebaut werden? Es liege nicht nur an steigenden Schülerzahlen. „Vor zehn Jahren hatten wir auch so einen Boom. Geändert hat sich seit dem viel. Wir haben nicht mehr nur Haupt- und Realschüler. Sondern wir haben auch Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen, mit einer Hörschädigung, mit einer Körperbehinderung, mit Verhaltensauffälligkeiten, mit geistiger Behinderung, mit Autismus und 31 junge Flüchtlinge“, zählt Kerstin Berger auf. „Katastrophal“ seien die Zustände in der Schule noch nicht. „Wir haben das für dieses Schuljahr mit vier siebten Klassen noch einmal gut hinbekommen“, sagt sie.

Der große, altehrwürdige Schulbau aber täusche. „Wir haben lange Flure, herrlich breite Treppen. Da verlaufen sich über 323 Schüler ganz schnell“, sagt Kerstin Berger. „Aber die Klassenzimmer sind klein und dunkel.“ In den 50 Quadratmeter großen Klassenräumen sitzen neben 18 bis 30 Schülern ein bis zwei Lehrer, der pädagogische Unterrichtshelfer und oft ein Einzelfallhelfer. Die Fachräume für Biologie, Chemie und Biologie seien zwar 70 Quadratmeter groß, aber nur für diese Fächer geeignet. Kursräume mit 29 Quadratmetern helfen, wenn eine Klasse für den Unterricht geteilt wird – aber dafür muss ein Kursraum frei sein. In die Räumlichkeiten der Schulsozialarbeiterin passen keine 50 Schüler, für eine Ganztagsschule wäre das aber wichtig. Lehrer hat Kerstin Berger vom Schulamt reichlich bekommen: „Vor drei Jahren waren wir 26, jetzt sind wir 34 Lehrkräfte.“ Allerdings passten ins Lehrerzimmer nur 25 Lehrer. „Zum Glück wird das Schul­essen derzeit nicht gut angenommen. Wir sind auf der Suche nach einem neuen Versorger. Einen Speisesaal haben wir nicht, und in unser Schulcafé passen nur bis zu 40 Menschen.“ Die Aula sei toll – für Konzerte, aber ohne Mikrofon-Anlage nichts für Konferenzen. „Zudem“, so Kerstin Berger, „bekommen wir die Aula im Winter nicht wärmer als 17 Grad Celsius.“ Für den Sportunterricht unterschreibe sie die Einschätzung „katastrophal“. Die Sporthalle reiche für eine einzügige Schule. Mit den Außenanlagen haben die Mädchen und Jungen derzeit 3700 Quadratmeter Platz für Sport, 7100 Quadratmeter würden für die Vierzügigkeit gebraucht. Obwohl die Schüler 100 Meter sprinten müssten, sei die Laufbahn nur 80 Meter lang. „Wir weichen auf das Gelände der Kanuten aus“, sagt die Schulleiterin. Berufsorientierung wird in Sprembergs einziger Oberschule groß geschrieben. Mit 40 Kooperationspartnern sichert sie das Konzept und hat zweimal zertifiziert bekommen, dass sie das hervorragend schafft. Als die Schule mit der Stadtverwaltung das Konzept „Gemeinsames Lernen“ beantragte, hatte Kerstin Berger Bauchschmerzen. „Wegen der Aussicht auf eine 60-prozentige Förderung für die Stadt habe ich zugestimmt“, erklärt sie.

Nein, die Containervariante als Übergang gefalle ihr nicht wirklich. Auf dem Schulhof hätten die Container keinen Platz. „Sie müssten auf dem Parkplatz gegenüber stehen und die Wirthstraße für den öffentlichen Verkehr gesperrt werden. Über die einstigen Schulgebäude in Spremberg Süd, wo übergangsweise ein Jahrgang untergebracht werden könnte, hat sie mit ihrem Team gesprochen. Doch die Mitglieder des Bildungsausschusses schütteln den Kopf. Die ehemalige Adolf-Diesterweg-Grundschule sei jetzt Notunterkunft. Und das ehemalige Gymnasium ließ der Landkreis Spree-Neiße zur Füchtlingsunterkunft umbauen. „Weil sie leer steht, prüft der Landkreis eine Nutzungsmöglichkeit fürs Objekt“, bestätigt die Pressestelle des Landrates.

Und die Förderschule auf dem Georgenberg? Peter Reininger (CDU) brachte sie ins Gespräch. Da würden derzeit noch 16 Förderschüler unterrichtet und der Landkreis lasse dort verschiedene Kurse laufen. Peter Reininger ärgert, dass das Problem nicht schon vor zwölf Jahren, als die Kinder geboren wurden, ernst genommen wurde. Kerstin Berger hofft, dass sie im Februar 2019 weiß, für welchen Weg sich die Stadt mit der Oberschule entscheidet: „Dann beginnt das Ü-7-Verfahren“, sagt sie. Das ist das Verfahren, in dem Eltern mit ihren Sechstklässlern entscheiden, welche weiterführende Schule sie wählen. „Nebenan im sächsischen Schleife wird eine neue Schule gebaut, die eine echte Konkurrenz wird. So eine Schule würden wir uns auch wünschen“, sagt Kerstin Berger.

„Anders als beim Schwimmhallenbau brauchen wir uns keine Sorgen um die Finanzierung zu machen“, sagt Peter Reininger, „dafür gibt es den Schullastenausgleich im brandenburgischen Schulgesetz.“

„Aber“, so Frank Kulik, stellvertretender Spremberger Bürgermeister, „wir müssten vorstrecken. Den Bedarf müssen wir jetzt deutlich signalisieren und uns schnellstmöglich mit dem Landkreis verständigen.“ Die zu erwartenden Schülerzahlen fürs Schuljahr 2029/30 liegen Kulik schon vor.

Schulleiterin Kerstin Berger.
Schulleiterin Kerstin Berger. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit