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| 18:25 Uhr

Naturschutz Spremberg
Artensterben auch an klarer Spree

 Regelmäßige Treffen mit Vertretern des Bergbaubetreibers  pflegt der Spremberger Nabu-Regionalverbandes: Hier ist Christina Paulo von der Leag im Gespräch mit Harald Peschel (l.), Wieland Böttger (r.) und Monika Tittler.
Regelmäßige Treffen mit Vertretern des Bergbaubetreibers pflegt der Spremberger Nabu-Regionalverbandes: Hier ist Christina Paulo von der Leag im Gespräch mit Harald Peschel (l.), Wieland Böttger (r.) und Monika Tittler. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Wieland Böttger gibt den Spremberger Nabu-Vorsitz in jüngere Hände. Von Annett Igel-Allzeit

Wieland Böttger geht nicht so gern an der Spree in Spremberg spazieren. Lieber zieht er durch die Kuthen, an den Buckower See, oder zu den Fledermausquartieren in den Friedhofskapellen. „Aber ich habe es als Naturschutzhelfer übernommen, die Spree zwischen der Talsperre und Gallinchen regelmäßig zu beobachten. Dort ist die Spree glasklar. Doch ich stelle dort einen Artenrückgang fest.“ Er hat eine Vermutung: Dem Fluss könnte Phosphor fehlen. Die Stoffe, die im Kampf gegen die braune Spree eingesetzt werden, damit sich das Eisen in der Vorsperre und in der Talsperre absetzt, binden auch Phosphor. „Besonders Pflanzen, die viel Phosphor brauchen, sind im Bereich nach der Talsperre verschwunden.“

Wieland Böttger gibt sein Ehrenamt als Vorstandsvorsitzender des Regionalverbandes des Naturschutzbundes in Spremberg in jüngere Hände. „Ich werde in diesem Jahr 80.“ Treu bleibt er dem Regionalverband trotzdem: „Ich werde dem Vorstand mit meinen Erfahrungen helfen. Ich freue mich aber auch darauf, zwei, drei Themen zugeteilt zu bekommen, um die ich mich intensiv kümmern kann.“ Wenn er an die Gründung des Regionalverbandes zurückdenkt, schmunzelt Böttger. „Wir Spremberger, die mit dem Naturschutz etwas am Hut haben, waren damals in verschiedenen Fachgruppen und Arbeitsbereichen unterwegs. Ronald Beschow war bei den Ornithologen, Harald Peschel drängelte von Döbern aus, ich kam von der Wasserwirtschaft. Gemeinsam wollten wir etwas für die Spremberger Region erreichen. Zehn Gründungsmitglieder waren wir.“

Dass die Gründungsversammlung am 2. September 2006 im Wasserwerk stattfand, war kein Zufall. Der Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverband Spremberg (SWAZ) hatte eine gut strukturierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme am Wasserwerk. „Diese Gruppe“, so Monika Tittler, stellvertretende Vortsitzende des Nabu-Regionalverbandes, „baute unsere wassertechnische Ausstellung hier auf.“ Auch sollte das Spülwasser aus dem Wasserwerk nicht länger ungereinigt in die Spree fließen. „Die Vorreinigungsanlage wurde gebaut und der Mäander-Graben“, so Böttger – und damit auch der obere Grundwasserspiegel angehoben für den kleinen Naturpark mit dem Lehrpfad.

75 Mitglieder hat der Verein heute. Wieland Böttger ist bemüht, den Kontakt mit Behörden und Unternehmen zu halten. Schon seit mehr als einem Jahrzehnt läuft der Vertrag mit dem Bergbautreibenden. Zusammengearbeitet wird mit den Verbänden der Angler, Imker und mit dem Dorfentwicklungsverband  in Hornow. Mit Doritha Drews, die als Sachgebietsleiterin Tiefbau auch verantwortlich fürs Grünwesen ist, wird sich über Natur- und Umweltschutz abgestimmt. Auch mit Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken saß Böttger jüngst zusammen. „Wir müssen mit Unternehmern reden, sie auf Probleme ansprechen“, sagt Böttger. „Die Fraktion der Linken trägt unsere Themen. Stadtverordnetenvorsteherin Elke Franke hat ein offenes Ohr. Peter Reininger ist es zu verdanken, dass der Nabu jederzeit Rederecht im Bauausschuss bekommt.“

Wie Monika Tittler bestätigt, ist der letzte Donnerstag im Monat mit der offenen Vorstandssitzung in der Naturschutzstation am Wasserwerk ein fester Termin auch in der Bürgerschaft. „Der Kreis der aktiv teilnehmenden jüngeren Naturfreunde wird größer und sichert, dass wir für die nächste Legislaturperiode einen jüngeren Vorstand wählen können.“ Neben den Vogelwanderungen und dem Kindernaturschutztag gehört zu den Großveranstaltungen des Nabu vor allem der Spremberger Wasser- und Naturschutztag, der 2018 zum zehnten Mal stattfand.

Wichtigstes Thema bleibt laut Böttger das Wasser: von der braunen Spree übers Grundwasser bis zu den Dorf- und Löschteichen in den Ortsteilen. Für 400 Euro hatte der Nabu Wassertanks angeschafft, um die Teiche, die auch Biotope sind, im trockenen Jahr 2018 aufzufüllen. Nur der Grausteiner Ortsvorsteher David Lamm zog mit. Weil Trockenheit öfter zu erwarten sei, müssten alte Brunnen ertüchtigt werden, fordert Böttger. Gewässer wie die Kochsa und der Buckower See, die noch vom Bergbaubetreiber gespeist werden, müssten für Flora und Fauna erhalten bleiben. Gewählt wird der Vorstandam 31. Januar.