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| 02:45 Uhr

Spremberger Kupferbergwerk rückt in weite Ferne

Mit diesen Gestängen wurden 2009 für KSL in Spremberg Erkundungsbohrungen gesetzt, um die Menge an Kupfererz zu ermitteln.
Mit diesen Gestängen wurden 2009 für KSL in Spremberg Erkundungsbohrungen gesetzt, um die Menge an Kupfererz zu ermitteln. FOTO: ZB
Spremberg. Seit sieben Jahren bereitet der US-amerikanische Konzern Minera S.A. mit Sitz in Washington den Bau eines Kupferbergwerkes in Spremberg vor. 1000 Jobs sollten entstehen. Doch die Aussichten auf Realisierung sinken. Simone Wendler und René Wappler

Es ist ein Rückzug auf Raten, immer wieder verbunden mit der Versicherung, an dem Vorhaben festhalten zu wollen. Am Mittwoch kündigte die Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) an, die Planungsarbeiten für ein Bergwerk in Spremberg vom Sommer ab aus den USA zu führen. Das bisherige Büro, in dem 2012 noch elf feste Mitarbeiter angestellt waren, wird geschlossen. Der Unternehmenssitz und ein kleines Büro für die verbliebenen drei Mitarbeiter bleiben in Spremberg, so KSL-Sprecherin Pia Verheyen.

Begründet wird dieser Schritt mit den weltweit rückläufigen Kupferpreisen. Als schrittweisen Rückzug will KSL diese Entscheidung trotzdem nicht interpretiert wissen. "Das Kupfer-Projekt in der Lausitz ist für die Minera S.A. von hohem Interesse", versichert Unternehmenssprecherin Verheyen.

Von 2003 bis 2011 kannte der weltweite Kupferpreis nur eine Richtung: nach oben. Er stieg bis auf rund 11 000 US-Dollar pro Tonne des Metalls. Doch danach ging es stetig abwärts. Vor einem Jahr verkündete KLS-Chefin Elke Groterhorst in Spremberg, dass das Lausitzer Projekt ab einem Kupferpreis auf dem Weltmarkt oberhalb von 8000 Dollar pro Tonne wirtschaftlich interessant werde. Damals pendelte der Preis um die 7500 Dollar, heute liegt er bei etwa 6 500 Dollar pro Tonne Kupfer.

Dass eine Erzgewinnung unter Spremberg aufgrund der geologischen Gegebenheiten im weltweiten Vergleich relativ teuer würde, steht schon lange fest. Seit 2007 hatte Minera an alte DDR-Pläne für einen Kupferabbau unter Spremberg angeknüpft und Erkundungsarbeiten in Gang gesetzt. Ein Raumordnungsverfahren wurde eingeleitet.

32 Millionen Euro hat KSL bisher für Bohrungen, eine umfangreiche seismische Erkundung und die Vorbereitung von Genehmigungsverfahren ausgegeben. Das ist etwa ein Drittel der Summe, die für die Bauvorbereitung insgesamt veranschlagt wurde. Die Errichtung des Bergwerkes selbst würde mehr als eine Milliarde Euro kosten.

In nächster Zeit soll nun, so KSL-Sprecherin Verheyen, erst mal nicht weiter investiert werden. Als nächster Schritt seien weitere Erkundungsbohrungen nötig: "Die sind vorerst nicht geplant." Entscheidend dafür, wann es weitergehe, seien eine "langfristig positive Kupferpreisentwicklung als auch technologische Verbesserungen hinsichtlich der Abbaumethoden."

Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) reagiert auf die angekündigte Schließung des KSL-Büros gefasst: "Ganz unvorbereitet trifft uns diese Nachricht nicht." Die Besetzung des Büros sei ja schon seit 2012 zurückgefahren worden, und nach ihrem Amtsantritt zu Beginn dieses Jahres habe sie schon aus dem Unternehmen erfahren, dass sich der Kupferpreis nicht wie erhofft entwickelt, so Herntier.

Sie ist jedoch sicher, dass das Kupfervorkommen unter Spremberg eines Tages doch noch benötigt wird. Deshalb bleibe das Projekt auch eine wichtige Aufgabe der kommunalen Wirtschaftsförderung.

Unverändert fortgesetzt werden derweil die Erkundungsarbeiten des polnischen Kupferkonzerns KGHM bei Weißwasser. KGHM, einer der weltweit größten Kupfererzeuger, hatte 2007 die Genehmigung bekommen, in Ost-sachsen den dortigen Teil des Lausitzer Kupferschiefers zu untersuchen. Vor einem Jahr hatte die Konzernspitze das Geld für die derzeit laufenden Ultraschallmessungen bis in 2000 Meter Tiefe freigegeben.

In zwei bis drei Monaten wird die Auswertung dieser Messungen bei KGHM voraussichtlich fertig sein. Dann müssen auch dort Entscheidungen über weitere Investitionen in die Erkundung der Kupferlagerstätte bei Weißwasser fallen.

Die Spremberger KSL hatte in ihrem Feld diese seismischen Untersuchungen schon 2011 beendet. Der zeitliche Vorsprung gegenüber KGHM zwingt das Unternehmen nun, angesichts der Kupferpreisentwicklung als Erster auf die Bremse zu treten.